Politisch motivierte Straftaten

Hass-Delikte haben 2022 um fast zehn Prozent zugenommen

Holger Münch und Nancy Faeser bei der Bundespressekonferenz zu den Fallzahlen für die Politisch Motivierte Kriminalität (PMK) 2022 im Haus der Bundespressekonferenz. Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Im vergangenen Jahr hat die sogenannte Hasskriminalität in Deutschland zugenommen. Wie aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Statistik politisch motivierter Straftaten hervorgeht, ist die Zahl der Delikte, die durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert waren, gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent auf 11.520 (2021: 10.501) gestiegen. Zugenommen hat demnach die Zahl fremden- und ausländerfeindlicher sowie rassistischer Straftaten, die den größten Anteil dieser Statistik ausmachen. Die Zahl antisemitischer Straftaten ist erstmals seit vielen Jahren zurückgegangen, um knapp 13 Prozent auf 2641 Fälle (2021: 3027).

Insgesamt verzeichnet die von Bundesinnenministerin Nancy Faeser
(SPD) und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts, Holger Münch, präsentierte Statistik einen neuen Rekord politisch motivierter Kriminalität. Fast 59.000 Fälle gab es 2022, sieben Prozent mehr als 2021, als ausgelöst vor allem durch die vielen Vorfälle bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen bereits ein Höchststand gemeldet worden war. Die Delikte wurden weit überwiegend nicht als klassisch »rechts« oder »links« gezählt, sondern in der Kategorie »nicht zuzuordnen«, die den Angaben zufolge auch für den erneuten Anstieg 2022 sorgte, diesmal auch durch Straftaten im Kontext des Ukraine-Krieges und mit Versorgungsengpässen.

Rechtsextremismus Straftaten in dieser Kategorie haben laut Statistik um knapp 13 Prozent auf rund 24.000 zugenommen. Um etwa sieben Prozent gestiegen ist aber auch die Zahl rechtsextrem motivierter Straftaten, die mit rund 23.500 Delikten auf ähnlich hohem Niveau liegen. Links motivierte Straftaten sind demnach um 31 Prozent auf rund 7000 zurückgegangen.

Den größten Anteil an den Straftaten machen Propagandadelikte und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz aus. Politisch motivierte Gewalttaten nahmen um rund vier Prozent auf 4043 zu, die Zahl der Körperverletzungen sogar um 26 Prozent auf 2386 Fälle. 2022 hat es den Angaben zufolge neun versuchte Tötungsdelikte gegeben, von denen vier der Kategorie »nicht zuzuordnen«, jeweils zwei dem rechten Spektrum und der Kategorie »religiöse Ideologie« sowie eines dem linksextremen Bereich zugerechnet wurden.

Auch die in zehn Bundesländern existierenden Opferberatungsstellen haben im vergangenen Jahr einen massiven Anstieg rechter und rassistischer Straftaten festgestellt. Hier nahmen auch antisemitische Delikte zu. Insgesamt seien 2093 Angriffe gezählt worden, rund 700 mehr als im Jahr zuvor, sagte Robert Kusche vom Vorstand des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt am Dienstag in Berlin.

Untererfassung Dabei kritisierte er die von den Bundesländern und dem Bund geführte Statistik über politisch motivierte Kriminalität als unzureichend. Viele Fälle würden dort als nicht zuordenbar eingeordnet. Es finde eine »eklatante Untererfassung« rechter Tatmotive statt.

Als besorgniserregend bezeichnete Kusche den Anstieg der rechten Gewalttaten um mehr als 15 Prozent auf 1340. Dabei handelte es sich vor allem um Körperverletzungsdelikte, Nötigungen und Bedrohungen. Zudem habe sich die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen auf 520 nahezu verdoppelt (2021: 288).

Doris Liebscher, Leiterin der Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung in Berlin, kritisierte massive Kompetenzlücken bei Polizei und Justiz, wenn es um die Einordnung rassistisch motivierter Gewalttaten gehe. Das führe oft zu einer Täter-Opfer-Umkehr und bei den Angegriffenen zu einem schwindenden Vertrauen in den Rechtsstaat. In die Statistik der Beratungsstellen flossen Angaben aus den sechs ostdeutschen Ländern sowie aus Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ein. epd

Antisemitismus

Diskriminierung von Israelis: Schuster fordert Gesetzesänderung

Antisemitische Taten werden immer noch nicht konsequent genug geahndet, beklagt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er macht konkrete Vorschläge, um das zu ändern

 24.03.2026

Nach Telefonat mit Donald Trump

Israel kündigt nach Telefonat mit Trump Fortsetzung der Angriffe im Iran an

»Wir zerschlagen das Raketenprogramm und das Atomprogramm und treffen die Hisbollah weiterhin hart«, sagt der Ministerpräsident Israels

 24.03.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Krieg

Merz begrüßt vorläufigen Verzicht auf US-Kraftwerksangriffe im Iran

US-Präsident Donald Trump nimmt scharfe Drohungen gegen den Iran vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung begrüßt das und bietet Mithilfe bei anderen Bemühungen an

 23.03.2026

Nahost

G7 verurteilen iranische Angriffe scharf und warnen vor Eskalation

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister ist von »nicht zu rechtfertigenden Angriffen« und einer Gefahr für die Stabilität die Rede

 23.03.2026

Schutz jüdischer Studenten

Klage von Lahav Shapira gegen FU Berlin abgewiesen

Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Was sagen die Richter?

 23.03.2026

Berlin

Außenministerium stellt sich hinter Botschafter Seibert

Israels Außenminister kritisiert den deutschen Botschafter wegen Aussagen zur Siedlergewalt. Außenminister Wadephul telefoniert mit seinem Kollegen - und wiederholt die Kritik

 23.03.2026

Teheran

Können iranische Raketen nun Europa erreichen?

Nach dem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia rückt auch Europa in den potenziellen Zielkorridor iranischer Raketen. Muss man sich in Berlin nun Sorgen machen?

von Arne Bänsch  23.03.2026

Griechenland

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an

Brand in der Bordwäscherei, Probleme mit Toiletten: Die »USS Gerald R. Ford« macht auf Kreta Halt. Ermittler der US-Marine gehen der Ursache des Feuers nach

 23.03.2026