Militärrabbiner

»Für die jüdischen Soldaten«

Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann Foto: Thomas Lohnes/Zentraltrat der Juden

Militärrabbiner

»Für die jüdischen Soldaten«

Daniel Botmann zu Dienstorten, Auslandseinsätzen und besonderen Aufgaben des Militärrabbinats

von Detlef David Kauschke  18.12.2019 14:56 Uhr

Herr Botmann, beim Gemeindetag wird der Staatsvertrag zur jüdischen Militärseelsorge unterzeichnet. Sind darin schon Konzept und Struktur beschrieben?
Die Struktur der katholischen und evangelischen Militärseelsorge hat sich bewährt. Daran haben wir uns orientiert. Wir werden die jüdische Militärseelsorge daran angelehnt aufbauen, wenn das parlamentarische Verfahren abgeschlossen ist.

Wie soll die Struktur aussehen?
Es wird zunächst einmal in Berlin ein Militärrabbinat eingerichtet. Das wird dann auch der Sitz des Militärbundesrabbiners sein. Ähnlich zum katholischen Generalvikar und zum evangelischen Generaldekan wird der Leiter oder die Leiterin des Militärrabbinats die Funktion der Behördenleitung wahrnehmen. Es sind bis zu fünf Außenstellen des Militärrabbinats vorgesehen, an denen die Militärrabbiner und -rabbinerinnen ihren Dienst verrichten werden. Die jüdische Militärseelsorge soll in allen Bereichen stattfinden, sowohl bei der Marine als auch beim Heer und der Luftwaffe.

Werden Militärrabbiner auch bei Auslandseinsätzen dabei sein?
Ja. Es ist geplant, dass jüdische wie katholische und evangelische Militärseelsorger eingesetzt werden. Das bedeutet auch, dass Militärrabbiner sich an Auslandseinsätzen unter anderem in Afghanistan beteiligen werden.

Bei der katholischen und evangelischen Militärseelsorge heißt es, sie sei an der Schnittstelle von Kirche und Staat tätig. An welcher Schnittstelle bewegt sich das jüdische Angebot?
Die Seelsorge hat die Besonderheit, dass sie ein ziviler Körper in der Bundeswehr ist. Die Seelsorger, gleich welcher Konfession, sind Zivilisten. Sie sind nicht uniformiert, sind nicht innerhalb der in der Bundeswehr bekannten Hierarchie tätig. So sind sie gegenüber Befehlshabern der Bundeswehr nicht weisungsgebunden und können unabhängig ihre seelsorgerischen Aufgaben wahrnehmen. Das verschafft ihnen Freiräume und Vertrauen. So kann sich jeder Soldat und jede Soldatin dem Seelsorger anvertrauen und sicher sein, dass der Seelsorger die in persönlichen Gesprächen erhaltenen Informationen an niemanden weitergeben muss und darf.

In welchem Dienstverhältnis werden die Rabbiner stehen?
Wie die Bischöfe bei den Kirchen wird der Militärbundesrabbiner im Dienstverhältnis mit dem Zentralrat stehen. Alle anderen Rabbiner und Verwaltungsmitarbeiter sind im Dienstverhältnis mit dem Bundesministerium der Verteidigung.

Wie sucht der Zentralrat die Rabbiner aus?
Grundsätzlich ist vorgesehen, dass es ein vernünftiges, zahlenmäßig ausgeglichenes Verhältnis zwischen traditionellen und liberalen Rabbinern geben soll. Die Auswahl erfolgt durch den Zentralrat im Dialog mit der Orthodoxen und der Allgemeinen Rabbinerkonferenz. Im Vordergrund steht die Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten. Sowohl das Hildesheimer’sche Rabbinerseminar als auch das Abraham Geiger Kolleg haben bereits vor einiger Zeit in ihrer Rabbinerausbildung entsprechende Ausbildungsmodule für die Militärseelsorge eingebaut. Dementsprechend sind wir gut aufgestellt.

