NS-Verbrecher

Honecker wollte Brunner

Alois Brunner könnte 99 Jahre alt sein. Eine gesicherte Information zum Tod des NS-Verbrechers gibt es nicht. Was man aber jetzt über den engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns weiß, ist, dass man 1989 kurz davor war, ihn zu verhaften. »Die DDR hätte nur noch ein paar Tage länger überleben müssen«, fasst das österreichische Magazin Profil seine Recherche zusammen, die auf Dokumenten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) basiert.

Bereits im Jahr 1985 habe der französische Rechtsanwalt und Holocaust-Überlebende Serge Klarsfeld den DDR-Behörden vorgeschlagen, ihre guten Beziehungen zum Regime in Syrien zu nutzen, um Brunner in die DDR zu holen. Offiziell hatte Damaskus stets verkündet, Brunner sei dort nicht bekannt. Doch der hatte sich, unter anderem durch ein Interview, das er 1985 der Illustrierten Bunte gab, sogar öffentlich zu Wort gemeldet.

BND Man wusste: Brunner lebte als »Dr. Georg Fischer« in Damaskus, Rue Haddad 7 – nahe der bundesdeutschen Botschaft. Mittlerweile ist auch bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst den Mann, der für den Tod von 128.500 Juden verantwortlich ist, als Mitarbeiter in Syrien führte. Und noch in den 90er-Jahren haben österreichische UN-Mitarbeiter Brunner erkannt, wie er in einem Café in Damaskus saß.

Die Stasi nahm das Angebot von Serge und seiner Frau Beate Klarsfeld ernst. Im Januar 1986 entschied der MfS-Chef Erich Mielke, Brunner sei, wenn er DDR-Boden betrete, »zu verhaften«. Allerdings ging die Stasi davon aus, die Klarsfelds hätten geplant, Brunner »aus seinem bisherigen Aufenthaltsland Syrien zu entführen«. »Falsch«, sagt Beate Klarsfeld im Interview: »Derartiges hätten wir nie machen können.« 1988 hob sie den Fall auf eine noch höhere Stufe – sie sprach auf einem Bankett in Paris Erich Honecker direkt an: »Der Fall Alois Brunner muss gelöst werden.« Honecker gab die Information weiter. Im September 1988 hieß es, die Stasi gehe von einer »Abschiebung« Brunners durch Syrien aus.

Von einer »Auslieferung« des international mit Haftbefehl gesuchten SS-Mannes sollte abgesehen wer- den, »um eine nicht erwünschte Publizität« zu vermeiden. Sprich: Um Syrien, das immer behauptet hatte, ein Alois Brunner oder Georg Fischer lebe dort nicht, nicht allzu deutlich der Lüge zu überführen.

Im April 1989 waren die Gespräche der DDR mit Damaskus fast abgeschlossen. In einem Aktenvermerk des DDR-Außenmi-
nisters Oskar Fischer heißt es: »Genosse Erich Honecker hat festgelegt, dass der Generalstaatsanwalt der DDR die erforderlichen Maßnahmen zur Vorbereitung der Strafverfolgung Brunners für den Fall seines Eintreffens in der DDR einleitet.« Wenige Monate später gab es die DDR nicht mehr.

Stuttgart

»Der Nationalsozialismus war wunderschön«: AfD-Gemeinderat droht Parteiausschluss

Niels Foitzik behauptete in Videos, unter Adolf Hitler sei jeder willkommen und wertgeschätzt gewesen. Sein Landesverband will ihn ausschließen. Nach wie vor ist er Stadtrat der AfD

 07.05.2026

Hamburg

»Nakba«-Protestcamp am Ort der Judendeportation?

Auf dem ehemaligen Juden-Sammelplatz soll wieder ein antiisraelisches Camp errichtet werden. Die Jüdische Gemeinde und die Stadt Hamburg fordern die Verlegung an einen anderen Ort

von Michael Thaidigsmann  07.05.2026

Berlin

Wegner: Kannte Liste mit Antisemitismus-Projekten nicht

Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson war im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln zurückgetreten. Der Regierende Bürgermeister wusste laut eigener Aussage über einen wichtigen Aspekt nicht Bescheid

 07.05.2026

München

»Hitlergruß«-Collage? AfD-Politiker Bystron freigesprochen

AfD-Mann Bystron teilt in sozialen Medien eine Fotomontage - unter anderem mit Angela Merkel mit ausgestrecktem Arm. Strafbar? Geschmacklos? Das Landgericht sieht die Sache anders als die Vorinstanz

 07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Bayern

»Antisemitismus ohne mich«: Parteiübergreifende Kampagne

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder sowie die Landtagsabgeordneten von CSU, Grünen, Freien Wählern und SPD nehmen Teil

 07.05.2026

Sachsen-Anhalt

Umfrage zur Landtagswahl: Rechtsextreme AfD stärkste Kraft

Die selbsternannte »Alternative« baut ihren Vorsprung zur CDU vor der Landtagswahl aus. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap. BSW, Grüne und FDP wären nicht im mehr Landtag

 07.05.2026

Berlin

Gericht stoppt geplante Abschiebung israelfeindlicher Aktivistin aus Irland

Im Oktober 2024 dringen 20 Aktivisten in das Präsidium der Hochschule ein, beschädigten Büros und verletzten mindestens einen Mitarbeiter. Die Irin soll dabei gewesen sein

 07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026