Polen

Gedenken an die in Auschwitz ermordeten Sinti und Roma

KZ Auschwitz Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto

Spitzen-Repräsentanten des deutschen Staates haben in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau an die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma erinnert.

»Auschwitz steht für das größte Verbrechen, das Menschen Menschen jemals angetan haben. Es steht für den Zivilisationsbruch, der von Deutschland ausging«, sagte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) am Freitag im polnischen Oswiecim während des Gedenkakts zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.

»Auschwitz steht für den Zivilisationsbruch, der von Deutschland ausging.«

bärbel bas, bundestagspräsidentin

Bas ist die erste Spitzenvertreterin des Bundestags, die in das ehemalige NS-Konzentrations- und Vernichtungslager reist.

Auschwitz stehe für den Willen, das europäische Judentum zu vernichten und für den Völkermord an den Sinti und Roma. »Hier in Auschwitz endete der Rassenwahn der Nationalsozialisten in der grausamen Auslöschung von Menschenleben«, sagte die SPD-Politikerin.

Deutschland bekenne sich zu seiner historischen Verantwortung. Dies bedeute zugleich die Verpflichtung, Antiziganismus heute entschlossen entgegenzutreten.

In Auschwitz wurde 23.000 Sinti und Roma ermordet

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 4.300 Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet. Es waren die letzten noch lebenden Angehörigen der Minderheit in dem Lager. Zwischen 1940 und 1945 starben insgesamt etwa 1,2 Millionen Menschen in dem Konzentrations- und Vernichtungslager, darunter 23.000 Sinti und Roma.

Teil der deutschen Delegation war die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig (SPD), als Präsidentin des Bundesrats, Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) und viele Bundestagsabgeordnete. Schwesig sagte in einer kurzen Ansprache, ihre Generation sei zwar nicht verantwortlich für die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur, aber es sei ihre Verantwortung, die Erinnerung an diese Verbrechen lebendig zu halten.

»Es beginnt mit Hassrede und es endet mit Auschwitz.«

marian turksi, Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees

Staatsministerin Roth bat in ihrer Ansprache alle Überlebenden und deren Nachfahren im Namen der deutschen Bundesregierung um Vergebung.

»Im Namen der Bundesregierung verneige ich mich hier und heute vor all diesen Toten«, sagte sie.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, sagte, Auschwitz stehe als Symbol für den Holocaust, den die Nazis an

500.000 Sinti und Roma und sechs Millionen Juden im NS-besetzten Europa verübten. »Es gibt unter uns Sinti und Roma kaum eine Familie, die mit dem Namen Auschwitz nicht die Ermordung ihrer Angehörigen verbindet.«

Holocaust-Überlebende appelliert an die Jugend

Die Holocaust-Überlebende Alma Klasing sagte, die aktuellen Wahlerfolge der rechten Parteien machten ihr große Angst. »Deshalb möchte ich gerade die Jugend vor diesen falschen Propheten warnen und bitte Euch von ganzem Herzen: Verteidigt unsere Demokratie.«

Marian Turski, Auschwitz-Überlebender und Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees, mahnte in seiner Ansprache vor wachsender Diskriminierung in den europäischen Gesellschaften. »Es beginnt mit Hassrede und es endet mit Auschwitz«, sagte er.

Der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich legte als Vertreter der katholischen Deutschen Bischofskonferenz während des Gedenkakts einen Kranz nieder. »Die Tatsache, dass wir heute hier gemeinsam stehen und der Schicksale von Zigtausenden Angehörigen der Minderheit gedenken, ist ein Zeichen der Ermutigung und Hoffnung, dass jahrhundertealte Diskriminierung überwunden werden kann«, sagte er laut Mitteilung der Bischofskonferenz. epd

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