AfD

Historiker werfen Parteichef Parallelen zu Hitler vor

Der AfD-Politiker Alexander Gauland sieht den 8. Mai 1945 auch als einen »Tag der Niederlage« für Deutschland an. Foto: dpa

AfD-Chef Alexander Gauland wird vorgeworfen, sich in einem Zeitungsbeitrag an einer Rede von Adolf Hitler orientiert zu haben. Duktus und Argumentation seines Gastbeitrages in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vom 6. Oktober erinnerten an eine Rede Hitlers von 1933 in Berlin-Siemensstadt, schreibt der Historiker Wolfgang Benz in einem Gastbeitrag für den Berliner »Tagesspiegel«.

Das Internationale Auschwitz Komitee wirft Gauland vor, er greife »bei seiner Weltsicht tief in die Hitlersche Propagandakiste« hinein. Der Historiker Michael Wolffsohn und Autor dieser Zeitung sagte dem Tagesspiegel: »Es ist schlimm, dass Gauland seinen gebildeten Anhängern signalisiert, dass er Rede und Duktus Hitlers kennt und dass er die gegen die Juden gerichteten Vorwürfe Hitlers nun auf die Gegner der AfD von heute überträgt.« Wer die Hitler-Rede dagegen nicht kenne, dem jubele Gauland »Adolf Hitler light« unter.

Gaulands Text sei »ganz offensichtlich eng an den Hitlers geschmiegt«, fügte der Antisemitismus- und NS-Forscher Benz hinzu. Es handele sich nicht um ein Plagiat, aber um eine Paraphrase. Gauland selbst wies die Anschuldigungen zurück. Er kenne keine entsprechende Passage von Hitler, sagte er dem Tagesspiegel.

Strategie Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, erklärte in München: »Auschwitz-Überlebende kennen die Gaulandsche Strategie aus der eigenen Lebenserfahrung während der Nazi-Jahre: Menschen zu stigmatisieren und sie als Artfremde und Wurzellose innerhalb der heimischen Gesellschaft zu charakterisieren und dann das ›gesunde Volksempfinden‹ gegen sie zu mobilisieren. Andere von ihnen sind als ›wurzellose Kosmopoliten‹ diffamiert und verfolgt worden.«

Holocaust-Überlebenden stünden angesichts der Gaulandschen Äußerungen Bilder vor Augen, »die für sie und ihre Familien in Auschwitz geendet haben«, so Heubner. »So gut es ist, dass mit jeder Woche die perfide Weltvorstellung der AfD jedem Interessierten deutlicher vor Augen tritt, umso wichtiger ist es, dass jetzt alle Demokraten die AfD als das erkennen, was sie ist.«

Benz schrieb, es wirke so, »als habe sich der AfD-Chef den Redetext des Führers von 1933 auf den Schreibtisch gelegt, als er seinen Gastbeitrag schrieb«. Darin hatte Gauland die angebliche Heimatlosigkeit der Eliten angeprangert. Eine »globalistische Klasse« gebe kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder fühlten sich in einer abgehobenen Parallelgesellschaft als Weltbürger. Ihnen gegenüber stünden »diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen«.

»Clique« Hitler wiederum hatte den Historikern zufolge in seiner Rede von 1933 gegen »eine kleine, wurzellose, internationale Clique« Front gemacht, die überall und nirgends zu Hause sei, heute in Berlin lebe und morgen in Brüssel. Das Volk aber könne ihnen nicht nachfolgen, es sei »gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation«. Der Historiker Benz schreibt dazu im Tagesspiegel, Gauland habe die Kritik an der »internationalen Clique« für den heutigen Sprachgebrauch modernisiert.

Auch der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erkennt bei Gaulands Text und Hitlers Siemensstadt-Rede Parallelen: »Hitlers Anhänger verstanden ihn und schrien bei seinen Parolen gegen die internationalen Eliten ›Juden‹ dazwischen – selbst dort, wo er sie nicht direkt erwähnte.«

Genau das solle dieser Text von Gauland jetzt wieder erreichen. »Nur dass nicht die Juden gemeint sind, sondern wir. Die Demokraten dieses Landes«, schreibt Gabriel im Tagesspiegel. epd/ja

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026

Berlin

Jüdische Organisationen solidarisieren sich mit Opfern des CSD-Anschlags

Am Rande des CSD in Berlin hat ein Fahrzeugfahrer eine Person getötet und 29 weitere verletzt. Auch die jüdische Gemeinschaft zeigt sich tief betroffen

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026

Landtagswahlen

Ostdeutsche eher für AfD-Beteiligung als Allparteienbündnis

Umfragen vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern deuten auf eine starke AfD. Was wäre wenn? Das klopft eine YouGov-Umfrage ab

 26.07.2026