Birmingham

Haftstrafe für Neonazis

Demonstration von Mitgliedern der rechtsextremistischen »National Action« in Bolton im November 2016 Foto: imago/ZUMA Press

Ein Gericht in Birmingham hat vier Rechtsextremisten wegen Mitgliedschaft und Weiterführung der verbotenen terroristischen Vereinigung »National Action« zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Organisation war 2013 gegründet und 2016 von der britischen Regierung verboten worden.

HAFT Unter den Verurteilten war auch die 23-jährige Alice Cutter, die als »Buchenwald Princess« an einem »Miss Hitler«-Schönheitswettbewerb teilgenommen hatte, und ihr früherer Freund Mark Jones. Während gegen Cutter eine Gefängnisstrafe von drei Jahren verhängt wurde, muss Jones als Anführer der National Action für fünfeinhalb Jahre in Haft. Die beiden anderen Angeklagten, Garry Jack und Connor Scothern, bekamen Strafen von viereinhalb Jahren sowie achtzehn Monaten aufgebrummt.

Cutter bestritt vor Gericht den Vorwurf der Anklage, aktives Mitglied von National Action gewesen zu sein. Sie gab aber nicht nur ihre Teilnahme am »Miss Hitler«-Wettbewerb zu, sondern nahm auch regelmäßig an Versammlungen und Aktionen der Gruppe teil. Während des Prozesses wurden allerdings Nachrichten von Cutters Smartphone vorgelegt, in denen sie Mark Jones gegenüber davon spricht, einen »Judenkopf« als Fußball zu verwenden oder Juden in Synagogen zu vergasen.

CHLORGAS Jones hatte versucht, Chlorgas aus frei verfügbaren Mitteln herzustellen, und dies Cutter mitgeteilt. Cutter fragte Jones, ob man das Gas in Flaschen abfüllen und durch ein Fenster werfen könne, »um sie zu vergasen«. Jones antwortete: »Ja und nein – es könnte klappen, aber es müsste viel größer angelegt sein, um wirklichen Schaden zu verursachen.«

Während des Prozesses gab Jones auch zu, 2016 im Hinrichtungsraum des ehemaligen KZ Buchenwald bei Weimar mit der Fahne der National Action posiert und dabei den Hitlergruß gezeigt zu haben. Auch vor den Kremationsöfen habe man ein Selfie gemacht, ein anderes Mitglied der Gruppe habe dabei seinen Kopf in einen Ofen gehalten. Gefragt, ob er sich als Nazi bezeichnen würde, sagte Jones, auf einer Skala von 1 bis 10, mit Adolf Hitler auf 10, würde er sich bei 7 einordnen.

VERBOT Im Dezember 2016 hatte die damalige britische Innenministerin Amber Rudd die National Action, die sie als eine »widerwärtige, rassistische, homophobe und antisemitische Gruppe« bezeichnete, verboten.

Die vier Angeklagten – ein fünfter, der geständig war, war bereits zuvor verurteilt worden – stellten ihre Aktivitäten trotzdem nicht ein. Im September 2017 wurden sie dann verhaftet. Einige aus der Gruppe waren Berufssoldaten in der britischen Armee.

Bei den Mitgliedern handele es sich um eingefleischte Neonazis, so der Chef der britischen Strafverfolgungsbehörde, Max Hill. »Sie befürworten nicht nur den Antisemitismus, sondern auch den Holocaust und das Dritte Reich.«

Internationaler Strafgerichtshof

»Begünstigung von Kriegsverbrechen«: Israelische NGO zeigt Spaniens Regierungschef Sánchez an

Die Hintergründe

 18.04.2026 Aktualisiert

ZDF-Politbarometer

Auf Bundesebene: AfD erstmals stärkste Kraft

Die rechtsextreme Partei profitiert von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Regierung

 17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026

Yale-Umfrage

Jüngere Wähler in den USA äußern häufiger antisemitische Ansichten

Auch Plattformen wie TikTok spielen eine Rolle. Ihre Nutzer neigen eher zu Judenhass als Konsumenten herkömmlicher Medien

 17.04.2026

Amsterdam

Neue YouTube-Serie folgt den Spuren von Anne Frank

Eine Schauspielerin reist von Frankfurt über Amsterdam bis Bergen-Belsen und bietet Einblicke in das Leben des jüdischen Mädchens, das Millionen Menschen berührt hat

 17.04.2026

München

Proiranische Terror-Gruppe reklamiert Anschlag auf Restaurant für sich

Laut Generalstaatsanwaltschaft ist ein Bekennervideo der schiitischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia Gegenstand laufender Ermittlungen

 17.04.2026