Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Eine pro-palästinensische Demonstration in Berlin (Archivfoto) Foto: picture alliance / Sipa USA

Democ e.V. berichtet über einen wachsenden Einfluss der türkischen Jugendorganisation Anadolu Gençlik Derneği (AGD) in Deutschland. Nach Einschätzung des Berliner Vereins handelt es sich um eine islamistische Kaderschmiede mit engen ideologischen und personellen Verbindungen zur palästinensischen Terrororganisation Hamas. Insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 trete das Netzwerk verstärkt im Umfeld israelfeindlicher Proteste in Erscheinung.

Die AGD ist Teil des Spektrums der türkisch-islamistischen Millî Görüş-Bewegung. Laut Democ strebt dieses Milieu ein Scharia-basiertes Gesellschaftsmodell an und lehnt die freiheitlich-demokratische Grundordnung ab. In Deutschland agiere der europäische Ableger unter dem Namen Avrupa Gençlik Derneği nach außen betont moderat, sei organisatorisch jedoch eng an die türkische Mutterstruktur angebunden.

Besonders brisant sind laut einer von Democ veröffentlichten Analyse öffentliche Auftritte hochrangiger Hamas-Vertreter bei AGD-Veranstaltungen in der Türkei. So habe der frühere Hamas-Innenminister im Gazastreifen, Fathi Hamad, bei Kundgebungen gesprochen und dabei unter anderem erklärt: »Wir müssen jeden Juden auf der Erde angreifen, um sie mit Allahs Hilfe abzuschlachten und zu töten.«

Mobilisierung in Berlin

Auch andere Hamas-Funktionäre seien bei Großereignissen der AGD als Ehrengäste empfangen worden. Führende Terroristen wie Yahya Sinwar würden öffentlich als »Märtyrer« gewürdigt. In sozialen Netzwerken verbreiteten AGD-nahe Kanäle zudem Propagandavideos, die zur Zerstörung Israels aufriefen.

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In Deutschland wirkt das Netzwerk laut Democ subtiler. In Berlin habe die AGD im Hintergrund an israelfeindlichen Demonstrationen und Autokorsos mitgewirkt, unter anderem im Umfeld der Gruppierung »Justice48«. Eigene Logos und Wasserzeichen auf Mobilisierungsmaterial deuteten auf eine koordinierende Rolle hin, auch wenn diese öffentlich kaum hervorgehoben werde.

Zugleich beteiligten sich Funktionäre an internationalen Kampagnen wie der sogenannten Global-Sumud-Flottille, die die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen wollte. Vertreter der Berliner AGD-Sektion seien nach Tunis gereist, um sich der Initiative anzuschließen.

Spendenpraxis wirft Fragen auf

Scharf kritisiert Democ die Spendensammlung unter dem Label »AGD AID«. Offiziell würden Gelder für humanitäre Projekte im Gazastreifen gesammelt. Doch es fehlten transparente Rechenschaftsberichte oder öffentlich einsehbare Bilanzen. Damit bestehe die Gefahr, dass finanzielle Mittel in Strukturen fließen könnten, die der Hamas nahestehen.

Bei einer Spendengala in Berlin seien nach Angaben der Organisation mehr als 76.000 Euro eingeworben worden. Wie diese Mittel konkret verwendet würden, lasse sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Democ kommt zu dem Schluss, dass es sich bei der AGD nicht um eine gewöhnliche religiöse Jugendvereinigung handelt, sondern um ein »europaweit vernetztes ideologisches Projekt mit klarer politischer Agenda«. Die Organisation nutze den Gaza-Krieg gezielt, um antizionistische Narrative zu verbreiten und junge Menschen anzusprechen.

Die Autoren empfehlen eine intensivere Beobachtung der Strukturen durch Sicherheitsbehörden sowie mehr Transparenz bei Vereins- und Spendenaktivitäten. Die vermeintlich humanitäre Fassade dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Akteure wirkten, die offen mit einer Terrororganisation sympathisierten und deren Ziele unterstützten. ja

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