Antisemitismus

Empörung über Linken-Politiker im Saarland

Foto: imago

Der Chef des Linken-Stadtverbands Saarlouis, Mekan Kolasinac, hat laut einem Bericht der »Saarbrücker Zeitung« mit einem judenfeindlichen Facebook-Post für Aufruhr gesorgt: Laut Angaben der Zeitung schrieb Kolasinac auf seiner Facebook-Seite über den Linken-Bundesparteichef Bernd Riexinger: »Falsche hinterlistige Jude« (sic).

Hintergrund, so die Saarbrücker Zeitung, sei ein Bericht der Bild-Zeitung, wonach Riexinger versucht haben soll, die Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht aus der Partei zu mobben. Kolasinac bestätigte der Saarbrücker Zeitung laut dem Bericht, der Post stamme von ihm, beteuerte jedoch demnach, es sei ein Versehen gewesen. Er habe »Judas« statt »Jude« schreiben wollen und den Post innerhalb weniger Minuten richtiggestellt. Später soll sich Kolasinac auf seiner Seite bei »meinen jüdischen Freunden« entschuldigt haben.

synagogengemeine Der Vorsitzende der Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar, Richard Berman, äußerte sich empört über den Vorfall. Der Jüdischen Allgemeinen sagte er am Mittwoch: »Auch wenn in der Partei ob der ständigen Querelen die Nerven blank liegen, so ist dieser antisemitische Vergleich nicht zu entschuldigen. Es ist empörend, dass sich der Stadtverbandsvorsitzende der Linken zu einer solchen Aussage hinreißen lässt, zeigt sie doch seine Meinung zu Juden allgemein. Für ihn sind sie also alle falsch und hinterlistig. Dann frage ich mich, wen er meint, wenn er von ›meinen jüdischen Freunden‹ spricht. Mit seinem Weltbild über Juden kann er doch keine Freundschaft mit ihnen pflegen. Jedenfalls gibt es keinerlei Kontakte zum hiesigen Landesverband.«

Weiter sagte Berman: »Von Teilen der Bundespartei DIE LINKE ist man in Bezug auf Antizionismus ja schon einiges gewöhnt. Im Gegensatz dazu waren im Saarland von Seiten der Linken bisher weder antizionistische, noch antisemitische Äußerungen zu vernehmen, zumindest nicht öffentlich.« Berman forderte, ein weiterer Verbleib des Stadtverbandsvorsitzenden müsse geprüft werden: »Und vor allem muss der hiesige Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze rasch handeln, denn Mekan Kolasinac ist nicht nur irgendein Parteimitglied, sondern auch bei dem Bundestagsabgeordneten Lutze nebenberuflich beschäftigt.«

Parteiinterne Kritik Kolasinacs Äußerung sorgte auch bei Linken-Politikern für Empörung. Birgit Huonker, Sprecherin der Saar-Linken, zitierte den Post von Kolasinac auf Facebook und schrieb dazu: »Manche Dinge machen auch mich noch fassungslos. Antisemitismus in der eigenen Partei. Schlimm. Als ob wir nicht wichtigere Dinge zu tun hätten.«

Der Saarbrücker Volker Schneider, Geschäftsführer der Bundestagsfraktion in Berlin, reagierte auf Facebook: »Unglaublich, einen derart eindeutig antisemitischen Post von einem Mitglied der Partei DIE LINKE hätte ich mir bis heute nicht vorstellen können.« Schneider fordete die Partei und den Bundestagsabgeordneten Lutze auf, »so schnell als möglich die einzig richtigen Konsequenzen aus diesem intolerablen Post« zu ziehen.

www.facebook.com/birgit.huonker

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