FPÖ

Eine Partei wie jede andere?

Foto: dpa

Die rechte FPÖ in Österreich hat für die Kurzfassung eines Historikerberichts zur Parteigeschichte scharfe Kritik einstecken müssen. Angesichts der Mitarbeit von FPÖ-Spitzenfunktionären an dem Werk meinte der Zeitgeschichtler der Universität Wien, Oliver Rathkolb, am Dienstag: »Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun.«

Auch die Expertin für Erinnerungskultur von der Akademie der Wissenschaften, Heidemarie Uhl, bemängelte das Fehlen wissenschaftlicher Standards. Uhl sprach gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA von einer vertanen Chance.

Anlass des Berichts war ein Liederbuch der Burschenschaft Germania, das den Holocaust verharmloste.

Die FPÖ, in den Augen ihrer Kritiker immer wieder im Verdacht rechtsextremer und antisemitischer Ansichten, hatte am Montag eine 32-seitige Kurzfassung eines insgesamt 1100 Seiten starken Historikerberichts vorgelegt. Der Kommissionsvorsitzende Wilhelm Brauneder kam zu dem Schluss, »dass die FPÖ eine Partei wie nahezu jede andere ist.« Für die FPÖ von heute seien Nazis aus den Anfängen der Partei nicht relevant.

ANTISEMITISCH Anlass des Berichts von 16 Autoren war die Liederbuch-Affäre von Anfang 2018. Damals war in der Burschenschaft Germania ein Liederbuch entdeckt worden, das den Holocaust verharmloste. Führendes Mitglied der Burschenschaft war ein FPÖ-Landespolitiker, der erst von seinen Ämtern zurücktrat, inzwischen aber wieder in die Politik zurückgekehrt ist. Der Gesamtbericht soll erst vorgelegt werden, wenn ein israelischer Forscher das Dokument bewertet hat.

Die FPÖ spielt in Österreich seit Jahrzehnten eine maßgebliche Rolle. Ursprünglich auch von wirtschaftsliberalem Geist geprägt, wetterte die Partei vor allem unter dem 2008 tödlich verunglückten Populisten Jörg Haider gegen Ausländer. Die Partei pflegt auch enge Beziehung zu deutschnational ausgerichteten Burschenschaften.

Unter dem einstigen Parteichef Heinz-Christian Strache hat sich die FPÖ um ein besseres Verhältnis zu Israel bemüht und offiziell antisemitische Tendenzen verurteilt – war trotzdem aber immer wieder auch durch judenfeindliche Vorfälle auffällig geworden.  dpa/ja

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime seine Exekutionskampagne vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026

Berlin

Mitarbeiter und Gäste des Kulturschiffs MS Goldberg antisemitisch beschimpft

Der Mann fuhr mit seinem Boot neben dem Kulturschiff und pöbelte dabei. Später soll er noch Beleidigungen per Email und via Facebook verschickt haben

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Tödliche Ignoranz

Der Attentäter vom Christopher Street Day war Islamist. Doch manchen fällt es schwer, die Hintergründe der Mordtat konkret zu benennen. Sie kennen nur Reflexe

von Ralf Balke  30.07.2026

Berlin

Breites Bündnis fordert Klartext beim Thema Islamismus

Die meisten Muslime in Deutschland lehnten islamistische Ideologien ab. Gerade deshalb müssten sie ihnen »innerhalb der eigenen Gemeinschaft entschlossen entgegenzutreten«, heißt es in einem von 23 Organisationen unterzeichneten Aufruf

 30.07.2026

Interlochen (Michigan)

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jeffrey Epstein im Umfeld einer US-Kunstschule

Zwei ehemalige Schülerinnen schilderten grenzüberschreitendes sexuelles Verhalten des Finanzinvestors

 30.07.2026

Berlin

Nach CSD-Anschlag: Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt

Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Days wird die Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt. Die Ereignisse hätten die Lage »drastisch verändert«, so die Veranstalter

 30.07.2026

Berlin

Früherer Verfassungsrichter gegen AfD-Verbotsverfahren

Die AfD könnte bei der Wahl in Sachsen-Anhalt womöglich eine absolute Mehrheit erreichen. Hans-Jürgen Papier ist aber gegen ein Verbotsverfahren

 30.07.2026