Holocaust

Finnland untersucht Rolle von Freiwilligen in SS-Einheit

Jussi Nuorteva, Leiter des finnischen Nationalarchivs, am 20. Dezember in Tel Aviv beim Bericht über die neue Untersuchung Foto: dpa

Finnland untersucht die Rolle von mehr als 1400 finnischen Freiwilligen in der SS-Einheit »Wiking« bei Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Die Untersuchung erfolgt auf Bitte des Simon-Wiesenthal-Zentrums, sagte Jussi Nuorteva, Leiter des finnischen Nationalarchivs, am Donnerstag in Tel Aviv. Einen Bericht mit Schlussfolgerungen wolle man im Februar auf Englisch veröffentlichen.

Die zentrale Frage ist, inwieweit finnische Freiwillige an Verbrechen gegen Juden beteiligt waren.

Nach dem Verlust von Gebieten im »Winterkrieg« 1939–1940 gegen die Sowjetunion kämpfte Finnland 1941 an der Seite Deutschlands gegen die UdSSR. 1408 finnische Freiwillige hätten in den Jahren 1941 bis 1943 in einem Bataillon der Waffen-SS gedient, sagte Nuorteva. 80 Prozent hätten vorher dem finnischen Zivilschutz angehört, ein großer Teil sei 17 bis 19 Jahre alt gewesen.

KRIEG Viele gehörten dem rechten Rand des politischen Spektrums an. Nur wenige hätten jedoch die NS-Rassentheorien unterstützt. Sie hätten vielmehr eine militärische Ausbildung für einen künftigen Krieg mit der Sowjetunion angestrebt. 256 von ihnen seien getötet und 686 verletzt worden. Acht der Freiwilligen seien heute noch am Leben.

»Die Offenlegung der Informationen schafft die Basis für ein besseres Verständnis unserer Vergangenheit«, sagte Nuorteva. Der »Nazi-Jäger« Efraim Zuroff habe im Januar um die Studie gebeten; im Mai sei dann das Nationalarchiv damit beauftragt worden.

»Mir ist die historische Wahrheit wichtig«, betonte »Nazi-Jäger« Zuroff.

Zentrale Frage der Untersuchung ist, inwieweit die finnischen Freiwilligen an Verbrechen gegen Juden, andere Zivilisten und Kriegsgefangene in der Ukraine und im Kaukasus beteiligt waren. SS-Truppen hatten dort Zehntausende von Menschen umgebracht, sagte Nuorteva. Besonders schlimme Vorfälle haben sich in Lwiw (Lemberg) ereignet.

ARCHIVE Quelle der Untersuchung seien 75 Tagebücher der Finnen, aber auch Dokumente aus deutschen Archiven und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

Eine Strafverfolgung der letzten lebenden Mitglieder der Einheit sei aufgrund der Beweislage äußerst schwierig, sagte Zuroff. »Mir ist vor allem die historische Wahrheit wichtig«, erklärte er. »Heute müssen wir gegen eine verzerrte Darstellung des Holocausts kämpfen, vor allem in Osteuropa.«  dpa

Das eingeschaltete Blaulicht ist auf dem Dach von einem Einsatzfahrzeug der Polizei am 28.02.2026 bei einem Polizeieinsatz zu sehen.

Bayern

Brand von Hitler-Teehaus: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Hintergründe

von Judith Kubitscheck  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026