Meinung

Gerüchte, Schuld und Präsidenten

Kein Rauch ohne Feuer» lautet ein hebräisches Sprichwort. Es gilt mittlerweile als die wichtigste Lehre aus den vielen Prozessen gegen israelische Politiker. Es bedeutet nämlich: Wenn sich viele Gerüchte um eine Person ranken, ist oft etwas Wahres dran. Das hat natürlich nichts mit der Beweisführung in einem rechtsstaatlichen Verfahren zu tun. Und selbstverständlich genügt so etwas auch nicht, um einen Staatspräsidenten, heiße er Mosche Katsav oder Christian Wulff, einer Straftat zu überführen. Aber es ist halt ein Erfahrungswert, der sehr wohl hartnäckiges Nachfragen legitimiert.

struktur Israel hat in der westlichen Welt eine traurige Führungsposition inne: Nirgends wurden so viele Spitzenpolitiker in so kurzer Zeit angeklagt und hinter Gitter gesteckt wie hier. Mehrere Minister sitzen bereits wegen Bestechung, Amtsmissbrauch oder sexueller Nötigung in Haft. Schaut man sich die Korruptionsvorwürfe an, die gegen den früheren Premier Ehud Olmert erhoben werden oder gar die Vergewaltigung, derer Ex-Präsident Katsav von einem Gericht für schuldig befunden wurde, sind die Vorwürfe gegen den deutschen Bundespräsidenten noch weniger als eine Petitesse.

Doch gerade weil die Vorwürfe gegen Christian Wulff vergleichsweise nebbich sind, hilft es, sie mit den jüngsten israelischen Skandalen zu vergleichen, um etwas über die Struktur solcher politischer Affären zu erfahren: Immer waren es zunächst Gerüchte, die die Runde machten. War beim Hauskauf etwas nicht in Ordnung? Gab es Übergriffe im Büro? Solche Gerüchte stellen Medien vor ein moralisches Dilemma: Dürfen sie veröffentlicht werden, obwohl sie rufschädigend sind? Wann ist eine Geschichte wasserdicht, auch wenn ein Politiker die Veröffentlichung unterbinden möchte?

flächenbrand Die Antwort gilt uns Journalisten: Die Recherche muss mit persönlichem Anstand, einem richtigen Maß an Sensationslust, Respekt und mit Wahrheitsliebe durchgeführt werden. Aber stattfinden muss sie! Denn von Israels trauriger Erfahrung im Umgang mit Politikerskandalen ist zu lernen, dass journalistische Aufmerksamkeit unerlässlich ist.

Das hebräische Sprichwort ist ausbaufähig: «Wo Rauch ist, sollte man schnell löschen, damit aus kleinen Flammen kein Flächenbrand wird.»

Der Autor ist freier Journalist in Israel.

Extremismus

Die Linke und der Judenhass

Der »taz«-Journalist Nicholas Potter hat ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Autoritarismus bei Teilen der Linken geschrieben. Ein Auszug

von Nicholas Potter  05.04.2026

Krieg

Trump gibt iranischer Führung Zeit bis Dienstagabend

Der US-Präsident hat der iranischen Führung mit heftigen Angriffen gedroht, sollte sie nicht einlenken

 05.04.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Debatte

»Das wäre enorm wichtig, gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund«

Israels Botschafter Ron Prosor spricht sich für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten aus

 05.04.2026

Krieg

Israel meldet Tötung eines weiteren Öl-Kommandeurs im Iran

Nach einem Angriff in Teheran spricht Israels Militär von einem »schweren Schlag gegen die wirtschaftlichen Grundlagen des iranischen Sicherheitsapparats«. Das steckt hinter dem Angriff

 05.04.2026

Krieg

Trump: Wir haben unseren Soldaten gerettet und in Sicherheit gebracht

Rettung wie in einem Hollywood-Film: US-Spezialeinheiten konnten den vermissten Offizier des abgeschossenen Kampfjets geborgen. Der US-Präsident schildert die riskante Mission mit dramatischen Worten

von Lars Nicolaysen  05.04.2026

Krieg

Bericht: USA greifen Suchort von vermisstem US-Soldaten an

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines US-Kampfjets läuft auf Hochtouren. Jetzt werden aus dem Iran Luftangriffe in einer Gegend gemeldet, in dem sich der US-Soldat befinden soll

 05.04.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  04.04.2026

Krieg

»Kritische« Rettungsmission im Iran - Trump in Erklärungsnot

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis

von Cindy Riechau  04.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026