Nahost

Europäer protestieren gegen Uranmetall-Pläne

Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in der iranischen Atomanlage in Natanz Foto: imago images/ZUMA Wire

Die iranischen Pläne zur Herstellung von Uranmetall lassen die Sorge vor einer iranischen Atombombe weiter wachsen. »Die Produktion von Uranmetall kann schwerwiegende militärische Implikationen haben«, warnten die Außenministerien Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung. Der Iran habe keine glaubwürdige zivile Verwendung für Uranmetall. Die iranische Atomenergiebehörde wies den Vorwurf einer geplanten militärischen Nutzung allerdings zurück.

Der Iran hatte 2015 ein Abkommen mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, den USA und China abgeschlossen, das den Bau iranischer Atomwaffen verhindern soll. Im Gegenzug waren dem von schiitischen Geistlichen geführten Iran wirtschaftliche Vorteile versprochen worden.

Abkommen Seit dem Ausstieg der USA aus dem Abkommen 2018 werfen sich der Iran und die Europäer gegenseitig vor, sich nicht an die Verpflichtungen zu halten. Ein vor einem Jahr eingeleitetes Schlichtungsverfahren ist bisher wirkungslos geblieben. Sowohl Iraner als auch Europäer hoffen nun aber, dass mit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Joe Biden am kommenden Mittwoch wieder Bewegung in den Konflikt kommt.

Wenige Tage davor wachsen die Spannungen jetzt aber noch einmal. Am Samstag testeten Irans Streitkräfte bei Militärübungen am Persischen Golf erneut ihre umstrittenen Mittelstreckenraketen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim wurden außer den Flugkörpern mit einer Reichweite von 1800 Kilometern in einem großangelegten Seemanöver der Marine und der Revolutionsgarden auch Marschflugkörper und Drohnen getestet.

Bereits am Mittwoch hatte der Iran seine Absicht erklärt, Uranmetall herzustellen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien zeigten sich in ihrer gemeinsamen Erklärung »tief besorgt« darüber. Der Iran habe sich im Atomabkommen für 15 Jahre verpflichtet, weder Uranmetall herzustellen noch Forschung und Entwicklung im Bereich der Uranmetallurgie zu betreiben. Die drei Länder forderten die Regierung in Teheran daher »mit großem Nachdruck« auf, die Pläne zu stoppen.

atomenergiebehörde Die iranische Atomorganisation (AEOI) erklärte dagegen, der Iran habe bereits seit Anfang des Jahrtausends im Bereich Uranmetall erfolgreiche Forschungsarbeiten für zivile Zwecke durchgeführt und deren Ergebnisse der internationalen Atomenergiebehörde auch mitgeteilt. Man plane, das Uranmetall in der Produktion von Brennstoffen in einem Forschungsreaktor in Teheran einzusetzen.

Unterdessen wurde bekannt, dass die von Deutschland, Frankreich und Großbritannien gegründete Gesellschaft zum Schutz von Iran-Geschäften vor US-Sanktionen weitgehend wirkungslos geblieben ist. Seit der Gründung vor zwei Jahren wurde nur eine einzige Finanz-Transaktion über sie abgewickelt, um die Ausfuhr medizinischer Güter in den Iran zu ermöglichen. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Zweckgesellschaft Instex war im Januar 2019 nach dem Ausstieg der USA aus dem Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe gegründet worden. Über sie kann seitdem der Zahlungsverkehr bei Iran-Geschäften abgewickelt werden, wenn sich private Banken wegen drohender US-Strafen dazu nicht mehr bereit erklären. Instex fungiert also quasi als Schutzschirm für den Handel zwischen Europa und dem Iran.

instex Der Erfolg blieb aber aus. Erst 14 Monate nach Gründung von Instex erfolgte im März 2020 die erste und bis heute einzige Transaktion über die Gesellschaft. Die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Antje Leendertse, macht in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage den Iran dafür verantwortlich. »Zahlreiche europäische Unternehmen haben gegenüber Instex ihr Interesse an einer Abwicklung von Geschäften bekundet und sind in Vertragsverhandlungen mit dem Unternehmen eingetreten« schreibt sie. »Das Zustandekommen einer erfolgreichen Transaktion ist von vielen, oftmals hochkomplexen Faktoren und insbesondere auch von der Kooperationsbereitschaft der iranischen Seite abhängig, die bisher keinen weiteren Geschäften zugestimmt hat.«

Der Grünen-Außenpolitiker Nouripour warf der Bundesregierung vor, die Rettung des Atomabkommens nur halbherzig betrieben zu haben. »Um (US-Präsident Donald) Trumps Sabotage des Atomabkommens zu verhindern, hätte die Bundesregierung im europäischen Chor früher, entschiedener und substanzieller agieren müssen«, sagt er. »Nun wird die Rettung des Abkommens gegen das Oberwasser der Hardliner in Teheran auch zusammen mit dem neuen US-Präsidenten ganz schwer.« dpa

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026

Mehrere Männer bei einer Pressekonferenz der Polizei in Frankfurt, einer spricht in ein Mikrofon

Nach Eskalation

Einsatzleiter: Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Der Einsatzleiter der Polizei berichtet von einer »neuen Dimension der Gewalt«: Aus dem Pro-Palästina-Spektrum heraus sei es zu »immer massiveren Störungen und Angriffen auf Polizeikräfte« gekommen

 01.11.2026

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026

Überwachungskameras an der Fassade der Synagoge in Hagen, links ein Davidstern

Antisemitismus

Judenfeindliche Straftaten mit islamistischem Motiv auf Rekordniveau

Seit 2023 steigen die Zahlen rasant an. Behörden in Deutschland registrieren immer mehr antisemitische Straftaten. Viele haben einen islamistischen Hintergrund

 01.11.2026

Vanessa Emde zwischen Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Linke-Parteitag in Berlin

Regierungsbildung in Berlin

Linker Protest gegen Linke-Führung – Abgeordnete Emde dabei

Vanessa Emde steht wegen ihrer israelfeindlichen Positionen in der Kritik und könnte aus der Berliner Linksfraktion ausgeschlossen werden. Nun taucht sie auf einer Kundgebung am Parteitagsort auf

 01.11.2026

Als Batman verkleidete Person vor brennender Mülltonne in Frankfurt

Gewalt eskaliert

Krawalle und Plünderungen in Frankfurt

Nachdem die Polizei eine zunächst friedliche Demonstration junger Menschen auflöst, eskaliert die Lage auf der Zeil – in der Menge waren auch »Viva Palästina«-Rufe zu hören

 01.11.2026