Extremismus

Faktencheck: Foto zeigt ungarische Neonazis an kroatischem Strand

Symbolbild zum Thema Zerstörung der Ukraine Foto: picture alliance / Zoonar

Ein zentrales Element russischer Propaganda ist die Darstellung der Ukraine als vermeintlich faschistisch und durchsetzt von Neonazis. Immer wieder tauchen in sozialen Bilder oder Berichte auf, die dafür angeblich die Beweise liefern sollen - so etwa in einem aktuellen Facebook-Beitrag.

»Vermeintliche ukrainische Flüchtlinge an einem Strand in Kroatien«, steht über einem Foto, das zwei Männer in Badehosen vor Sonnenschirmen zeigt (hier archiviert). Auf ihren nackten Oberkörpern haben sie eindeutige Nazi-Tätowierungen, etwa ein Porträt von Adolf Hitler mit dem Schriftzug »Sieg Heil« oder Hakenkreuze. Doch sind die dargestellten Männer wirklich Ukrainer?

Bewertung

Beide Männer mit den Nazi-Tätowierungen kommen aus Ungarn, sind also keine ukrainischen Flüchtlinge. Das Foto wurde Anfang Juli 2022 in der kroatischen Küstenstadt Rijeka aufgenommen. Es gibt Hinweise darauf, dass die beiden mit einer ungarischen Neonazi-Gruppe unterwegs waren.

Fakten

Das auf Facebook geteilte Foto ist angeschnitten und verrät wenig über den möglichen Standort in Kroatien. Mehr Einblick gibt ein Tweet mit größeren Versionen der Bilder, der sich über eine Bilderrückwärtssuche finden lässt. Dieser Beitrag gibt auch einen Ort an: die Strandbar Morski Prasac in der Hafenstadt Rijeka in Kroatien.

Diese Bilderrückwärtssuche hat das dpa-Faktencheckteam in den Niederlanden ausgeführt, denn in Deutschland wird der Tweet aus rechtlichen Gründen nicht angezeigt. Möglicherweise weil Twitter darin einen Verstoß gegen das Verbot des Zeigens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sieht, worunter das Hakenkreuz fällt.

Die Ortansangabe der kroatischen Strandbar Morski Prasac lässt sich anhand weiterer Fotos verifizieren. Die hellgelben Sonnenschirme mit blauem Schriftzug sind die gleichen wie auf dem Foto, ebenso die Bar mit hellblauem Dach. Die Bilder der Männer mit Nazi-Tattoos wurden also tatsächlich in Rijeka aufgenommen.

Auch Lokalmedien haben die Fotos aufgegriffen. So schreibt beispielsweise die kroatische Nachrichtenseite »Dnevnik«, dass die örtliche Polizei am 13. Juli Hinweise auf die Männer mit den Nazi-Tätowierungen erhalten habe. Ihre Ermittlungen hätten ergeben, dass die beiden den Strand zehn Tage zuvor, Anfang Juli, besucht hatten, teilte die Polizei »Dnevnik« mit.

»Antifasisticki Vjesnik«, eine antifaschistische kroatische Website, die die Fotos auf Twitter geteilt hatte, wies auch auf die Identität eines der beiden Männer hin. Der Mann links mit den Gesichtstattoos ist demnach kein ukrainischer Flüchtling, sondern kommt aus Ungarn.

Anhand seines Äußeren und seiner Tätowierungen ist er auf Fotos von Veranstaltungen der Neonazi-Szene zu erkennen. Dazu gehört eine Veranstaltung 2020 in Budapest. Anlass war der 63. Geburtstag von Ian Stuart, einem englischen Neonazi-Musiker, der 1993 starb. Dort nahm der Mann aus der Strandbar an einem Tauziehen-Wettbewerb teil. Damals hatte er noch weniger Gesichtstattoos, aber die Tränentätowierung unter dem rechten Auge und die Tattoos auf dem rechten Arm sind deutlich zu erkennen.

