Paris

Frankreich will internationale Hilfe für Gazastreifen mobilisieren

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Gut einen Monat nach Beginn des Gaza-Krieges organisiert Frankreich eine internationale Hilfskonferenz für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Bei dem Treffen mit Vertretern von Staaten und Hilfsorganisationen am Donnerstag in Paris geht es laut Élyséepalast darum, sich für die Einhaltung internationalen Rechts in dem Küstenstreifen und einen verstärkten humanitären Zugang einzusetzen.

Seit Beginn des Krieges, in den Israel am 7. Oktober hineingezogen wurde, warnt die Armee des Landes die Zivilbevölkerung Gazas, bevor Angriffe erfolgen. Zudem wurden alle Bewohner des Nordens der vom Terror regierten Enklave mehrfach von der Israelische Armee aufgefordert, sich zu ihrer eigenen Sicherheit in den Süden zu begeben. Dennoch wird Israel täglich mehrfach aufgefordert, dem internationalen Recht zu folgen. Ziel Israels ist die komplette Zerschlagung der Hamas.

Hilfe zur Versorgung mit Wasser, Gesundheit, Energie und Nahrung soll die Menschen erreichen können. Auf der Konferenz werden neue Finanzzusagen für die Unterstützung der Bevölkerung in Gaza erwartet. Frankreich stellte diese bereits in Aussicht.

Zu dem Treffen unter Leitung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident Charles Michel, der Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde sowie der zyprische Präsident Nikos Christodoulidis erwartet, der einen Seekorridor für die Lieferung von humanitärer Hilfe aus Zypern mit Endziel Gaza vorgeschlagen hatte.

China will Zwei-Staaten-Lösung

Am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer Gruppen bei Massakern und Angriffen im israelischen Grenzgebiet mehr als 1400 Menschen ermordet und zahlreiche Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die israelischen Streitkräfte flogen daraufhin Luftangriffe und rückten mit Bodentruppen in den dicht besiedelten Küstenstreifen ein. Dabei kamen nach unbestätigten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums bislang mehr als 10.500 Menschen ums Leben. Unklar ist, ob dies zutrifft und wie viele der Getöteten Terroristen sind.

Israel selber ist auf der Konferenz nicht vertreten. Macron habe aber vorab zu der Thematik mit Premier Benjamin Netanjahu gesprochen, ebenso wie mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und dem Emir von Katar, hieß es in Paris. Für China wird der Sondergesandte für den Nahen Osten, Zhai Jun, zu dem Treffen kommen. China wolle sich für eine Feuerpause, einen Waffenstillstand und eine Zwei-Staaten-Lösung stark machen, verlautete in Peking.

Die früheren und aktuellen Palästinenserführer haben in den vergangenen Jahrzehnten alle diskutierten Friedensabkommen - und damit eine Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung - abgelehnt, während Israel stets zustimmte.

Humanitäre Feuerpausen

UN-Generalsekretär António Guterres hatte die Situation im Gazastreifen am Montag als »Krise der Menschheit« bezeichnet und eine bei weitem nicht ausreichende humanitäre Hilfe beklagt. Nur rund 400 Lastwagen mit Hilfsgütern hätten in den vergangenen zwei Wochen in den Gazastreifen fahren können - im Vergleich zu etwa 500 pro Tag vor Ausbruch des Krieges. Dringend benötigter Treibstoff habe gar nicht hineingebracht werden können.

Nach Angaben der palästinensischen Organisation Roter Halbmond betrug die Zahl der über den Grenzübergang Rafah angekommenen Lastwagen mit Hilfsgütern schon vor Tagen fast 600.

Die Gruppe der sieben wirtschaftsstarken Demokratien (G7) sprach sich am Mittwoch bei einem Außenmistertreffen in Tokio für humanitäre Feuerpausen und die Einrichtung von Korridoren aus, um Hilfslieferungen sowie die Freilassung von Geiseln zu erleichtern. »Alle Parteien müssen ungehindert humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung, einschließlich Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung, Treibstoff und Unterkünfte sowie Zugang für humanitäre Helfer, gewähren«, hieß es einer G7-Erklärung. dpa/ja

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

Berlin

Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen bis Januar

Linke, Grüne und SPD wollen erst im nächsten Jahr einen Koalitionsvertrag vorlegen. Und dann folgt noch ein Zwischenschritt

 04.11.2026

Koalitionsverhandlungen

Klingbeil fordert Linke auf, antisemitische Politiker rauszuwerfen

Bisher hat sich der SPD-Chef zurückgehalten, was die Berliner Koalitionsverhandlungen angeht. Jetzt macht er klar, was er von der Linken erwartet

 04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

Midterm-Wahlen

Iran erfreut über Trumps Wahlniederlage

Nach der Wahlniederlage der Republikaner in den USA meldet sich die iranische Spitze. Auch vom obersten Führer Modschtaba Chamenei werden Worte veröffentlicht

 04.11.2026

Meinung

Her mit den Inhalten!

Ayala Goldmann freut sich über die Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt und ist gespannt auf das Programm

von Ayala Goldmann  04.11.2026

Sachsen-Anhalt

Linke überlegt, Gegenkandidatin gegen Ulrich Siegmund aufstellen

Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will im Dezember Ministerpräsident werden, doch ihm fehlen drei Stimmen für eine Mehrheit. Die Linke prüft, ob sie eine eigene Kandidatin ins Rennen schickt.

 04.11.2026