Arye Sharuz Shalicar

Für Israel, aber gegen Muslime? Bye bye, rechte Follower!

Arye Sharuz Shalicar Foto: imago

Arye Sharuz Shalicar

Für Israel, aber gegen Muslime? Bye bye, rechte Follower!

Unser Autor erklärt, warum er auf Unterstützung aus der falschen Ecke sehr gut verzichten kann

von Arye Sharuz Shalicar  10.09.2021 10:26 Uhr

Das Deutschland der Nachkriegszeit und der neu-wiedergeborene Staat der Juden, Israel, haben sich in vielerlei Hinsicht extrem entgegengesetzt entwickelt. Antisemitismus ist nach wie vor weit verbreitet in Deutschland, sowohl unter »Bio-Deutschen«, Deutschen mit Migrationshintergrund, als auch neuen Migranten. 

Seit Jahren werde ich aus verschiedenen Lagern der deutschen Gesellschaft angegriffen. Warum? Weil ich mich nicht vor aggressiven Antisemiten wegducke. Weil ich zu Israel und der IDF stehe. Weil ich für eine bessere und vor allem ehrlichere Freundschaft zwischen Deutschland und Israel werbe.

RÜCKENWIND Doch während ich täglichen Angriffen ausgesetzt bin, erhalte ich in den letzten Jahren auch immer stärkeren Rückenwind aus vielen Ecken Deutschlands. Nun ist mir aufgefallen, dass Teile dieser Support-Community mich lautstark unterstützen, wenn ich mich über die Gefahr des Radikalislamismus – oder der Heuchelei vonseiten einiger Linker – äußere, während sie im besten Fall schweigen, wenn ich rechte Deutsche kritisiere.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Also habe ich mich gefragt, wer diese Supporter sind und musste zu meinem Bedauern feststellen, dass es unter meinen Followern einen harten Kern von rechtsradikalen Deutschen gab, denen es nicht um Juden oder Israel, oder deutsch-israelischen Beziehungen ging, sondern in erster Linie darum, meine Aussagen gegen radikalen Islam und Linksextremismus zu verbreiten.

»ISRAELFREUNDE« Diesen harten Kern der Rechtsradikalen bin ich seit kurzem los, weil ich mich zum wiederholten Mal eindeutig gegen die AfD geäußert habe und eine Kolumne von 2019, in der ich schon damals meine Abneigung gegen führende rechtsradikale Persönlichkeiten dieser Partei erklärt habe, nochmals mit meinen 23.000 Followern auf Facebook geteilt habe. Daraufhin haben mir einige Dutzend »Israelfreunde« den Rücken gekehrt und folgen meiner Seite nicht mehr.

Es waren zum Glück nur einige wenige, jedoch hat es einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, insbesondere weil die Menschen, die sich wirklich für Israel in Deutschland stark machen, an zwei Händen abzuzählen sind, also ohnehin schon enorme Mangelware sind.

Ich bin nicht als Jude aufgewachsen, sondern als Ausländer, als »Schwarzkopf«, als »Kanake«, als Weddinger.

Und wenn von zehn Unterstützern zwei wegfallen, weil sie ausländerfeindlich sind, beziehungsweise alles, was sie bewegt, ihr Hass gegenüber Muslimen ist, dann sind zumindest diese zwei bei mir an der falschen Adresse. Denn diese zwei haben nicht verstanden, wer ich bin und wie ich aufwuchs – und dass, obwohl ich seit Jahren darüber öffentlich rede.

IDENTITÄT Ich bin nicht als Jude aufgewachsen, sondern als Ausländer, als »Schwarzkopf«, als »Kanake«, als Weddinger. Während ich aufgrund meiner nicht vorhandenen jüdischen Identität von vielen muslimischen Jugendlichen angegriffen wurde, teilweise mit offenen Messern, habe ich gleichzeitig ihren Frust, ihre Wut, selbst ihren Hass gegenüber den Deutschen nachvollziehen können. Wir fühlten nicht, dass wir in Deutschland willkommen sind. Wir fühlten nicht, dass viele Deutsche uns eine Chance geben wollen. Wir fühlten uns wie »das andere Deutschland«. 

Es war deshalb (und aus anderen Gründen) eine »normale« Entwicklung, dass viele von uns aggressiv, kriminell und unversöhnlich unterwegs waren. Eine Spirale der Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Ich, ein Jude, der unter Muslimen aufwuchs, mittendrin.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen in Berlin und Israel weiß ich zu differenzieren. Ich weiß, dass Verallgemeinerungen falsch sind. Und ich weiß, dass ich mich einerseits für Freundschaft und Frieden einsetzen will, andererseits mich jedoch auch gegen Hass und Terror einsetzen will. Und auf Unterstützung beziehungsweise »Freundschaft« aus falschen Ecken, nämlich genau aus den Ecken, gegen die ich mich täglich einsetze, kann ich verzichten.

Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung will Linksextremismus und Islamismus intensiver behandeln

Eine Sprecherin der Behörde sagt, die BpB werde ihre Arbeit künftig konsequenter an ihrem »Kernauftrag« ausrichten

 04.08.2026

Berlin

Nach antisemitischer Beschimpfung: Polizeilicher Staatsschutz ermittelt

Nach Beleidigungen gegenüber Gästen und Beschäftigten des jüdischen Kulturschiffs MS Goldberg auf dem Berliner Wannsee hat die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen

 04.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Justiz

Israel-Kritik mit Swastika und Davidstern? Könnte durchgehen

Für das Pfälzische Oberlandesgericht ist Schmähkritik an Israel samt Verwendung von Hakenkreuzen und Holocaustvergleichen nur dann strafbar, wenn die Gegnerschaft zur NS-Ideologie nicht offensichtlich ist. Vielen geht das Urteil zu weit

von Michael Thaidigsmann  04.08.2026

Potsdam

Forschung zu NS-Geschichte von Naturwissenschaften

International bekannte Forschungsinstitute haben ihren Sitz auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Ihre Vorgeschichte insbesondere in der NS-Zeit wird nun Thema eines Wissenschaftsprojekts

 04.08.2026

Spanien

Hakenkreuz auf Maimonides-Statue in Córdoba geschmiert

Der Bürgermeister der Stadt verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft

 04.08.2026

Magdeburg

Dieter Hallervorden, Sven Schulze und der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt

Die Christdemokraten setzen bei ihrem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung des anti-israelischen Komikers Dieter Hallervorden

 04.08.2026

Berlin

Mehr als 1000 Juristen sprechen sich für AfD-Verbotsverfahren aus

Die Experten haben einen offenen Brief an die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet

 04.08.2026

Potsdam

Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist tot

Der Journalist und Autor prägte als Gründer von »Gesicht Zeigen!« den Kampf gegen Rechtsextremismus. Nun ist seine Stimme verstummt

 04.08.2026