Antisemitismus

Holocaust-Vergleich von Abbas: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Handschlag trotz Holocaust-Vorwurf und Holocaust-Relativierung: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Mahmud Abbas (August 2022) Foto: picture alliance/dpa

Die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung sind eingestellt worden. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Sebastian Büchner am Montag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Berlin. Zuerst hatte die »Bild«-Zeitung berichtet.

Nach Büchners Worten hat sich allerdings inzwischen ein Antragsteller gegen den Einstellungsbescheid gewandt. Daher liege die Sache jetzt noch beim Generalstaatsanwalt, die Prüfung dauere an.

Abbas war Mitte August zu einem Gespräch im Kanzleramt in Berlin. Bei der anschließenden Pressekonferenz sagte er, Israel habe »50 Massaker«, »50 Holocausts« in 50 palästinensischen Dörfern und Städten verübt. Der Vorfall hatte weltweit große Empörung ausgelöst, auch weil Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf diese Aussage nicht sofort reagierte.

Die »Bild«-Zeitung zitierte am Montag in einem online veröffentlichten Bericht aus dem Einstellungsbescheid, dass für eine Strafbarkeit der entsprechenden Äußerungen »keine zureichenden Anhaltspunkte« gesehen würden. Der Berliner Staatsanwaltschaft zufolge habe Abbas demnach lediglich das Ziel gehabt, die »aus seiner Sicht von der israelischen Armee begangenen Taten besonders hervorzuheben und auf deren Unrecht hinzuweisen, wobei er sich eines historisch äußerst unpassenden Vergleichs bemühte«.

Mit Kritik reagierte laut »Bild« der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: »Dass die Aussagen von Mahmud Abbas im Bundeskanzleramt juristisch keine Konsequenzen haben sollen, ist schwer nachvollziehbar.«

»Es ist eine vertane Chance, die offenkundige Schoah-Relativierung des Palästinenserpräsidenten als solche nicht zu benennen und nicht zu verfolgen«, sagte er. »Der viel beschworene Kampf gegen Antisemitismus und Schoah-Relativierung gilt auch und gerade für die Strafverfolgungsbehörden.« Es dürfe »keinen Bonus für Regierungschefs« geben. epd/ja/kna

Kommentar

Schwesigs Wahlsieg: Wie man die AfD in Schach hält

Manuela Schwesig hat gezeigt, wie man dem Populismus der Rechtsextremen begegnen kann. Das ist nicht nur eine gute Nachricht für die SPD, sondern für alle Demokraten

von Michael Thaidigsmann  22.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Frauen weggeschickt

Mitten am Tag soll ein 37-jähriger Afghane einen Brandsatz an der Bergischen Synagoge gezündet und sich danach antisemitisch geäußert haben. Vorher soll er zwei Passantinnen weggeschickt haben

 22.09.2026

Bad Staffelstein

Dobrindt: Berliner Linke duldet Antisemiten in ihrem Umfeld

Die Linke hat die Wahl in Berlin gewonnen. Die Partei stehen aber wegen zahlreichen Antisemitismus-Vorfällen in der Kritik. Der Bundesinnenminister wendet sich an potenzielle Koalitionspartner

 22.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 22.09.2026

Berlin

»Clanbosse gehören hinter Gitter, nicht auf Wahlpartys«

Die Linke steht nach den zahlreichen Antisemitismusvorfällen in der Partei nun wegen zwei Besuchern in der Kritik, die der organisierten Kriminalität und dem gegen Israel gerichteten Terrorismus zuzuordnen sind

 21.09.2026

Berlin

»Dass Herr Remmo sich freut, das ist ja wohl klar«

Jetzt äußert sich Berlins Innensenatorin Spranger zum Besuch des arabischstämmigen Remmo-Clans-Chef bei einer Wahlveranstaltung des möglichen Koalitionspartners Die Linke

 21.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Wahl in Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

Präsident Josef Schuster hat sich trotz des Wahlsiegs der Partei Die Linke in Berlin dagegen ausgesprochen, diese mit Regierungsverantwortung zu betrauen

 20.09.2026

Landtagswahlen

Merz: CDU-Ergebnis in MV »ein Desaster«

Die CDU muss bei den Wahlen zu den Landesparlamenten in der Hauptstadt und im Nordosten Verluste einstecken. Der Kanzler und Parteivorsitzende äußert sich gleich kurz nach Schließung der Wahllokale

 20.09.2026