Analyse

Experte: Hohe terroristische Bedrohung in Deutschland durch Islamisten

Peter Neumann, Professor für Sicherheitsstudien, leitet das International Centre for the Study of Radicalisation am King’s College London Foto: picture alliance/dpa

Der Terrorismusexperte Peter Neumann sieht eine »recht große« Terrorgefahr in Deutschland und Westeuropa. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober gebe es eine riesige »Mobilmachung von Islamisten, von Dschihadisten überall in Westeuropa«, sagte Neumann am Montag im Deutschlandfunk.

In Deutschland seien drei oder vier Anschläge verhindert worden. Nun käme zusätzlich »der ISPK, also dieser Ableger des Islamischen Staats in Afghanistan, Zentralasien« dazu, der »sehr ambitioniert und aggressiv auch Anschläge im nicht-muslimischen Ausland versucht, darunter auch in Westeuropa«.

Die Gruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) hat ihren Ursprung in Afghanistan. Khorasan steht für eine historische Region in Zentralasien, die Teile von Afghanistan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan sowie vom Iran umfasste. Das seien einige Gefahren, die hier zusammenkämen, »wo ich sage, die größte, aktuelle terroristische Bedrohung in Deutschland, in Europa, ist jetzt wieder von der islamistischen, von der dschihadistischen Seite«, sagte Neumann.

Schwierige Balance

Für die Politik sei es immer eine schwierige Balance, die Menschen darauf hinzuweisen, dass eine derartige Gefahr tatsächlich existiere und zugleich die Menschen nicht unnötig in Unruhe zu versetzen. Der Bundesregierung bescheinigt Neumann dabei, ausgewogen vorzugehen. »Ich glaube, die Bundesregierung kriegt das aktuell ganz gut hin.«

Den Sicherheitsbehörden müsse man natürlich auch dafür gratulieren, dass sie so viele von den Anschlagsplänen verhindert hätten. Vergangene Woche etwa hatte es in Thüringen zwei Verhaftungen von mutmaßlichen IS-Anhängern gegeben, und um die Weihnachtszeit hatte es rund um Anschlagspläne auf den Kölner Dom Verhaftungen gegeben.

Organisierte Gefahr

Insgesamt aber würden die »Einschläge« häufiger, sagte Neumann weiter. Seit Beginn des Gaza-Kriegs Anfang Oktober habe es in Europa acht versuchte terroristische Anschläge von dschihadistischer Seite gegeben. Im gesamten Jahr 2022 seien es in ganz Europa sechs versuchte derartige Angriffe gewesen, sagte Neumann unter Berufung auf Europol.

Der Terrorismusexperte verwies zugleich darauf, dass es jüngst zu einem Wechsel in der Herangehensweise von Terroristen gekommen sei. In den vergangenen Jahren habe man häufig Einzeltäter gesehen - Anhänger des IS, die Propaganda im Internet konsumiert und dann auf eigene Initiative etwas unternommen hätten.

Nun komme mit dem ISPK wieder eine organisierte Gefahr hinzu - »eine recht professionelle Gruppe«, die auch wieder in der Lage sei, Netzwerke zu organisieren. Das mache diese Gefahr noch mal stärker. dpa

Debatte

Berliner CDU bietet Sondierungen an: Grüne und SPD lehnen ab

Die Hintergründe

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Sachsen

Chemnitz und Zwickau gedenken der Opfer des NSU

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Die Terrorzelle lebte in Chemnitz und Zwickau im Untergrund. 2011 flog sie auf

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Meinung

Junge Jüdinnen und Juden stehen vor einem Dilemma

Wir sind genauso von den steigenden Preisen, der Wehrplichtdebatte und der Klimakrise betroffen, wie die Demonstranten vom Wochenende. Aber wir können und werden uns nicht mit Leuten gemein machen, die den Hass auf uns und auf Israel schüren

von Tim Kurockin  03.11.2026

Serbien

Botschafts-Attentäter plante auch Anschlag auf Jüdisches Museum in München

Dario N. wurde Ende Oktober bei einem Angriff auf die israelische Botschaft in Belgrad erschossen. Nur drei Monate zuvor war er aus Deutschland abgeschoben worden

 03.11.2026

Iran

Mullah-Regime richtet zwei Demonstranten hin

Die Männer hatten Anfang des Jahres an den blutig niedergeschlagenen Protesten teilgenommen

 03.11.2026

Midterm-Wahlen

Wird US-Präsident Trump zur lahmen Ente?

Für Donald Trump wird es eine Schicksalswahl: Heute wählt Amerika einen neuen Kongress. Sollten die Demokraten gewinnen, könnte Trump nur noch per Dekret regieren

 03.11.2026