Flüchtlingspolitik

»Eine gemeinsame Linie ist wichtig«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes

Herr Schuster, Verbände und Religionsgemeinschaften rufen an diesem Donnerstag eine Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat ins Leben. Auch der Zentralrat der Juden ist mit dabei. Warum braucht es dieses zivilgesellschaftliche Bündnis?
Dies ist eine Initiative, in der sich fast jeder wiederfinden kann. In der derzeitigen Flüchtlings- und Zuwanderungsdebatte und der teils sehr aufgeheizten gesellschaftlichen Atmosphäre ist es wichtig, dass ein so breit in der Gesellschaft verankertes Bündnis eine gemeinsame Linie findet. Dies ist eine Möglichkeit, extremistische Positionen zu bekämpfen.

Der Aufruf lautet: »Die Würde des Menschen ist unantastbar«. Sehen Sie den im Grundgesetz verankerten Schutz gefährdet?
Akut sehe ich den Schutz nicht bedroht, aber es gibt ein Gefährdungspotenzial. Da sind zum Beispiel die gewaltsamen Übergriffe auf Flüchtlinge und die Diskriminierung von Zuwanderern. Darüber hinaus sind manche innergesellschaftlichen Töne kaum zu überhören: Wenn zum Beispiel die Vorsitzende der AfD fordert, dass an den Grenzen auf Flüchtlinge geschossen werden soll, dann wird hier die Menschenwürde mit Füßen getreten.

In der Allianz haben sich ganz unterschiedliche gesellschaftliche Akteure zusammengetan. Wie wichtig ist derzeit die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts?
Wenn wir sehen, welchen Zulauf eine am sehr rechten Rand des politischen Spektrums angesiedelte Partei hat, die ganz offensichtlich auch rechtsextremistische Kreise ansprechen kann, dann befürchte ich schon, dass der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet ist. Sorgen macht mir ebenso, dass sowohl AfD als auch Pegida ganz offensichtlich bisherige Anhänger der etablierten Parteien gewinnen können, die Gesellschaft also einen Rechtsruck macht.

Welche Aufgaben haben dabei Verbände und Religionsgemeinschaften?
Sie müssen sich in der aktuellen Debatte ganz klar positionieren. Sie müssen einerseits deutlich machen, was im Grundgesetz klar verankert ist: Menschen, die durch Kriegseinflüsse an Leib und Leben bedroht sind, muss Asyl gewährt werden. Auf der anderen Seite müssen sie darauf bestehen, dass diejenigen, die bei uns Schutz suchen, sich in das Wertesystem der deutschen Gesellschaft einbinden lassen. Aus Sicht des Zentralrats der Juden heißt das ganz klar: Kein Platz für Antisemitismus!

Sind weitere Aktivitäten der Allianz geplant?
Ja, das ist jetzt nur der Auftakt. Und es geht auch darum, über die aktuell in dem Bündnis vereinten Kräfte weitere Gruppierungen zu gewinnen. Ein Beispiel könnte das seit mehr als zehn Jahren in Bayern bestehende Bündnis für Toleranz sein, das mit nur wenigen Verbänden begonnen hat. Inzwischen sind darin bereits über 50 Gruppen vertreten, die einen breiten politischen Konsens zu den aktuellen Themen wie der Flüchtlingsdebatte entwickelt haben.

Mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Berlin

Medienberichte über Israel auf dem Prüfstand

Wie weit klaffen Berichterstattung und Realität auseinander? Darüber ist am Freitag ist ein ganztägiger »Fachaustausch« an der Technischen Universität geplant

 27.10.2026

Teheran

Irans Generation Z kämpft um ihre Zukunft

Sie sind 17, sprechen über Krieg und denken ans Auswandern. Darja und Negin gehören zu einer Generation, die den Iran verändert, aber an der eigenen Zukunft dort zweifelt

von Arne Bänsch  27.10.2026

Dementi

Trump bestreitet Gespräche über weitere Wahlempfehlung für Netanjahu

Hat Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten um mehr Unterstützung im Wahlkampf gebeten oder nicht?

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026