Antisemitismusvorwurf

»Es ist grotesk«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: PR

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich zum Antisemitismusvorwurf des Simon-Wiesenthal-Zentrums gegen den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, geäußert. Zentralratspräsident Josef Schuster bezeichnete es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung als unangebracht, Müller auf eine Liste der weltweit schlimmsten Antisemiten zu setzen: »Es ist grotesk, den Regierenden Bürgermeister von Berlin in eine Reihe mit dem ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und den schlimmsten Antisemiten der Welt zu stellen.«

Allerdings, so Schuster weiter, habe er in der Vergangenheit eine klare Absage des Regierenden Bürgermeisters an jegliche Form von Antisemitismus vermisst. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf das unerträgliche Wirken der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions). »Der Zentralrat empfindet es als beschämend für die Stadt Berlin, dass der Regierende Bürgermeister es bislang nicht für nötig gehalten hat, sich klar und unmissverständlich gegen BDS-Aktivitäten zu stellen. Auch hat sich die jüdische Gemeinschaft ein entschiedeneres Vorgehen gegen den Berliner Al-Quds-Marsch erhofft.«

Positionierung Der Zentralrat wünsche sich von Müller eine unmissverständliche Positionierung gegen die BDS-Bewegung und den Al-Quds-Tag. »Die Amtskollegen des Regierenden Bürgermeisters in München und Frankfurt am Main haben in vorbildlicher Weise klare Kante gegen BDS gezeigt. Dies wünsche ich mir auch für die deutsche Hauptstadt«, so Zentralratspräsident Schuster.

Einmal jährlich veröffentlicht das Simon-Wiesenthal-Zentrum die »Top Ten« der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Vorfälle. Wie die »Jerusalem Post« berichtete, habe der stellvertretende Leiter des Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, geäußert, dass es Müller »theoretisch auf die Liste schaffen könnte«. ja

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026