Rechtsextremismus

»Es braucht konsequentes Einschreiten«

An der Versammlung des rechtsextremen Bündnisses »Pro Chemnitz« nahmen rund 2000 Personen teil. Foto: dpa

Die Neonazis zogen mitten durch Dortmund, zündeten gefährliche Feuerwerkskörper und skandierten ungehindert antisemitische Parolen. »Wer Deutschland liebt, ist Antisemit«, riefen die rund 200 Rechtsextremen am Freitagabend unter anderem – doch die Polizei griff nicht ein.

Nun mehrt sich die Kritik an den Beamten. Der Vorwurf: Die Polizisten hätten vor dem Hintergrund der offenkundig judenfeindlichen Schlachtrufe auf den beiden Demonstrationen einschreiten müssen.

LEBENSLÜGE Das American Jewish Comitee Berlin (AJC) verurteilte am Samstag den Aufmarsch und kritisierte das Verhalten der Polizei. »Es ist sehr erschreckend. In Dortmund marschieren Neonazis offen, ohne Gegenwehr skandieren sie: ›Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.‹ Nach den letzten Wochen braucht es endlich unmissverständliche Signale, eine Stärkung der Zivilgesellschaft und konsequentes Einschreiten der Polizei«, teilte das AJC mit.

Kritik kommt auch von dem Grünen-Politiker Volker Beck: »Die Lebenslüge, dass ›Antisemitismus bei uns keinen Platz hat‹, haben die Nazis in Dortmund gestern auf der Straße widerlegt. Man hat ihnen den Platz gelassen«, erklärte Beck am Samstag. Er forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, sich zu der Demonstration zu äußern und darzulegen, wie die Polizei künftig bei solchen Demonstrationen agieren sollte.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) kündigte unterdessen an, dass der Rechtsstaat entschieden gegen Demonstrationen wie in Dortmund vorgehen wird. »Antisemitismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft! Es ist abstoßend, wenn Nazis in unseren Städten ihrem Hass freien Lauf lassen. Unser Rechtsstaat wird darauf eine klare Antwort finden«, schrieb sie am Samstag im Internetdienst Twitter.

anzeigen Die Beamten indes wehren sich mit Hinweis auf die Rechtslage gegen die Kritik. Aussagen und Parolen von Rechtsextremisten seien dokumentiert worden und würden konsequent strafrechtlich verfolgt, betonte die Polizei. Nun müsse jedoch erst einmal überprüft werden, ob die Vorfälle strafrechtliche Relevanz hätten. Der Verdacht auf Volksverhetzung werde gewissenhaft überprüft. Bislang hat die Polizei Anzeigen wegen des Gebrauchs von Pyrotechnik in zwei Fällen und wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erstattet.

An den beiden Demonstrationen der Rechtsextremen in Dortmund-Dorstfeld und Dortmund-Marten hatten nach Angaben der Polizei 175 Neonazis teilgenommen. Die Aufmärsche standen unter dem Motto »Gegen Polizeischikanen und Polizeiwillkür. Das Grundgesetz gilt auch in Unterdorstfeld, Meinungs- und Versammlungsfreiheit schützen!«.

Auch in Chemnitz waren am Freitagabend Rechtsextreme aufmarschiert. Während einer Demonstration des rechtsextremen Bündnisses »Pro Chemnitz« sind dabei nach Polizeiangaben ein linkes Politik- und Kulturzentrum sowie ein Journalist attackiert worden.

Die Chemnitzer Zeitung »Freie Presse« berichtete, dass sich drei Personen, darunter der Chemnitzer Linken-Vorsitzende Tim Detzner, rechtzeitig vor dem Angriff der Rechtsextremen ins Gebäude flüchten und in Sicherheit bringen konnten.

Körperverletzung Versammlungsteilnehmer hätten bei der Demonstration in der sächsischen Stadt am Freitagabend zudem gegen die Kamera des Journalisten geschlagen, teilte die Polizei am Samstag in Chemnitz mit. Ermittelt werde wegen versuchter Körperverletzung. Zudem sei am Gebäude des Rothaus-Vereins unter anderem eine Scheibe zerstört worden.

Das Haus wird nach Vereinsangaben von verschiedenen Initiativen, Vereinen und Gruppen sowie von Abgeordneten der Linken im sächsischen Landtag und im Bundestag unter anderem für politische Arbeit und politische Bildung, für Kulturveranstaltungen und Feste genutzt.

An der Versammlung von »Pro Chemnitz« nahmen nach Polizeiangaben rund 2000 Personen teil. An Protesten dagegen unter dem Motto »Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz« hätten sich rund 400 Menschen beteiligt, hieß es. Bei den Demonstrationen waren insgesamt 800 Polizeibeamte aus Sachsen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie von der Bundespolizei im Einsatz gewesen. ja/epd

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026