Berlin

Erinnerungskultur per App: Wo die Nazis Verbrechen verübten

Berlin 1945 nach dem Ende der Nazi-Herrschaft Berlin 1945Image shows Berlin devistated at the end of the Second World War. The German city suffered relentless airstrikes from the allied forces in 1945. Foto: picture alliance / Photo12/Ann Ronan Picture Librar

Ein digitaler Atlas soll 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die vielen Tausend Tatorte von NS-Verbrechen in Deutschland in Erinnerung rufen. Die App sei voraussichtlich ab Februar verfügbar, sagte Projektleiter Wolfgang Hauck der Deutschen Presse-Agentur.

Zu Beginn informiere sie zunächst zu den Pogromen vom November 1938, als Nationalsozialisten in ganz Deutschland Juden mit Gewalt verfolgten und demütigten, ihre Wohnungen plünderten und Synagogen zerstörten. Digital sollen Nachgeborene bundesweit Einblick nehmen können, welche Verbrechen in der eigenen Stadt verübt wurden und von wem. Letztlich sollen im Atlas mehr als 25.000 dokumentierte Verbrechen an 8.000 Orten in Deutschland auffindbar sein, jeweils mit kurzen Informationen zu Tatgeschehen, Tätern und Opfern.

Von der Bundesregierung gefördert

Die Verbrechen ließen sich in Tatkomplexe gliedern, wie zum Beispiel Pogrom, Denunziationen, Verbrechen an politischen Gegnern, Endphasenverbrechen oder sogenannte Euthanasie, heißt es in der Projektbeschreibung. »Das Erschreckende an diesem Projekt ist die Bandbreite«, sagte Hauck.

Lesen Sie auch

Der Atlas wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft verantwortet und nach Haucks Worten vom Bundesfinanzministerium mit bis zu 780.000 Euro gefördert. Grundlage ist eine von Historikern zusammen getragenen Datenbank mit Gerichtsakten zu Fällen, die nach 1945 abgeurteilt wurden.

»Es ist eine Selbstverständlichkeit«

Diese Informationen würden »niedrigschwellig« für alle Interessierten zugänglich gemacht, statt nur für Wissenschaftler in Archiven, sagte Hauck. Der Fokus liege auf jungen Leuten. Wer im eigenen Ort weiter recherchieren wolle, könne von den Projektverantwortlichen weitere Erkenntnisse anfragen.

»Es ist nicht innovativ«, sagte Hauck. »Es ist die Herstellung einer Selbstverständlichkeit.« Der Anstoß zur Recherche der Fälle bundesweit sei vor vielen Jahren von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem gekommen. Diese habe in Deutschland nach einer Übersicht der von Gerichten verfolgten Verbrechen gefragt, die aber zu dem Zeitpunkt nicht vorgelegen habe.

Der Zweite Weltkrieg endete in Europa am 8. Mai 1945 mit dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland.

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

 17.09.2026

Brandanschlag auf Synagoge Wuppertal

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linke

Neue Umfrage sieht eine Partei wieder knapp in Führung

 17.09.2026

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Karlsruhe

Iraker plante Anschlag in Bremen

Der 24-jährige Islamist soll eine Kirche in Bremen als Anschlagsziel ausgewählt und schon eine Schusswaffe beschafft haben. Die Ermittler werfen ihm mehrere schwere Straftaten vor

 17.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026