Interview

Ich werde dem Papst-Besuch fernbleiben

Herr Rabbiner, am Sonntag ist der Papst Gast der jüdischen Gemeinde in Rom. Was erwarten Sie von dem Besuch?
Recht wenig. Meines Erachtens wird das Treffen kurzfristig kaum positive Auswirkungen auf den jüdisch-katholischen Dialog haben. Einzig die Kirche wird daraus Vorteile ziehen, vor allem mit Blick auf die konservativen Kreise. Sie kann das Ereignis nutzen, um ihre »aufrichtige Freundschaft« uns gegenüber zu bekunden.

Warum hat die Gemeinde das Treffen nicht abgesagt, nachdem Benedikt XVI. kurz vor Weihnachten seinen umstrittenen Vorgänger Pius XII. zum »Tugendhelden« erklärte?
Das müssen Sie die jüdische Gemeinde Roms und ihren Oberrabbiner fragen. Die Idee einer Absage wurde in Italien von vielen begrüßt, vor allem von den Familien der Schoa-Überlebenden und einigen Rabbinern. Es ist aber nicht dazu gekommen, weil man einen solchen Schritt für unhöflich hielt, schließlich kommt der Papst auf eine Einladung hin.

Sehen Sie das auch so?
Ich war zunächst ebenfalls gegen eine Absage, hätte jedoch vom Vatikan eine Stellungnahme gefordert, worin das Heldentum Pius XII. bestanden haben soll. Auf Ersuchen der jüdischen Gemeinde Roms gab es zwar eine Erklärung, doch die hat nichts geklärt. Deshalb habe ich beschlossen, dem Besuch des Papstes fernzubleiben.

Warum hat Italiens Rabbinerkonferenz das Treffen nicht an die Bedingung geknüpft, die vatikanischen Archive über Pius XII. zu öffnen?
Die Rabbinerkonferenz wurde vor vollendete Tatsachen gestellt! Die Öffnung der Archive könnte zweifellos Klarheit über die kontroverse Persönlichkeit Pius XII. bringen.

Der Papst nennt Juden oft »ältere Brüder«. Wie ist es um die Brüderlichkeit bestellt?
Mit großem Bedauern muss ich feststellen, dass dieses »brüderliche Verhältnis« im gegenwärtigen Pontifikat immer kraftloser geworden ist. Das beweisen zahlreiche »Betriebsunfälle«: etwa die Frage der Karfreitagsfür- bitte, die Aufhebung der Exkommunikation des Schoa-Leugners Bischof Williamson und die Lobeshymnen auf Pius XII.

Wird man mit Benedikt über die Pius-Brüder sprechen?
Das müssen Sie Roms jüdische Gemeinde fragen. Der Besuch geht auf ihre Initiative zurück. Ich möchte dazu nur anmerken, dass der Papst – wenn auch zu spät – die Schoa-Leugner unter den Lefebvre-Bischöfen zum Widerruf aufgefordert hat.

Wie beurteilen Sie unter diesen Umständen das Verhältnis zur katholischen Kirche?
In Italien ist beim christlich-jüdischen Dialog ein gewisser Stillstand zu verzeichnen. Das Gespräch leidet darunter, dass er sich nur an der Spitze abspielt. Der Dialog benötigt eine breitere Basis. Das heißt, mehr Menschen müssen sich daran beteiligen können.

Mit dem Vorsitzenden der italienischen Rabbinerkonferenz sprach Gerhard Mumelter.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026