Meinung

Gelehrter Islam

Ägypten steht vor einem Neuanfang. Wenn es zu benennen gilt, welche Institutionen in dem Land reformiert und verändert werden müssen, so kommt der Al-Azhar-Universität eine besondere Rolle zu. Sie ist die älteste islamische Universität auf dieser Erde und prägt wie kaum eine vergleichbare Einrichtung den Glauben in der arabischsprachigen Welt. Ihre Strahlkraft reicht sogar darüber hinaus. Doch die Hochschule ist in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem Instrument der Machtausübung des Regimes von Hosni Mubarak geworden.

Hinterhofmoschee Die Klerikerausbildung und -bestellung fand stets in Abstimmung mit dem weltlichen Herrscher statt. Das wurde in den letzten zehn Jahren etlichen Muslimen zu viel: Anstatt in einer der schicken staatlichen Gebetsanstalten den religiösen Verpflichtungen nachzukommen, besuchten sie Hinterhof-, Trottoir- und Garagenmoscheen. Dort trafen die Menschen häufig auf die Muslimbruderschaft, deren Deutung des Koran und der Tradition eine in vielerlei Hinsicht, sagen wir: strengeren Aus- legung folgt als die der Gelehrten der Al-Azhar.

Die Vertreter dieser Universität müssen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen. Personelle Konsequenzen sind nötig. Einzelne Geistliche müssen sich zu Akteuren des Wandels aufschwingen. Doch diese Form institutioneller Selbstständigkeit ist in den ehrwürdigen Gemäuern verlernt worden. Offen bleibt dabei vorerst die Frage, ob und inwieweit sich die Al-Azhar ohne das Zaumzeug des Regimes zu einem Stabilisator in der Region entwickeln kann. Vor allem in Israel wird man darauf genau achten müssen. In der Vergangenheit kam es immer wieder zum Ausgleich zugunsten moderater Kräfte. So wurde die Fatwa eines Hardliners zu Zeiten des Irakkriegs gegen all diejenigen, die den amerikanischen Besatzern – und sei es nur mit einer Kelle Wasser – halfen, eine Etage höher wieder einkassiert und der betreffende Kleriker versetzt. Die Al-Azhar ist sicherlich kein liberaler Thinktank. Aber diese traditionsreiche Universität kann mit ihrer großen Reputation die Extremisten zurückdrängen – wenn sie jetzt den Wandel angeht.

Der Autor ist Chefredakteur des Debatten-Magazins The European (www.theeuropean. de) und hat 2003 an der Al-Azhar-Universität in Kairo studiert.

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Berufung

Hamburg hat wieder eine Beauftragte gegen Antisemitismus

Nach Monaten der Vakanz ist das Amt wieder besetzt: Anna von Villiez wird Hamburgs neue Beauftragte gegen Antisemitismus. Ein Rechtsstreit hatte die Auswahl verzögert

von Michael Althaus  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Interview

»Soziale Medien sind Brandbeschleuniger für Judenhass«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Am Dienstagabend zog er auf einem Podium in Berlin Bilanz. Im Interview blickt er zusätzlich auch auf Persönliches

von Leticia Witte  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Hamburg

Mutmaßlicher Block-Entführer: »Wir sind hier wie in einer Mossad-Operation«

Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.

von Stephanie Lettgen  30.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz: Immer mehr Extremisten in Deutschland

Die Sicherheitsbehörden melden einen deutlichen Anstieg bei Rechtsextremen – und sehen auch im linken Lager neue Dynamik. Was hinter dem Zuwachs steckt und warum die Aufklärung manchmal schwierig ist

von Anne-Beatrice Clasmann  30.06.2026

Proteste gegen Kushner-Projekt

Ein Land sieht pink: Albaniens Flamingo-Revolution ist nicht zu stoppen

Flamingos überall - und kein Ende in Sicht: EU-Beitrittskandidat Albanien ist fest im Griff einer Protestwelle. Fällt die Regierung unter der pinken Revolution?

von Markus Schönherr  30.06.2026