Landtagswahlen

Ergebnisse ein »Schlag gegen das Vertrauen« der Schoa-Überlebenden

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees Foto: picture alliance/dpa

Nach den Wahlen in Sachsen und Thüringen hat die Amadeu
Antonio Stiftung vor einer Normalisierung des Rechtsextremismus
gewarnt. Die Ergebnisse der beiden Landtagswahlen vom Sonntag zeigten
deutlich, dass rechtsextreme Parteien in Ostdeutschland erheblichen
politischen Einfluss gewonnen haben, erklärte der Geschäftsführer der
Stiftung, Timo Reinfrank, am Abend in Berlin. Die Stiftung betone
dabei zugleich »die Dringlichkeit, zivilgesellschaftliche Strukturen
zu stärken und demokratische Werte zu verteidigen«.

Reinfrank erklärte, es dürfe nicht zugelassen werden, »dass
rechtsextreme Parteien wie die AfD in Thüringen und Sachsen weiter an
Einfluss gewinnen«. Die Wahlergebnisse seien alarmierend und
gefährdeten die Demokratie in Deutschland. Es sei unerlässlich, dass
die Bundesregierung »zivilgesellschaftliches Engagement in
Ostdeutschland weiterhin unterstützt und absichert«.

Der Geschäftsführer des Internationalen Auschwitz Komitees,
Christoph Heubner, erklärte, die Zustimmung für die AfD bei den
Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen sei »für Überlebende der
deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager zutiefst deprimierend
und ein Schlag gegen das Vertrauen, das sie Deutschland mittlerweile
wieder entgegenbringen«. Dass gerade in Deutschland so viele Menschen
einer Partei vertrauen, »die mehr als braun gesprenkelt ist und sogar
von anderen rechtsextremen Parteien in Europa als zu
vergangenheitsbehaftet ausgegrenzt wird«, sei für die Überlebenden
bisher unvorstellbar gewesen. Vor der Mehrheit der Demokraten stehe
nun die wichtige Aufgabe, die Demokratie zu verteidigen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard
Schramm, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntagabend,
die Befürchtung, dass die AfD hohe Wahlergebnisse erzielt, sei
bestätigt worden. »Das ist bedauerlich«, sagte Schramm. Das dürfe
jedoch nicht als Beleg für eine Normalisierung angesehen werden. »Die
AfD ist keine normale Partei«, betonte er. Die demokratischen
Parteien müssten die AfD weiter als Gefahr sehen und gemeinsam
gegensteuern.

Die AfD lag in beiden Bundesländern ersten Hochrechnungen zufolge
bei Werten knapp über 30 Prozent. Beide AfD-Landesverbände werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Niemand solle jetzt noch von Protestwählern sprechen »oder andere Ausflüchte suchen«, mahnte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland am Wahlabend. »Die zahlreichen Wähler haben ihre Entscheidung bewusst getroffen, viele wollten die Extremisten an den Rändern in Verantwortung bringen.« Nicht nur Minderheiten müssten sich jetzt fragen, was diese Entwicklung für jede und jeden Einzelnen bedeute: »Wie hier die Zukunft aussieht, ist ab heute wieder eine große und schwierige Frage.« epd/kna

Sicherheit

Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor dem nationalislamistischen Autokraten Erdoğan werden

Ein Kommentar von Ali Ertan Toprak

von Ali Ertan Toprak  08.07.2026

Nahost

US-Militär meldet Angriffe auf Ziele im Iran

USA reagieren auf Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus

 08.07.2026 Aktualisiert

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Nahost

Schon wieder Tanker in der Straße von Hormus beschossen

Viele Details gibt es zunächst nicht. Klar ist: Normal befahrbar ist die Straße von Hormus noch immer nicht

 07.07.2026

Berlin

Antisemitischer Pöbler soll radikaler Palästina-Aktivist sein

Am Samstag beschimpfte ein Mann ein Pärchen mit Kind mit den Worten »Fuck Jews«. Jetzt stellt sich heraus: Der Täter hat eine politisch bewegte Vergangenheit

 07.07.2026

Frankreich

Präsidentschaftskandidatin mit Fußfessel?

Ein Gericht hat die Gründerin des Rassemblement National wegen massiver Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Sich für die Nachfolge von Emmanuel Macron bewerben darf Marine Le Pen dennoch - mit einer wichtigen Einschränkung

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Straßburg

Parteienfamilie der AfD auf EU-Ebene kommt auf den Prüfstand

Die rechte Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) steht im Visier der Aufsichtsbehörde. Es geht um mögliche Verstöße gegen Kernwerte der EU. Auf dem Spiel stehen Fördermittel

von Valeria Nickel  07.07.2026