Al-Quds-Tag

»Eine Schande für Berlin«

»Al-Quds«-Demo in Berlin im Juni 2017 Foto: Jonas Nolden

Der »Al-Quds-Tag« am Samstag wird in diesem Jahr in Berlin wieder von Gegendemonstrationen begleitet. Zu einem Protestmarsch werden etwa 1000 Teilnehmer erwartet, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag in Berlin.

Die Demonstration steht unter dem Motto »Gemeinsam gegen Antisemitismus, Islamismus und Homophobie – Solidarität mit Israel und der iranischen Demokratiebewegung!«. Anmelder ist das ADC Bildungswerk für Demokratie und Kultur. Unterstützt wird der Aufruf von zahlreichen Bürgern, Parteien, Initiativen und Organisationen.

Hamas Zu dem in Berlin von einer Privatperson angemeldeten »Al-Quds-Tag« werden laut Polizei rund 2000 Menschen erwartet. Über mögliche Auflagen, wie etwa das Verbot, Israel-Flaggen zu verbrennen oder judenfeindliche Sprüche zu rufen, will die Polizei erst am Freitag entscheiden. Am »Al-Quds-Tag« nehmen traditionell Israel- und Judenfeinde verschiedener Strömungen teil, darunter Hamas- und Hisbollah-Sympathisanten, Neonazis und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) forderte unterdessen ein Verbot der umstrittenen Demonstration. »Der Al-Quds-Tag muss dringend verboten werden, weil er einen unverhohlenen Aufruf zum Judenhass und zur Volksverhetzung darstellt«, sagte die DIG-Vizepräsidentin Maya Zehden im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Es ist eine Schande für Berlin, diese Kundgebung zu erlauben. Das Demonstrationsrecht hat an der Stelle seine Grenze, wo gegen Juden gehetzt und zur Auslöschung Israels aufgerufen wird.«

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte sich bereits in der vergangenen Woche ebenfalls für ein Verbot der umstrittenen »Al-Quds«-Demonstration ausgesprochen. Sollte dies nicht möglich sein, müsste zumindest die Polizei in die Lage versetzt werden, sofort zu handeln, wenn es zu antizionistischen und antisemitischen Aktionen komme, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Dazu müssten die Einsatzkräfte entsprechend sensibilisiert und Arabisch-Dolmetscher eingesetzt werden.

Sammelbecken Auch Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, übte scharfe Kritik an dem »Al-Quds-Tag«. Die Kundgebung sei ein Sammelbecken für Islamisten, Anhänger der Hisbollah, der Hamas, Neo-Nazis und Israel hassende Linke, die die Demokratie und die freiheitlich-liberale Gesellschaft bekämpfen, betonte Königsberg im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen.

»Für die Befürworter des ›Al-Quds-Tags‹ gibt es weder die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch die Rede- und Meinungsfreiheit oder das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung«, so Königsberg weiter. »Sie propagieren unverhüllten Antisemitismus, lehnen jegliche Friedensregelung mit Israel ab und propagieren stattdessen Gewalt und Krieg.«

Er forderte die Polizei dazu auf, dass die Auflagen für die Kundgebung eingehalten werden und keine strafbaren Handlungen wie Mordaufrufe oder Volksverhetzungen zuzulassen. »In der Vergangenheit gab es in dieser Hinsicht Versäumnisse«, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Existenzrecht »Al Quds« ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Die Kundgebung wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen und dient dazu, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen und den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem zu untermauern. Sie findet traditionell am Ende des Ramadans statt.

Der diesjährige »Al-Quds«-Marsch in Berlin startet am Samstag um 14.30 Uhr vom Adenauerplatz. Die Abschlusskundgebung ist am Wittenbergplatz geplant. Die größere der beiden Gegendemonstration startet eine Stunde früher (13.30 Uhr) am Nollendorfplatz; Abschlusskundgebung ist um 15.30 Uhr am Breitscheidplatz.

Die zweite Gegendemonstration startet um zwölf Uhr an der Wilmersdorfer Straße/Ecke Kantstraße und zieht dann durch mehrere Straßen in Charlottenburg. epd/ja

Ehrung

Preis von Union progressiver Juden für Bundesministerin Prien

Sie ist die erste Bundesministerin mit jüdischen Wurzeln. Nun wird Karin Prien für ihre Verdienste für das Judentum in Deutschland geehrt. Sie empfinde die Würdigung vor allem als Auftrag, sagt sie

von Nikolas Ender  18.03.2026

Bundestag

Merz über Iran-Krieg: »Wir hätten abgeraten«

Allen Aufforderungen des US-Präsidenten an die Europäer zum Trotz bleibt Kanzler Merz in Sachen Iran-Krieg hart. Vor dem EU-Gipfel in Brüssel setzt er auf mehr europäisches Selbstbewusstsein

 18.03.2026

Suchmaschine

USA ermöglichen Recherche zu Nazis in der eigenen Familie

War der eigene Opa ein Nazi? Diese Frage kann nun über das US-Nationalarchiv beantwortet werden. Erstmals wurden die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP vollständig ins Netz gestellt

von Sabina Crisan, Marc Fleischmann  18.03.2026

Interview

»Teil der iranischen Militärstrategie«

Die jüdische Gemeinschaft wird von einer weltweiten Serie von Terroranschlägen erschüttert. Der Experte Hans-Jakob Schindler erklärt, was das mit der hybriden Kriegsführung des iranischen Mullah-Regimes zu tun hat

von Ninve Ermagan  18.03.2026

Meinung

Was im Iran-Krieg bisher erreicht wurde

Israelis und Amerikaner können durchaus schon militärische Erfolge gegen den Iran vorweisen. Das Mullah-Regime wird definitiv schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist

von Sima Shine  18.03.2026

Literatur

Als die Donau durch Kakanien floss

Zur Leipziger Buchmesse: Eine (jüdische) Vision für ein Europa der Regionen, Religionen und der Vielfalt

von Awi Blumenfeld  18.03.2026

Judenhass

Erneute Antisemitismus-Skandale bei der Deutschen Welle

Medienberichten zufolge haben zwei arabische Mitarbeiter des deutschen Auslandssenders in den sozialen Netzwerken Hassposts über Israel verbreitet

 18.03.2026

Meinung

Die Hertie School ist eine seltene Ausnahme

An der privaten Hochschule wurde die Studierendenvertretung für eine Pro-BDS-Resolution abgestraft. Das ist ein wichtiges Signal. Doch das Problem des Antisemitismus an deutschen Universitäten reicht viel weiter

von Ron Dekel  18.03.2026

Teheran

Irans Geheimdienst geht gegen Opposition vor

Der iranische Geheimdienst berichtet von Festnahmen. Auch Schusswaffen und Satelliten-Internetgeräte sollen sichergestellt worden sein

 18.03.2026