Meinung

Endlich!

Shahrzad Eden Osterer

Meinung

Endlich!

Es war überfällig, dass die EU die Revolutionsgarde der Islamischen Republik auf der Terrorliste gesetzt hat. Doch die heutige Lage ist auch das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse, falscher Hoffnungen und politischer Feigheit ebenjener EU

von Shahrzad Eden Osterer  30.01.2026 13:35 Uhr

Viel zu spät, aber endlich steht die Revolutionsgarde der Islamischen Republik auf der Terrorliste der Europäischen Union.

Seit 1979, seit der Machtübernahme der Islamischen Republik, ist Gewalt ihr zentrales Herrschaftsinstrument. Menschen wurden hingerichtet, verhaftet, gefoltert, zu erzwungenen Geständnissen gezwungen. Frauen und Männer wurden vergewaltigt, verletzt, zum Verschwinden gebracht. Proteste wurden blutig niedergeschlagen, Kinder auf den Straßen getötet. Ganze Generationen wurden unterdrückt, systematisch entrechtet und eingeschüchtert.

Gleichzeitig hat dieses Regime das Leben von Millionen Menschen wirtschaftlich zerstört. Durch Korruption, Missmanagement und systematische Ausplünderung wurden Familien in Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit gedrängt. Existenzen wurden vernichtet, Familien auseinandergerissen, Menschen zur Flucht und ins Exil gezwungen.

Lesen Sie auch

Im Zentrum all dessen steht die Revolutionsgarde. Sie ist nicht nur eine militärische Einheit. Sie kontrolliert große Teile der iranischen Wirtschaft, Schlüsselindustrien, Infrastruktur, Finanzströme. Sie beherrscht Geheimdienste, paramilitärische Milizen, Gefängnisse, Folterzentren. Sie ist das Rückgrat der inneren Repression und zugleich das wichtigste Instrument der äußeren Gewaltpolitik.

Denn die Revolutionsgarde trägt die Verantwortung für Terror, Krieg und Destabilisierung weit über den Iran hinaus. Für Terroranschläge und Mordpläne in Europa und weltweit. Für bewaffnete Milizen, für Krieg, für den Tod von Tausenden Menschen in der Region. Für permanente Unsicherheit, für Chaos, für Gewalt als politisches Mittel.

All das war bekannt. Seit Jahren haben Betroffene, Exiliranerinnen und Exiliraner, Menschenrechtsaktivisten und ihre Verbündeten darauf gedrängt, genau diese Organisation als das zu benennen, was sie ist: eine Terrororganisation. Und Europa hat gezögert. Hat relativiert, beschönigt, normalisiert. Hat die Islamische Republik als legitimen Partner behandelt, wirtschaftliche und politische Beziehungen gepflegt, rote Teppiche ausgerollt für die Verantwortlichen von Folter und  Mord.

Während Familien im Iran ihre Toten suchten. Während Kinder auf den Straßen erschossen wurden. Während Gefängnisse sich füllten und Galgen errichtet wurden, hat Europa zugeschaut.

Dass die Revolutionsgarde nun auf der Terrorliste steht, ist für viele eine späte Genugtuung. Für unzählige Opfer kommt dieser Schritt zu spät. Er wird das Blutvergießen im Iran nicht sofort beenden und die Zerstörung in der Region nicht ungeschehen machen.

Aber er ist ein notwendiger, richtiger Schritt.

Und die Europäische Union sollte sich nichts vormachen. Diese Entscheidung entbindet sie nicht von Verantwortung. Die heutige Lage ist auch das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse, falscher Hoffnungen und politischer Feigheit. Die Terrorlistung ist kein Schlussstrich. Sie ist ein Anfang.

Die Autorin ist Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk (BR) und lebt in München.

Rheinland-Pfalz

Landtag fordert Institut für Antisemitismusforschung auf Bundesebene

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) dankt dem Landesparlament. »Antisemitismus ist in diesem Lande eine reale Erfahrung«, sagt er

 30.01.2026

München

Brandstifter von jüdischem Altenheim 1970 womöglich ermittelt  

56 Jahre nach einem Anschlag auf ein jüdisches Altenheim in München verdächtigen Ermittler nun einen schon verstorbenen Neonazi. Was sie auf dessen Spur führte

von Hannah Krewer  30.01.2026

Teheran

Iran bestellt deutschen Botschafter ins Außenministerium ein

Das Regime protestiert gegen Äußerungen von Bundeskanzler Merz. Das Außenministerium verurteilt außerdem die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation

 30.01.2026

Washington D.C.

»Sehr mächtige Schiffe auf dem Weg nach Iran«

Der US-Präsident stellt zugleich Gespräche in Aussicht und dem Teheraner Regime Bedingungen

 30.01.2026

Washington D.C.

US-Gesandter zu Waffenabgabe: Hamas hat keine Wahl

Die Terrororganisation will ihre Waffen behalten. Doch die amerikanische Regierung gibt sich zuversichtlich

 30.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 29.01.2026 Aktualisiert

Sanktionen

EU setzt Revolutionsgarden auf Terrorliste

In der Europäischen Union wurde jahrelang um diesen Schritt gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung

 29.01.2026 Aktualisiert

Interview

Oberrabbiner Goldschmidt: Iran destabilisiert gesamten Nahen Osten

Der ehemalige Moskauer Oberrabbiner über den Iran, die Zukunft von Gaza und Antisemitismus in Europa

von Leticia Witte  29.01.2026

Gedenkstunde

Bundestagspräsidentin fordert mehr Schutz jüdischen Lebens

Wie geht es weiter, wenn die Überlebenden der Schoa nicht mehr da sind? Es müssen neue Wege gefunden werden, sagt die Präsidentin des Bundestages. In der Gedenkstunde des Bundestages, in Gegenwart einiger Zeitzeugen

von Leticia Witte  29.01.2026