Was ist in Bezug auf den Lebenskundlichen Unterricht geplant?
In der Bundeswehr gibt es im Konzept der Inneren Führung den Lebenskundlichen Unterricht. Der ist verpflichtend für alle Soldaten. Es handelt sich nicht um einen Religions-, sondern um einen Werteunterricht, es geht vor allem um die Stärkung des Demokratieverständnisses. Es wird eine wichtige Aufgabe der Militärrabbinerinnen und -rabbiner sein, den Unterricht mitzugestalten, sowohl beim Curriculum als auch in der Lehrtätigkeit. Erfreulicherweise sind die Aufgeschlossenheit und Unterstützung der katholischen und evangelischen Militärseelsorger überwältigend, schon jetzt findet ein reger Austausch statt, wie Militärrabbiner in das Konzept eingebunden werden können.

Wie werden halachische Fragen entschieden? Soll es ein Beit Din bei der Bundeswehr geben?
Es wird keine Militärgemeinden geben. Jeder jüdische Soldat bleibt Mitglied seiner Heimatgemeinde. Dementsprechend ist es nicht Aufgabe der Militärrabbiner, Statusfragen zu klären oder zu entscheiden. Das Militärrabbinat vollzieht keine Hochzeiten, Scheidungen oder Übertritte zum Judentum. Diese Aufgaben bleiben beim jeweiligen Beit Din der Orthodoxen oder der Allgemeinen Rabbinerkonferenz. Hier geht es tatsächlich um die tagtägliche Betreuung der Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr.

Wird es zukünftig nicht nur Weihnachtsbäume, sondern auch Chanukkaleuchter in den Kasernen geben?
Am Brandenburger Tor ist die Chanukkia neben dem Weihnachtsbaum seit vielen Jahren gewohnte Normalität. Wieso nicht auch in den Kasernen? Es soll durchaus in der Bundeswehr eine Sensibilität dafür geschaffen werden, was jüdische Traditionen und Bräuche sind, um dadurch auch Vorbehalte und Vorurteile abzubauen.

Mit dem Geschäftsführer des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Berlin

Unbekannte zerstören Gedenktafel an jüdischem Friedhof

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt ermittelt

 10.02.2026

Berlin

Ordner, der Lahav Shapira bedrängte, muss Geld zahlen

Israelfeindliche Aktivisten besetzen 2023 einen Hörsaal. Die Stimmung ist aufgeheizt. Dem Studenten Lahav Shaipra wird der Einlass verwehrt. Nun muss ein Ordner deswegen eine Geldauflage zahlen

 10.02.2026

Göttingen

Durchsuchungen wegen mutmaßlichen Nazi-Shops

CDs, Sticker, Kleidung - die mindestens sechs Verdächtigen sollen die rechtsextreme Szene ausgestattet haben. Was die Beamten bei Durchsuchungen noch fanden

 10.02.2026

Boston

US-Gericht stoppt Verfahren gegen türkische Doktorandin

Ein Meinungsbeitrag zum Gaza-Krieg reichte aus: 2025 kam die türkische Doktorandin Rümeysa Öztürk in US-Abschiebehaft. Der Fall löste landesweite Empörung aus – nun ist eine Entscheidung gefallen

 10.02.2026

Faktencheck

Gefälschte Wegweiser entlarven angebliche Epstein-Aufnahme

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist 2019 zu Tode gekommen - doch ein Bild soll ihn angeblich in jüngster Zeit in Israel zeigen. Ein genauer Blick zeigt, wieso das nicht stimmen kann

 10.02.2026

Interview

»Was mit den Juden passierte, war vielen gleichgültig«

Sara Elasari-Gruß überlebte den Anschlag auf das jüdische Altenheim in München 1970. Im Interview spricht die Ärztin darüber, wie sie sich retten konnte und wie sie den Vorfall verarbeitet hat

von Michael Thaidigsmann  10.02.2026

Warschau

Polen: Einstellung zu Juden verschlechtert sich

Fast ein Drittel aller Polen hat eine ablehnende Haltung gegenüber Juden

 10.02.2026

Nahost

Westjordanland: Washington und London fordern Kurswechsel von Israel

Großbritannien besteht auf einer Rücknahme der vom israelischen Sicherheitskabinett beschlossenen Maßnahmen. Aus dem Weißen Haus heißt es, Stabilität sei entscheidend

 10.02.2026

Jerusalem/Washington D.C.

Netanjahu reist zu Trump: Iran-Gespräche und militärische Optionen im Mittelpunkt

Die Themenpalette soll weit über einen diplomatischen Austausch hinausgehen und als strategische Weichenstellung für den Umgang mit dem Iran dienen

 10.02.2026