Debatte

Faeser wehrt sich gegen Kritik an Gastbeitrag in Magazin »antifa«

Nancy Faeser (SPD), designierte Bundesinnenministerin, bei der Vorstellung der neuen Minister am Montag in Berlin Foto: imago images/photothek

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wehrt sich gegen Kritik an einem älteren Gastbeitrag für die Publikation einer linken Vereinigung, für die sich der Verfassungsschutz interessiert. Die gegen sie erhobenen Vorwürfe seien durchschaubar, schrieb Faeser am Sonntag auf Twitter. »Ich habe immer klare Kante gegen Rechtsextremismus und alle Feinde der offenen Gesellschaft gezeigt - und werde das auch weiterhin tun.«

Faeser hatte im vergangenen Jahr - mehrere Monate vor ihrem Amtsantritt als Innenministerin - einen Gastbeitrag im Magazin »antifa« veröffentlicht, in dem sie über die damals zahlreich versandten, mit »NSU 2.0« unterzeichneten rechtsextremistischen Drohbriefe schrieb, von denen auch sie selbst zwei erhalten hatte. Damals war sie Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD in Hessen. 

Weil es sich bei »antifa« um das Magazin der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)« handelt, die 2020 im bayerischen Verfassungsschutzbericht als die »bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus« bezeichnet wurde, kritisierten Politiker von Union und AfD die SPD-Politikerin. 

»Die Innenministerin verweigert bisher jede Erklärung und Abgrenzung zu einer Organisation, die als linksextremistisch beeinflusst gilt. Das muss sie dann in der nächsten Sitzung des Innenausschusses nachholen«, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm (CDU). Ihr persönliches Erscheinen im Ausschuss sei ohnehin überfällig.

Faeser, damals Oppositionsführerin in Wiesbaden, hatte im Mai 2020 gemeinsam mit Fraktionskollegen eine Anfrage gestellt, in der unter anderem gefragt wurde, »welchen gesellschaftlichen Stellenwert« die hessische Landesregierung der VVN-BdA zumisst. In der Antwort des hessischen Finanzministeriums hieß es damals, die Vereinigung gelte »als eine der ältesten Organisationen im Themenfeld des Antifaschismus und wird vom Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen als linksextremistisch beeinflusst bewertet«.

CDU-Innenexperte Christoph de Vries sagte der »Bild« (Samstag): »Wie sollen sich die Mitarbeiter der Verfassungsschutzämter fühlen, deren Auftrag die Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist, wenn ihre oberste Dienstherrin mit Verfassungsfeinden auf Tuchfühlung geht?« Als erstes hatte die rechtsradikale Wochenzeitung »Junge Freiheit« über den Gastbeitrag berichtet. dpa

Gaza

UN-Bericht: Hamas richtet Dutzende Palästinenser hin und verstümmelt sie

Das Hochkommissariat für Menschenrechte dokumentiert in einer Untersuchung Hunderte Fälle sogenannter extralegaler Strafen

 10.06.2026

Bogotá

Kolumbiens Präsident verteidigt »Heil Hitler«-Beitrag

Eine Gruppe von 24 Parlamentariern aus 14 lateinamerikanischen Staaten reagiert mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sie den Beitrag verurteilt

 10.06.2026

Nahost

Nach Abschuss eines US-Hubschraubers: Washington greift Iran an

Die Hintergründe

 10.06.2026

Diplomatie

Frankreich verbietet Bezalel Smotrich die Einreise

Wegen der Siedlungspolitik im Westjordanland verhängt Frankreich Sanktionen gegen extremistische Siedler – und untersagt Israels Finanzminister Smotrich die Einreise

 09.06.2026

Meinung

Antisemitismus nach bayrischer Art

Ein Hotel im Bayerischen Wald verschickt eine antisemitische Nachricht an einen Touristen aus Israel. Das könnte eine Gelegenheit sein, Antisemitismus auf dem bayrischen Land zum Thema zu machen. Ein Kommentar

von Leon Stork  09.06.2026

Erfurt

»Echte« Deutsche: AfD streitet über Höcke-These

Thüringens AfD-Chef behauptet, in Westdeutschland gebe es nur noch »deutsch sprechende Amerikaner«, im Osten seien die Deutschen jedoch deutsch geblieben

 09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026

Berlin

Rechtsextreme Straftaten: Neuer Höchststand in Deutschland

Auch die Zahl antisemitisch motivierter Übergriffe stellt einen Rekord dar

 09.06.2026

USAID

US-Behörde erhebt Terrorvorwürfe gegen UNRWA-Mitarbeiter

Erneut werden Vorwürfe gegen 101 weitere Mitarbeiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser in Gaza erhoben. Sie sollen militante Hamas-Mitglieder sein, sagt USAID. UNRWA hatte entsprechende Vorwürfe in der Vergangenheit dementiert

von Andrea Krogmann  09.06.2026