Antisemitismus

Grünen-Chefin: Thunberg-Aussagen »absolut unanständig«

Ricarda Lang, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen Foto: picture alliance / Metodi Popow

Die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang hat die öffentliche einseitige Parteinahme der Klimaaktivistin Greta Thunberg für die Palästinenser bei einer Demonstration in Amsterdam scharf verurteilt. »Ich muss sagen, ich finde diese Äußerungen absolut nicht nur bedrückend, sondern absolut unanständig«, sagte die Politikerin am Montag in Berlin.

»Greta Thunberg missbraucht an dieser Stelle das absolut notwendige und richtige Anliegen des Klimaschutzes für eine einseitige Position zum Israel-Palästina-Konflikt.«

Lang warf Thunberg vor, die Täter nicht zu benennen und die Gräueltaten der Hamas nicht zu verurteilen. Man könne beinahe sagen, dass sie »am Ende Täter und Opfer vertauscht« und dass Thunberg »das Existenzrecht Israels zur Seite wischt«.

Auf eine Frage nach wiederholten Wortmeldungen Thunbergs zum Thema bekräftigte Lang: »Tatsächlich hat sie sich als Gesicht der Klimabewegung durch diese Aussagen diskreditiert. Ich glaube, das ist klar.«

Jugend- und Klimabewegungen müssten nicht zu jedem Thema immer Position beziehen. »Aber es muss eine Klarheit über grundlegende Werte geben. Und zu diesen grundlegenden Werten gehört auch der Schutz von Jüdinnen und Juden.«

Position des deutschen FFF-Ablegers

Lang sagte, sie sei froh, dass Fridays for Future Deutschland klar Position bezogen und sich an die Seite von Jüdinnen und Juden gestellt habe. Dass die internationale Bewegung sich gerade so diskreditiere, könne jeden, dem am Klimaschutz gelegen sei, »eigentlich nur traurig machen«.

Thunberg hatte sich bei einer Klimakundgebung am Sonntag in Amsterdam geäußert. Mit einem traditionellen schwarz-weißen Palästinensertuch um den Hals sagte sie bei einer per Livestream übertragenen Kundgebung in Amsterdam, die Klimaschutzbewegung habe die Pflicht, »auf die Stimmen jener zu hören, die unterdrückt sind und die für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen«.

Auch skandierte Thunberg mehrfach: »No climate justice on occupied land.« (»Auf besetztem Land gibt es keine Klimagerechtigkeit.«) Sie spielte damit offenkundig auf die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete an.

Laut Recherchen der »BILD«-Zeitung teilte sich Thunberg die Bühne mit einer ihr gut bekannten FFF-Mitstreiterin, die bereits mehrfach den Nazi-Massenmord an sechs Millionen Juden relativiert und den Hamas-Terrorismus gefeiert hat sowie Schoa-Opfer perfide verhöhnt hat.

Nach einer ähnlichen Aktion im vergangenen Monat war Thunberg bereits dafür kritisiert worden, dass sie die israelischen Opfer des Massakers der Hamas vom 7. Oktober mit rund 1200 Toten nicht gesondert erwähnt hatte. dpa

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