Al-Quds-Tag

»Es geht um die Vernichtung Israels«

»Al-Quds-Marsch« am 9. Juni in Berlin Foto: dpa

Zivilgesellschaftliche Organisationen haben eine kritische Bilanz des israelfeindlichen »Al-Quds-Marsches« am vergangenen Samstag in Berlin gezogen. Die Einbindung religiöser schiitischer Autoritäten habe auf die Mobilisierung der schiitischen Gemeinden aus der ganzen Bundesrepublik abgezielt, teilten die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) und das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) mit.

Zudem verfolge die erstmals bei der Demonstration vorgestellte »Nie wieder!«-Kampagne vor allem die Anschlussfähigkeit an Debatten der nicht-schiitischen Mehrheitsgesellschaft, erklärten die beiden Organisationen. Sowohl RIAS als auch JFDA hatten den Al-Quds-Marsch in den vergangenen Tagen systematisch ausgewertet. Die veranstaltende »Kuds-AG« verstehe den Aufmarsch vor allem als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, hieß es weiter. Dies drücke sich unter anderem »in der regelmäßigen Präsenz der extra eingeflogenen Rabbiner der anti-zionistischen Neturei Karta-Sekte aus«.

Strukturen JFDA-Sprecher Levi Salomon kommt in seiner Auswertung des Al-Quds-Tages zu folgendem Schluss: »Die Teilnehmer des Marsches haben einmal mehr gezeigt, dass es ihnen nicht um einen gerechten Frieden im Nahen Osten geht, sondern einzig um die Vernichtung Israels.«

Benjamin Steinitz, Projektleiter von RIAS, erklärte: »Im Vergleich zum Vorjahr war beinahe eine Verdopplung der Teilnehmer zu beobachten. Wie schon im vergangenen Jahr wurde der antisemitische Charakter der Veranstaltung trotz scharfer Auflagen seitens der Behörden nicht kaschiert und folgerichtig von den Teilnehmenden in Form von Aussagen, aber auch Angriffen auf Gegendemonstrierende ausgelebt.«

JFDA-Vorsitzende Lala Süsskind zeigt sich über einen anderen Aspekt besonders schockiert: »Ich bin bestürzt, dass Repräsentanten von Organisationen, die sogar Teil des Staatsvertrages sind und zur Stärkung des demokratischen Staatswesens beitragen sollten, als aktive Teilnehmer einer antisemitischen Demonstration auftreten«, so Süsskind. »Man sollte überdenken, ob staatliche Strukturen in Kooperation mit solchen Organisationen gehen dürfen.«

ausschluss Unterdessen forderte der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne), die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) aus dem Beirat des geplanten Instituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität auszuschließen. Als Gründe nannte Beck, der Verband habe sich im Vorfeld der israelfeindlichen Al-Quds-Demonstration mit Verweis auf die Autonomie seiner Mitgliedsgemeinden geweigert, dazu aufzurufen, nicht an der Demonstration in Berlin teilzunehmen. Auch wollte sich laut Beck die IGS nicht ausdrücklich von der Kundgebung distanzieren.

Am Al-Quds-Marsch am vergangenen Samstag hatten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 1200 und 1600 Menschen teilgenommen. An zwei Gegendemonstrationen beteiligten sich jeweils mehrere Hundert Menschen. »Al Quds« ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Der »Quds-Tag« wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen und soll den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem untermauern.

Die Kundgebung findet seit 1996 jährlich auch in Berlin statt. An diesem Tag versammeln sich in der Hauptstadt traditionellerweise unter anderen Hamas- und Hisbollah-Sympathisanten, Neonazis und Anhänger von Verschwörungstheorien. Er findet in der Regel am Ende des Ramadans statt. ja/epd

Meinung

Herr Kretschmer, es gibt nichts mit der AfD zu bereden!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt einmal mehr die Brandmauer in Frage und will »mit jedem reden, der reden will«. Doch reden muss man allenfalls mit den Wählern der AfD

von Michael Thaidigsmann  22.07.2026

Österreich

Hitlers Geburtshaus ist nun eine Polizeistation

1889 kam der spätere Diktator Adolf Hitler im österreichischen Braunau am Inn zur Welt. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit immer wieder von Neonazis aufgesucht. Damit soll Schluss sein

von Matthias Röder  22.07.2026

Washington D.C.

Berichte: Trump genehmigt Atom-Deal mit Saudi-Arabien

Die Nachricht fällt mit der Eskalation des Iran-Krieges zusammen. Kritiker warnen vor einem atomaren Wettrüsten in der instabilen Region

 22.07.2026

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Berlin

Bericht des Jüdischen Forums: 329 antisemitische Vorfälle bei Demonstrationen

Als durchgängiges Motiv nennt der Bericht den Ruf nach einer »Globalisierung der Intifada«

 22.07.2026

Berlin

Dobrindt kündigt baldige Nachfolge für Antisemitismusbeauftragten Felix Klein an

Klein selbst spricht sich für eine nahtlose Übergabe aus

 22.07.2026

Würzburg

Schuster sorgt sich um Brandmauer gegen die AfD

Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. In Umfragen ist die AfD mit Abstand stärkste Kraft. Der Präsident des Zentralrats der Juden blickt mit Sorge auf die CDU

 22.07.2026

Augsburg

Acht Monate Haft für antisemitischen TikTok-Kommentar

»Adi warum hast du nicht alles ein Ende gebracht« soll der Verurteilte unter einen Beitrag der »Tagesschau« geschrieben haben

 22.07.2026

USA

Mamdani: New York kann Netanjahu nicht festnehmen

Der Bürgermeister der Metropole fordert die US-Bundesregierung auf, einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) zu vollstrecken. Dieser wird auch in Israel als absurd angesehen

 22.07.2026