Israel

»Elemente« und »Vogelscheuchen«

Beobachtet: Peace-Now-Aktivisten Foto: Flash 90

Israel

»Elemente« und »Vogelscheuchen«

Ein neues Gesetz soll linke Gruppen kontrollieren

von Pierre Heumann  10.01.2011 18:34 Uhr

Eine Knesset-Kommission will der Frage nachgehen, aus welchen Quellen »staatskritische Organisationen« in Israel alimentiert werden. Die Gesetzesvorlage, die von zwei Abgeordneten der nationalistischen Partei Israel Beitenu und des Likud eingebracht und mit großer Mehrheit angenommen wurde, hat solche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Visier, die sich für Menschenrechte und Konzessionen an die Palästinenser einsetzen. Es sind Vereinigun gen wie Betselem, Peace Now oder New Israel Fund, denen vorgeworfen wird, sie würden junge Menschen zur Verweigerung des Militärdienstes anstiften, die Legitimität der Zahal-Präsenz im Westjordanland unterminieren und Angehörige der Streitkräfte als »Kriegsverbrecher« beschimpfen.

Freiheit Auch nach dem Knesset-Beschluss bleibt die Legitimität der Kommission umstritten. Linke sprechen von »politischer Verfolgung« und »McCarthyismus«. Der ehemalige Knessetsprecher, Avraham Burg von der Arbeitspartei, fordert Menschenrechtsorganisationen auf, die Zusammenarbeit mit der Kommission zu verweigern. Dieser Untersuchungsausschuss habe keine Befugnis, Zeugen zu befragen oder Beweismaterial anzufordern, sagt Burg: Wer die Freiheit liebe, sollte mit dieser »Vogelscheuche« nicht kooperieren. Israel »erhebe die Hand gegen die Demokratie«, schreiben Intellektuelle, Schriftsteller und Israel- Preisträger in einem offenen Brief. Der stellvertretende Außenminister Danni Ayalon hingegen begrüßt das neue Gesetz: Es gehe »um den Schutz Israels«, denn bestimmte »Elemente« würden das israelische Rechtssystem »manipulieren«.

Hintergrund der neuen Kommission sind die Vorwürfe der nationalistischen Im-Tirzu-Bewegung, dass Menschenrechtsorganisationen mithilfe ausländischer Gelder gegen die israelische Regierung agieren würden. Sie hatten ihnen vorgeworfen, die Goldstone-Kommission mit belastenden Informationen versorgt zu haben, die wesentlich zu deren kritischem Resultat beigetragen hätten. Der südafrikanische Richter hatte im Auftrag der Vereinten Nationen eine Untersuchung zum Gaza-Krieg geleitet. Die israelische Regierung wollte nicht mit ihm kooperieren.

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

 17.09.2026

Brandanschlag auf Synagoge Wuppertal

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linke

Neue Umfrage sieht eine Partei wieder knapp in Führung

 17.09.2026

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Karlsruhe

Iraker plante Anschlag in Bremen

Der 24-jährige Islamist soll eine Kirche in Bremen als Anschlagsziel ausgewählt und schon eine Schusswaffe beschafft haben. Die Ermittler werfen ihm mehrere schwere Straftaten vor

 17.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026