Außerdem ist der Mann auf Fotos eines Konzerts im Jahr 2018 zu erkennen. Darauf spielt er Bass in einer ungarischen rechtsextremen Band namens Fehér Vihar. Die Band ist mit »Blood and Honour« Ungarn verbunden, einem regionalen Ableger einer internationalen Neonazi-Gruppe. »Blood & Honour« ist auch in Deutschland aktiv und als Organisation seit 2000 vom Verfassungsschutz verboten.

Der zweite Mann mit Nazi-Tätowierungen auf den Fotos kommt ebenfalls aus Ungarn, ist also auch kein ukrainischer Flüchtling. Darauf hingewiesen hatte eine Facebook-Seite der Antifa in Budapest. Auch bei ihm zeigt ein Abgleich markanter Tätowierungen, wie dem Spinnennetz am Ellbogen, dass es sich um denselben Mann wie in der Strandbar handelt. Über soziale Medien sind die beiden Männer zudem als Freunde verbunden. An dieser Stelle verzichtet das Faktencheck-Team der dpa anders als sonst auf einen Link, da sonst zu privaten Social-Media-Profilen verlinkt werden müsste.

Die ungarische Gruppe von »Blood and Honour« organisierte laut ihrem Telegram-Kanal am 2. Juli eine Gedenkveranstaltung in Kroatien. 2019 fand dieselbe jährliche Veranstaltung in einer »kroatischen Küstenstadt« statt. Rijeka wird zwar nicht explizit erwähnt, passt aber zur Beschreibung und könnte die Anwesenheit der Männer erklären. dpa

(Stand: 25.07.2022)

Links

Fotos auf Twitter (archiviert)

Artikel von »Antifasisticki Vjesnik« (archiviert)

Artikel von »Dnevnik.hr« (auf Kroatisch) (archiviert)

Strandbar Morski Prasac in Rijeka, Kroatien (archiviert)

Foto von Sonnenschirmen (archiviert)

Foto von Strandbar (archiviert)

Foto Mann mit Gesichtstätowierung 2020 beim Tauziehen

Nordic Sun Records Budapester Sporttag 2020

Informationen über Ian Stuart in Bericht des britischen öffentlich-rechtlichen Kanal 4 (archiviert)

Foto mit demselben Mann 2018 bei Konzert

»Blood and Honour« Ungarn Foto mit demselben Mann 2018 bei Konzert

»Blood and Honour« Ungarn Telegram-Beitrag zur Fahrt nach Kroatien

Über Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« (archiviert)

Informationen zu »Blood & Honour« in Deutschland (archiviert)

dpa-Faktencheck zum Foto auf Niederländisch

Facebook-Beitrag mit der Behauptung (archiviert)

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Studie

AfD nutzt Anfragen zur Stimmungsmache

Kleine Anfragen sind ein Mittel, mit dem besonders Oppositionsparteien Regierungshandeln hinterfragen können. Eine Untersuchung zeigt, dass die AfD dabei eher auf Skandalisierung setzt

 17.08.2026

New York

UN ehrte offenbar getöteten Hamas-Kommandeur

Die Monitoringorganisation »UN Watch« übt heftige Kritik am UN-Generalsekretär António Guterres und an der Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock

 17.08.2026

New York

Mann schlägt 63-jährige Synagogenbesucherin

Ein 46-jähriger drang am Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes in eine Manhattaner Synagoge ein und randalierte dort

 17.08.2026

Nahost

US-Rahmenabkommen mit Iran läuft aus: Was hat es gebracht?

Die Vereinbarung mit dem Iran sollte den Krieg zu einem Ende bringen. Das Mitte Juni auf 60 Tage angelegte Abkommen hielt jedoch nicht lange. Hat US-Präsident Trump damit überhaupt etwas erreicht?

von Jürgen Bätz  17.08.2026

Extremismus

Wagenknecht an Höcke: »Warum reden wir nicht mal?«

Seit Tagen liefern sich die BSW-Gründerin und der thüringische AfD-Chef ein Fernduell mit Vorschlägen und Provokationen. Jetzt legt Sahra Wagenknecht nach

 17.08.2026

Terror

Iran bereitet sich auf Ausweitung des Krieges vor

Das Mullah-Regime soll während der 60-tägigen Frist eines mit Washington vereinbarten Memorandums für den Fall eines erneuten militärischen Konflikts vorgesorgt haben

 17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026