Berlin

Freundschaft mit Zukunft

Juli Edelstein bei der Veranstaltung in der Konrad-Adenauer-Stiftung Foto: Uwe Steinert

»Wir haben viel gemeinsam und uns gegenseitig auch viel zu geben.« Das sagte der Präsident des israelischen Parlaments, Juli Edelstein, am Dienstagabend bei einer Diskussion über die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.

Edelstein gab sich zuversichtlich, dass sich der Austausch zwischen Israel und Deutschland noch intensivieren lässt. Und er äußerte seine Hoffnung, dass die deutsche EU-Präsidentschaft ab Mitte des Jahres auch helfen könnte, das Verhältnis Israels zur Europäischen Union zu verbessern.

Perspektiven Mit Norbert Lammert, dem Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, war sich Edelstein über die Besonderheit der Beziehungen einig. Lammert betonte, dass beide Länder, Deutschland und Israel, nicht nur eine beispiellose Vergangenheit verbinde, »sondern auch eine beispielhafte Zusammenarbeit und vielleicht beispielgebende Beschäftigung mit Zukunftsperspektiven«.

Das Gedenken anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz habe kürzlich wieder den Stellenwert der Erinnerung an die Vergangenheit verdeutlicht, so Lammert. Und das Gedenken habe auch gezeigt, welche Erwartungen, Perspektiven und Verpflichtungen sich daraus für die Zukunft ergeben.

Edelstein und Lammert betonten die Bedeutung der persönlichen Kontakte von Menschen beider Länder, dies sei mit Blick auf die Zukunft auch gerade für die jüngere Generation wichtig. Und beide berichteten, dass auch sie eine persönliche Freundschaft verbinde.

Juri Edelstein und Norbert Lammert berichteten, dass sie eine persönliche Freundschaft verbinde.

Refusenik Juli Edelstein, 1958 als Sohn von Holocaust-Überlebenden geboren, stammt aus der ehemaligen Sowjetunion. Dort musste der Refusenik drei Jahre in einem Arbeitslager verbringen, bevor er 1987 nach Israel ausreisen durfte. Seite 2013 ist Edelstein Knesset-Sprecher, zuvor war der Likud-Politiker unter anderem Minister für Diasporaangelegenheiten.

Edelstein und Lammert waren sich bereits im Dezember 2015 begegnet, als der Knesset-Sprecher seinen ersten Besuch in Deutschland abstattete. Anlass war das 50-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, unter anderem fand dazu eine gemeinsame Sitzung der Präsidien der beiden Parlamente statt.

Damals hatte Lammert als Bundestagspräsident die Entwicklung der Beziehungen beider Länder als »Wunder der Geschichte« gewürdigt. Edelstein sprach von einem »Musterbeispiel, dass auch eine abgrundtiefe Schlucht zwischen zwei Nationen überwunden werden kann«. Ein Gegenbesuch fand 2017 in Jerusalem statt.

besuchsprogramm Nun war Edelstein auf Einladung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zum offiziellen Besuch in Berlin. Neben Treffen mit Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses und der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe stand am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) die Teilnahme an der Plenardebatte des Bundestages auf dem Programm. Am Nachmittag wollten beide Parlamentspräsidenten einen Kranz am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas niederlegen.

Während seines Aufenthaltes hatte der Knesset-Sprecher auch Unterredungen mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Bereits am Montag war Edelstein mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammengetroffen. Der Knesset-Sprecher habe Steinmeier für die Bemühungen Deutschlands gegen BDS und die Hisbollah sowie für dessen Rolle im Kampf gegen Antisemitismus gedankt, hieß es danach in einem Tweet der israelischen Botschaft.

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin und wird Nachfolgerin von Felix Klein. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Berlin

Merz fordert SPD und Grüne auf, nicht mit Linken zu koalieren

Gibt es in Berlin eine rot-rot-grüne Koalition? Der Kanzler appelliert an SPD und Grüne

 12.10.2026

Kommentar

Vereint unter dem Dach eines Rechtsextremen

Der Verleger Jürgen Elsässer hat die Fraktionen von AfD und BSW für ein Kennenlernen in sein Magdeburger TV-Studio eingeladen. Dabei soll es auch um eine strategische Zusammenarbeit gegangen sein

von Ralf Fischer  12.10.2026

Berlin

120 Linke kritisieren Antisemitismus-Papier

Linke, Grüne und SPD haben sich vor dem Beginn von Sondierungsgesprächen zum Vorgehen gegen Antisemitismus verständigt. Daran gibt es aus der Linke nun deutliche Kritik

 12.10.2026

Kommentar

Die Linke hat ihren eigenen Antisemitismus nicht verstanden

Nein, wir sind natürlich keine Antisemiten, schallt es aus der Linken, wir kritisieren nur die israelische Regierung! Diese Formel wird immer wieder als Rechtfertigung herausgeholt

von Frank Schmiechen  12.10.2026

Washington D.C.

21 US-Soldaten im Iran-Krieg gestorben

Die meisten US-Amerikaner sind nicht vom Krieg im Iran überzeugt. Eine Anpassung der Todeszahlen könnte den Unmut noch vergrößern

 12.10.2026

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Schwerin/Rostock

Kurs Rot-Rot-Grün: Verhandlungen starten am Montag

SPD, Linke und Grüne wollen in Mecklenburg-Vorpommern über eine Koalition verhandeln. Dafür stimmten alle drei Parteien. Für die Grünen wäre eine Regierungsbeteiligung dort eine Premiere

 11.10.2026

Franziska Giffey

Nach der Wahl in Berlin

Franziska Giffey spricht sich gegen Koalition mit Linkspartei aus

Die noch amtierende Wirtschaftssenatorin sieht keine Basis für eine Koalition mit der Linken in Berlin. Die SPD-Politikerin fordert klare Positionen im Kampf gegen Antisemitismus. Unterdessen verteidigt Thüringens Ex-Ministerpräsident Ramelow die Sondierer gegen Kritik aus den eigenen Reihen

 11.10.2026