Polizei

Experten: Defizite beim Thema Antisemitismus

Benjamin Steinitz, Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Berlin Foto: dpa

Bei Polizei und anderen Sicherheitsbehörden gibt es aus Expertensicht oftmals Defizite beim Thema Antisemitismus. So fehlten beispielsweise Kenntnisse über jüdisches Leben sowie das Fachwissen, im Fall von Straftaten ein antisemitisches Motiv zu erkennen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), Benjamin Steinitz, am Mittwochabend auf einer Online-Diskussion.

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019 beispielsweise habe gezeigt, dass die Polizei nicht gewusst habe, dass es sich seinerzeit um den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur handelte.

PATHOLOGISIERUNG Wenn nach Straftaten Täter ermittelt würden, komme es aufseiten der Justiz »relativ schnell« zu einer Pathologisierung wie etwa im Fall des Angriffs auf einen jüdischen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg. Das Landgericht hatte den Beschuldigten wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Zugleich sah es die Schuldunfähigkeit des Täters wegen einer schweren psychischen Erkrankung als erwiesen an. Statt einer Haftstrafe ordnete das Gericht daher seine Unterbringung in der Psychiatrie an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil der Verurteilte Rechtsmittel eingelegt hat.

Der Antisemitismusbeauftragte der Berliner Polizei, Wolfram Pemp, betonte, es sei eine Kernaufgabe der Polizei, Minderheiten und das Grundgesetz zu schützen. »Das kann nicht verhandelbar sein.« Polizisten müssten sich bei Problemen selbstkritisch mit bestimmten Aspekten auseinandersetzen und das Gespräch mit der Zivilgesellschaft suchen. »Da gibt es an der einen oder anderen Stelle sicher Luft nach oben.«

BILDUNG Im Kampf gegen Antisemitismus sollte auf Aus- und Fortbildung gesetzt werden. Die Berliner Polizei arbeite darüber hinaus mit der Generalstaatsanwaltschaft an einem Leitfaden zum Vorgehen gegen Judenfeindschaft. Auch müssten Menschen nach ihrem Sicherheitsgefühl gefragt werden: Nur auf Zahlen zu schauen, wäre zu kurz gegriffen.

Die Diskussion fand im Rahmen des Aktionsprogramms »Nie wieder!? Gemeinsam gegen Antisemitismus & für eine plurale Gesellschaft« statt. Es ist ein Programm des jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) und fördert nach eigenen Angaben den gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und für eine offene und plurale Gesellschaft. kna

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Demo, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026