Interview

»Eine politische Grundkonstante«

Bundesaußenminister Heiko Maas Foto: imago images/Political-Moments

Interview

»Eine politische Grundkonstante«

Heiko Maas über Solidarität mit Israel, Gespräche mit der Hamas und die Bedrohung von Juden in Deutschland

von Detlef David Kauschke  27.05.2021 10:33 Uhr

Herr Minister, Sie haben bei Ihrem Besuch in Israel miterlebt, wie Raketen auf das Land abgefeuert wurden und welche Schäden der Beschuss hinterlässt. Haben Sie unter diesem Eindruck so ungewöhnlich deutlich die Solidarität mit Israel betont?
Die Verwüstung zu sehen, die eine einzige Rakete anrichten kann, hinterlässt schon einen tiefen Eindruck vom Ausmaß der Bedrohung, der die Menschen ausgesetzt sind. Solidarität mit Israel ist aber nicht nur Gefühlssache, sondern eine feste Überzeugung und politische Grundkonstante für mich und für die Bundesregierung. Das wollte ich unterstreichen.

Israel will nicht mit Terroristen verhandeln. Bundeskanzlerin Merkel meint, die Hamas müsse »in gewisser Weise eingebunden sein«. Wie ist Ihre Position?
Die Hamas ist eine Terrororganisation und als solche auch von der Europäischen Union gelistet. Als De-facto-Herrscher über Gaza ist sie eine fortwährende Bedrohung für Israels Sicherheit und bestimmt über das Schicksal von zwei Millionen Menschen. Deshalb ist es wichtig, dass Partner wie Ägypten vermitteln können. Auch die Vereinten Nationen müssen mit ihr reden, um den Menschen vor Ort Hilfe leisten zu können. Unser Ansprechpartner ist die Palästinensische Behörde unter Präsident Abbas.

SPD-Chef Walter-Borjans fordert, Deutschland solle in israelischen Sicherheitsfragen mitreden, wenn es Waffen dorthin liefert. Hat man diese Botschaft in Israel gehört?
Man weiß in Israel sehr gut, dass man sich auf Deutschland verlassen kann und es für die Sicherheitskooperation eine breite Mehrheit über alle politischen Lager hinweg gibt. Deutschland wird auch in Zukunft seinen Beitrag für die Sicherheit Israels leisten. Unsere Solidarität erschöpft sich nicht in Worten.

Immer wieder wurde kritisiert, dass EU-Gelder für humanitäre Zwecke in Gaza zur Terrorfinanzierung genutzt werden. Wie soll das in Zukunft verhindert werden?
Die humanitären Helfer – allen voran UNRWA – leisten bei der Grundversorgung vieler Menschen in Gaza wichtige Arbeit. Die Finanzierung von Terrororganisationen ist für uns völlig inakzeptabel. Wo immer es solche Hinweise gibt, muss ihnen schnell und gründlich nachgegangen werden. Darauf achten wir genau, und mein Eindruck ist, dass auch die UN-Organisationen das sehr ernst nehmen.

Waren bei Ihren Gesprächen auch die aktuellen Bedrohungen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ein Thema?
Das war ein Thema, das ich selbst angesprochen habe. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass man in Israel weiß, dass die Bundesregierung antisemitischen Hass und Hetze sowie Bedrohungen gegen Jüdinnen und Juden unter keinen Umständen akzeptiert und ihnen mit der vollen Härte des Rechtsstaats begegnet.

Das Interview mit dem Bundesaußenminister führte Detlef David Kauschke.

Nahost

Arabische Liga verurteilt »illegale« Angriffe Irans

Seit Tagen greift der Iran in Nahost militärische Ziele an, aber auch Flughäfen, Wohngebiete und Energie-Infrastruktur. Bei ihrer Notfallsitzung spricht die Arabische Liga von »feigen« Attacken

 08.03.2026

Mannheim

Mannheimer SPD-Politikerin tritt nach antisemitischen Facebook-Kommentaren zurück

Melek Hirvali Cizer schrieb, Israel züchte »babyfressende, weltweit Kinder entführende Agenten«

 08.03.2026

Washington

Bericht: USA prüfen Spezialoperation zur Sicherung iranischen Uranbestands

Eine mögliche Mission dieser Art könnte darauf abzielen, 450 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von etwa 60 Prozent zu sichern

 08.03.2026

Berlin

Constantin Schreiber reist aus Israel ab

Aus Sicherheitsgründen verlässt der für Springer SE tätige Reporter den Nahen Osten

 08.03.2026

Berlin

DIG fordert deutsche Unterstützung für Israel und USA im Krieg gegen den Iran

Das »kriegerische antiisraelische Vernichtungsprogramm der Mullahs« sei »theologisch begründet und daher einem politischen Prozess nicht zugänglich«, sagt DIG-Präsident Volker Beck. Der Verhandlungsweg sei schon vor Jahren gescheitert

 08.03.2026

Teheran

Iran hat neuen Obersten Führer: Israel droht Chamenei-Nachfolger

Mojtaba Chamenei (56), Sohn des getöteten Ali Chamenei, gilt als möglicher neuer Revolutionsführer. Bekanntgabe verzögert sich offenbar auch aus Sicherheitsgründen

 08.03.2026 Aktualisiert

Washington/Teheran

US-Geheimdienstbericht: Militärschlag dürfte Irans Führung kaum stürzen

Bereits vor dem Krieg wurden verschiedene Szenarien untersucht – von gezielten Angriffen auf einzelne Führungsfiguren bis hin zu einem umfassenden militärischen Vorgehen gegen die staatlichen Institutionen

 08.03.2026

Berlin

Bundesregierung zieht Personal der Botschaft in Teheran ab

Das Auswärtige Amt zieht aus der Bedrohungslage Konsequenzen

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026