Dresden

Für Demokratie und Weltoffenheit

Aus Anlass des geplanten sechsten Geburtstages der fremdenfeindlichen Organisation Pegida protestierten mehrere hundert Menschen. Foto: dpa

Dresden

Für Demokratie und Weltoffenheit

Mehr als 1000 Menschen demonstrierten – Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hurshell nahm an Friedensgebet teil

 25.10.2020 17:02 Uhr

In Dresden haben am Sonntag mehr als 1000 Menschen ein Zeichen für Weltoffenheit und Demokratie gesetzt. Mehrere Initiativen hatten als Reaktion auf den sechsten »Pegida«-Jahrestag zu stationären Kundgebungen aufgerufen. Die asylfeindliche »Pegida«-Bewegung hatte ihre Kundgebung allerdings abgesagt.

ALTMARKT Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte bei einer Versammlung auf dem Dresdner Altmarkt unter dem Motto »Demokratie braucht Rückgrat«, solange Demokraten in erster Linie für etwas seien, hätten Extremisten keine Chance.

Zugleich warnte er, sich »Pegida« anzuschließen: »Wer mit Hetzern und Extremisten auf die Straße geht und bei solchen Reden auch noch klatscht, der ist für mich kein besorgter Bürger mehr.« Heftige Kritik übte er daran, dass die »Pegida«-Bewegung sich in eine Reihe mit der friedlichen Revolution stelle. »Das ist falsch, gefährlich und eine unwürdige Unverschämtheit gegenüber den Bürgerrechtlern«, sagte de Maizière.

 »Pegida« verschiebe »die unsichtbare Grenze des Sagbaren und moralisch Ertragbaren«. Die Hemmschwelle für Hass und Verunglimpfung sei »abgrundtief gesunken«, sagte der CDU-Politiker. Die fremdenfeindliche Bewegung hat für die kommenden Tage Versammlungen in mehreren sächsischen Städten angemeldet. »Wir dürfen nicht wegschauen«, sagte de Maizière. »Pegida« sei immer noch da, aber keine Massenbewegung mehr.

NEUMARKT Weitere größere Kundgebungen fanden auf dem Dresdner Neumarkt vor der Frauenkirche unter dem Motto »Herz statt Hetze« und auf der Cockerwiese neben dem Dynamo-Stadion mit jeweils mehreren Hundert Teilnehmern statt. Die Versammlungen hatten strenge Corona-Auflagen.

Am Rande gab es Beobachtern zufolge vereinzelt Provokationen von »Pegida«-Anhängern. Laut Polizeiangaben verliefen alle Kundgebungen störungsfrei.

FRAUENKIRCHE Zuvor hatten sich knapp 100 Menschen zu einem Friedensgebet in der Frauenkirche versammelt. Daran nahmen unter anderem Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz, der katholische Dompfarrer Norbert Büchner und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden, Michael Hurshell, teil. Die Frauenkirche feierte an diesem Wochenende den 15. Jahrestag ihrer Weihe nach dem Wiederaufbau.

 Wegen der Corona-Pandemie bestand bei den Versammlungen die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und ausreichend Abstand zu halten. Aufzüge waren coronabedingt verboten. Mehr als 200 Mal zog »Pegida« seit der ersten Kundgebung im Oktober 2014 durch die Stadt. epd

Interview

»Sonntagsreden reichen nicht«

Hessens Justizminister Christian Heinz will, dass Aufrufe zur Vernichtung Israels künftig unter Strafe stehen. Wie lässt sich ein solcher Eingriff in die Meinungsfreiheit begründen? Ein Gespräch über Staatsräson, den Schutz jüdischen Lebens und Mehrheiten im Bundesrat

von Joshua Schultheis  17.05.2026

Nahost

Stille Wende im Krieg: Emirate und Saudi-Arabien griffen Iran an

Nach Irans Angriffen wiederholten die Golfstaaten das Mantra vom Recht auf Selbstverteidigung. Jetzt wird bekannt, dass zwei von ihnen auch zurückschlugen - und eine wichtige Schwelle überschritten

von Johannes Sadek, Weedah Hamzah  17.05.2026

Wien

14 Aktivisten bei Anti-Israel-Demo festgenommen

Vor Beginn des ESC-Finales gab es mehrere Demonstrationen gegen Israels Teilnahme

 17.05.2026

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert Sicherheit mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

USA

Gericht setzt Sanktionen gegen Francesca Albanese aus

Ein Richter in Washington hat Sanktionen der Trump-Regierung gegen die UN-Berichterstatterin vorerst gestoppt. Die USA werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor

 15.05.2026

London

König Charles besucht Opfer der Messerattacken in Golders Green

Der Monarch spricht auch mit dem 76-jährigen Norman Shine, der im April bei einer antisemitisch motivierten Mersserattacke an einer Bushaltestelle am Hals verletzt worden war

 15.05.2026

Würzburg

Schuster sieht Gleichgültigkeit bei Judenhass - Zivilcourage gefragt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt vor einem Wegsehen bei Antisemitismus in Deutschland. Und gibt konkrete Tipps, wie man auf judenfeindliche Sprüche reagieren sollte

 15.05.2026

Peking

Trump erhöht Druck auf Iran

»Ich werde nicht mehr besonders lange geduldig sein«, sagt der amerikanische Präsident

 15.05.2026