Der französische Buchverlag Hachette Livre feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen. 1981 wurde er von der Unternehmensgruppe Lagardère übernommen. Nicht nur in Frankreich, sondern auch weltweit ist Hachette einer der führenden Player auf dem Büchermarkt - vor allem im Bereich von Sachbüchern und Lehrmaterialien.
Doch am Dienstag wurde bekannt, dass der Verlag auch ein Übungsheft im Programm hat, in dem die Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 relativiert werden. Wörtlich heißt es in einem Repetitorium aus der Reihe »Objetif Bac«, mit dem sich Gymnasiasten außerhalb der Schulzeit auf das französische Abitur, das Baccalauréat, vorbereiten können: »Im Oktober 2023 beschließt Israel nach dem Tod von mehr als 1200 jüdischen Siedlern bei einer Reihe von Angriffen der Hamas, seine Wirtschaftsblockade zu verstärken und einen Großteil des Gazastreifens zu besetzen, was zu einer schweren humanitären Krise in der Region führt. «
Die Menschenrechtsorganisation Licra, die den Fall publik machte, zeigte sich empört. «Die Hamas hat offenbar ihre Stellvertreter bei Hachette» erklärte die Licra und fragte rhetorisch: «Ist es zu viel verlangt von einem renommierten Verlag, solche verwirrenden und negationistischen Auswüchse zu verhindern?»
Bildungsminister Édouard Geffray sprach auf X von einer «Verletzung der Würde der Opfer des Terrorismus» und fügte hinzu: «Werke, die für Schüler bestimmt sind, dürfen solche Verzerrungen nicht enthalten.»
Am Mittwoch mischte sich dann auch Staatspräsident Emmanuel Macron in die Kontroverse ein. Es handele sich eindeutig um «ein Übungsbuch für das Baccalauréat, das die Fakten verfälscht». Er habe seine Regierung deshalb gebeten, Maßnahmen zu ergreifen, schrieb Macron auf seinem X-Account. In Bezug auf die «terroristischen und antisemitischen Anschläge der Hamas vom 7. Oktober» verbiete sich jede Form von Revisionismus.
Der Verlag reagierte umgehend auf die Kontroverse, zeigte sich reumütig und entschuldigte sich am Mittwochmorgen. Man ziehe drei Bücher aus der «Objectif Bac»-Reihe «mit sofortiger Wirkung» zurück. Sie enthielten «falsche Angaben» zu den Ereignissen vom 7. Oktober 2023. Eine interne Untersuchung, wie es dazu kommen konnte, sei bereits eingeleitet worden, so Hachette Livre in einer Pressemitteilung.
Die fraglichen Übungshefte sollen nun gründlich überarbeitet werden; bereits an die Buchhandlungen ausgelieferte Exemplare werde mal zurückrufen und einstampfen. «Die Rückrufaktion beginnt heute bei allen Partnern und Buchhändlern und wird so effizient wie möglich durchgeführt.» mth