München

Gedenkort »Einschnitt« feierlich eröffnet

Am Erinnerungsort: Elke Büdenbender, Nechama Rivlin, Reuven Rivlin, Frank-Walter Steinmeier, Horst Seehofer, Karin Seehofer und Ludwig Spaenle (v.l.) Foto: Reuters

45 Jahre nach dem Attentat auf die Olympischen Spiele von München wurde am Mittwochvormittag ein Erinnerungsort für die zwölf Opfer eröffnet. An dem Festakt nahmen Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Auch zahlreiche Angehörige der Ermordeten waren vor Ort.

Nach den Worten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier prägt das Olympia-Attentat immer noch die Gegenwart. Dieser Tag habe »tiefe, schmerzhafte Spuren« hinterlassen, in den Familien der Opfer, in Israel, in München und der Bundesrepublik Deutschland, sagte Steinmeier beim Staatsakt.

Antisemitismus Es gebe immer noch Menschen, die in ihrem Hass auf den Staat Israel vor nichts zurückschreckten sowie Antizionismus und Antisemitismus predigten.

Der 5. September 1972 sei gewiss nicht die Geburtsstunde des internationalen Terrors gewesen, so Steinmeier weiter. Zur Wahrheit gehöre aber, dass man auf die Möglichkeit eines Attentats nicht vorbereitet gewesen sei. Zu dieser Wahrheit gehöre auch, dass das »aufrichtige Bemühen, dem Publikum ein weltoffenes und friedfertiges Deutschland zu präsentieren, auf tragische Weise scheiterte«. Noch immer gebe es Menschen, die »unsere freiheitliche Lebensform« mit terroristischer Gewalt treffen und zerstören wollten. Ihre Instrumente seien gefährlicher als jemals zuvor.

Auch die Europäer – unter ihnen Deutsche, Franzosen, Belgier, Briten oder Spanier – hätten die Geißel des Terrorismus in den vergangenen Jahren in dramatischem Ausmaß erfahren müssen. An den israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin gewandt, sagte Steinmeier: »Ja, die Gefahren des Terrorismus sind groß, aber unsere Entschlossenheit ist umso größer. Wir sind entschlossen, Demokratie und Offenheit unserer Gesellschaft, unserer Lebensart zu verteidigen.« Zu Deutschland gehöre untrennbar dazu die Verantwortung für die Sicherheit Israels und die Absage an jegliche Form des Antisemitismus.

Botschaft »Vom Mahnmal, das wir heute einweihen, muss in die Welt die Botschaft gehen: Wir dürfen dem Terror nicht nachgeben«, ergänzte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin.

Ministerpräsident Horst Seehofer rief dazu auf, sich gemeinsam starkzumachen gegen Antisemitismus, Radikalismus und Terror: »Der neue Gedenkort sollte zum Bekenntnisort für alle Besucher werden. Seine unmissverständliche Botschaft lautet: Geben wir Hass und Gewalt keine Chance.«

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nahm am Festakt teil. Er sagte am Rande der Gedenkfeier, dass der Erinnerungsort auch eine Mahnung für die Gegenwart sei. Hier werde vor Augen geführt, welchen Weg Terrorismus gehe, bei dem aus blankem Hass absolut unschuldige Menschen zu Tode kommen.

»Einschnitt« In Anwesenheit von Angehörigen der Ermordeten, Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Zentralratspräsident Josef Schuster wurde der Erinnerungsort, der den Namen »Einschnitt« trägt, eröffnet.

»Er kommt spät, aber nicht zu spät«, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle zum Auftakt der Gedenkstunde. Für die Olympischen Spiele der Neuzeit seien die Geschehnisse im Jahr 1972 ohne Zweifel »eine Zäsur, die bis heute nachwirkt«, betonte Spaenle. Der Erinnerungsort solle das Andenken an gewaltsam getötete, unschuldige Menschen erhalten und seine Besucher zur Anteilnahme einladen, sagte der CSU-Politiker.

Biografien Hauptbestandteil der Gedenkstätte sind Schautafeln, die die Biografien der elf israelischen Sportler und des bayerischen Polizisten darstellen, die bei dem Terroranschlag und der folgenden missglückten Befreiungsaktion ums Leben kamen.

Angehörige der Opfer enthüllten die Schautafeln. Ilana Romano sprach für die Familien. »Heute auf dem Hügel im Olympischen Dorf zu stehen, ist ein höchst bewegendes, historisches Ereignis«, sagte sie. Diese Veranstaltung sei für alle mit so vielen Gefühlen befrachtet – die Freude im Olympiastadion und die schreckliche Tragödie in der Connollystraße.

Nach 45 Jahren wisse man heute, dass der Terror gegen die ganze Welt gerichtet war. »Hätte man damals nur verstanden, dass der Mord im Olympischen Dorf der Startschuss für den Terror war, wäre der Umgang vielleicht ein anderer gewesen«, sagte Romano. »Wir haben gelernt, ein Leben der Freude nebst Traurigkeit zu führen und das ist auch unser Gefühl am heutigen Tag.« Romano lobte Angela Merkel und dankte dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Olympiapark Der überdachte und leicht abgesenkte Bereich ist am Nordrand des Münchner Olympiaparks gelegen. Er liegt in Sichtweite des Hauses Connollystraße 31, in dem sich am 5. September 1972 der Angriff einer palästinensischen Terrorgruppe auf die israelische Olympiamannschaft abspielte, und in unmittelbarer Nähe des »Pressehügels«, von dem aus Medienvertreter die Geschehnisse filmten. Der Gedenkort hat rund 2,5 Millionen Euro gekostet.

Der ehemalige Oberbürgermeister Münchens, Hans-Jochen Vogel, sagte dem Fernsehsender Phoenix: »Dass sie in die ehemalige ›Hauptstadt der Bewegung‹ gekommen sind und ihr Leben verloren haben, ist ein Ereignis, das man nicht vergisst.« Den Erinnerungsort zu schaffen, betonte Vogel, habe »lange gedauert, aber jetzt ist es eine gute Lösung«. ja (mit epd)

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