Greuther Fürth

Erneutes Foul

Spieler in der Kritik: Mergim Mavraj Foto: imago images/Zink

Greuther Fürth

Erneutes Foul

Fußballprofi Mergim Mavraj sorgte erneut mit einem antisemitischen Posting in sozialen Medien für Aufsehen

von Stefan Laurin  03.09.2020 11:04 Uhr

Das Bild, das Mergim Mavraj, Abwehrspieler beim Zweitligisten Spielvereinigung Greuther Fürth, im Juli auf Instagram veröffentlichte, war voller bunter Blumen, doch eine Friedens- oder Freudenbotschaft hatte es nicht: Die Blumen bedeckten ganz Israel, in der Mitte waren die Al-Aksa-Moschee und der Name »Palästina« zu sehen. Israel existierte auf diesem Bild nicht.

Daniela Eisenstein, die Direktorin des Jüdischen Museums Franken, nannte Mavrajs Post »antisemitisch«, er »negiere das Existenzrecht Israels«. Auch sein Verein distanzierte sich auf Nachfrage der »Nürnberger Zeitung« von Mavrajs Veröffentlichung.

Anfang Juli trafen sich dann Fred Höfler, Präsident der Spielvereinigung Greuther Fürth, und Rachid Azzouzi, Sport-Geschäftsführer des Vereins, mit Jo-Achim Hamburger, dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, und André Freud, Geschäftsführer der Gemeinde.

ERKLÄRUNG In einer gemeinsamen Erklärung teilten Gemeinde und Verein mit, »Vereine und Spieler haben in ihrer Vorbildfunktion für viele Freunde des Fußballs auch die Aufgabe, diesem Anspruch zu entsprechen und für ein offenes Miteinander in unserer Gesellschaft einzutreten. Diesem Ziel fühlen sich die Gesprächspartner verpflichtet. Kritik an den Regierungen von Staaten ist jederzeit legitim, darf aber nicht (und keinem Staat gegenüber) dessen Vernichtung fordern«. Künftig wolle man sich mehrmals im Jahr auch ohne Anlass treffen und austauschen.

Die Spielvereinigung ist nicht irgendein Verein: Mit Henry Kissinger zählt ein prominenter Jude zu den Fans der Fürther. Der ehemalige US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger ist Ehrenmitglied und verfolgt die Spiele des Vereins bis heute. Julius Hirsch, der in Auschwitz ermordete Nationalspieler, kickte sechs Jahre für die Fürther. Mit dem nach Hirsch benannten Preis ehrt der Deutsche Fußball-Bund seit 2005 Personen und Organisationen, die sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen.

Die Spielvereinigung ist nicht irgendein Verein: Mit Henry Kissinger zählt ein prominenter Jude zu den Fans der Fürther.

Allerdings ist auch Mergim Mavraj nicht irgendein Spieler. Der in Hanau geborene Deutsch-Albaner, der auch für die Nationalmannschaft Albaniens spielt, teilte in seiner Zeit beim 1. FC Köln ein auf der Facebook-Seite »Generation Islam« veröffentlichtes Video, in dem die Lage der Muslime heute mit jener der Juden während der Nazizeit verglichen wurde.

Als Antisemit sieht sich der Spieler trotzdem nicht. Den »Nürnberger Nachrichten« sagte er: »Der Rückschluss, ich sei Antisemit, ist in unseren Zeiten primitiv.« Er hätte nur zeigen wollen, »dass Israel und Palästina den gleichen Anspruch haben, auf der Weltkarte zu sein. Ich habe Israel nicht die Existenzberechtigung abgesprochen«.

KONSEQUENZEN Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, sieht das anders. »Makkabi Deutschland steht gemeinsam mit dem TSV Maccabi Nürnberg und der IKG Nürnberg in einem offenen Austausch mit der SpVgg Greuther Fürth. Mit dem Fall Mavraj, der zum wiederholten Mal antisemitische Äußerungen auf sozialmedialen Plattformen verbreitet hat, wurde die SpVgg Greuther Fürth ungewollt in eine unangenehme Lage gebracht. Der Verein hat nun aber die Chance, eine Vorreiterposition im Umgang mit derartigen antisemitischen und anderen menschenverachtenden Vorfällen einzunehmen. Deshalb führen wir jetzt intensive Gespräche mit den Verantwortlichen aus Fürth und hoffen auf eine Reaktion, die eine positive Strahlkraft auf den deutschen Fußball haben wird«, sagte Meyer der Jüdischen Allgemeinen.

Nach Konsequenzen für Mavraj befragt, teilte der Verein der Jüdischen Allgemeinen nichts Konkretes mit, sondern verweist darauf, dass er »für Toleranz, Diversität und Gleichberechtigung« stehe. »Wir sind gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung, was wir auch mit der Aktion #Vielfaltgewinnt regelmäßig zum Ausdruck bringen. Das sieht man auch an unseren Mannschaften, in denen wir vielen Nationalitäten und Religionen eine fußballerische Heimat geben. Dies haben wir auch in einem sehr angenehmen und persönlichen Gespräch mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg bekräftigt.« Ob der Verein Konsequenzen für seinen Spieler erwägt, bleibt nun abzuwarten.

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Demo, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026