Zionismus

Eine Erfolgsgeschichte

Theodor Herzl: »In Basel habe ich den Judenstaat gegründet.« Foto: dpa

Wir kennen das: »Zionismus gleich Rassismus« oder gar Apartheid. Der Zionismus ist »an (fast) allem schuld«. Diese, sagen wir, politische Mode hat seit Langem Konjunktur.

Einst waren »die« Juden an allem schuld, heute sind es »die Zionisten«. So gesehen, ist der Zionismus gescheitert. Das ist die erste bittere historische Ironie seiner ersten 120 Jahre. Der erhoffte Neu-Exodus sollte durch physischen Entzug von Juden die Situation der Juden »normalisieren«.

Iran Ihre eigene, altneue »Heimstätte« in Zion sollte die Isolation, Ächtung, Bekämpfung oder geplante Vernichtung von Juden als Juden beenden. Zionismus beziehungsweise Israel wird noch heute isoliert und bekämpft. Israelis, diese Juden, sollen als Juden nicht so leben, wie sie es wollen, sondern wie andere es möchten. Manche wollen das »Zionistische Gebilde« auslöschen. Siehe Iran, Hamas, »Islamischer Staat«.

Auch das wollte der Zionismus jedweder Richtung: Durch und in ihrer Heimstätte, später Staat, sollte das Leben, Wohl- und Überleben von Juden als Juden nicht mehr vom Wohlwollen der Nichtjuden der jeweiligen Nation abhängen. Heute müssen sie nicht mehr in ihrer Nation, doch in ihrer Region ums Überleben kämpfen. Bisher haben sie es geschafft. Sollten sie es einmal nicht mehr schaffen, dann war dieses Mal das letzte Mal. Das wäre nicht mehr die »Endlösung der Judenfrage«, sondern die Endlösung der Zionsfrage. Wie die erste Endlösung würde diese die Mehrheit der Juden weltweit betreffen. Auch deshalb ist die Zionsfrage eine, genauer: die Judenfrage.

Dem Ortswechsel der Judenmajorität nach Israel folgte nur ein Themenwechsel, kein Wechsel der potenziellen Opfer. »Die« Juden, meist gleichgesetzt mit »den« Zio-
nisten, blieben die global bevorzugten Sündenböcke. Man schaue auf die UNO. Dort sind die Staaten dieser Welt vertreten. Die Quantität, nicht die menschenrechtliche Qualität der abstimmenden Staaten, entscheidet dort. Bezogen auf, sprich: gegen Israel beziehungsweise Zionismus besteht in der UNO tatsächlich eine »Internationale Gemeinschaft«. Die Akteure und Gründe haben sich geändert, nicht die Zielgruppe, also Juden als Juden, gleich welcher politischen Richtung.

Orthodox Es gab und gibt im Zionismus seit jeher, vereinfacht zusammengefasst, mindestens drei große Richtungen: das von 1920 bis 1977 fast allmächtige und heute kaum noch vorhandene linke Lager, das bürgerliche sowie das religiöse. Längst sind die Grenzen fließend. Selbst intern waren diese Blöcke nie homogen. Von »dem« Zionismus zu sprechen, war und ist daher eine analytisch inakzeptable Aussage. Sie ist so töricht wie das Gerede von »den« Juden, zumal bei extrem orthodoxen Juden Zionismus/Israel als »Gotteslästerung« gilt.

Nicht einmal bezogen auf die Notwendigkeit, einen jüdischen Staat zu gründen, waren sich »die« Zionisten einig. 1948 wurde er Wirklichkeit, 1967 der Herrschaftsbereich im Sechstagekrieg dramatisch erweitert. Was und wo sind die Grenzen Israels? Auch darüber herrschte und herrscht unter »den« Zionisten seit eh und je keine Einigkeit. Ist das ein Manko? Nein, denn so ist das eben unter Demokraten. Gegner des Zionismus unterstellen ihm fantasiegeprägt Großreichehrgeiz. Das zählt zu den vielen Fiktionen über Zionismus und Israel. Fakten werden geflissentlich übersehen oder nicht gekannt.

Fakt ist, dass nicht nur der Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, in seinem Roman Altneuland von einem friedlichen Miteinander der Juden, Muslime und
Christen im Judenstaat träumte. Keine Richtung des Zionismus wollte Araber vertreiben. Umgekehrt bleibt die traurige Tat-
sache, dass trotz vieler Fehler »der« Zionis-ten bis zur und nach der Staatsgründung die Palästinenserführung sowie die meis-ten arabischen Staaten und seit 1979 der Iran Juden oder Israelis gerne vertrieben hätten und es manche bis heute versuchen.

Palästinenser Fiktion ist auch die 1947/48 angeblich systematisch, strategisch geplante Vertreibung der Palästinenser aus dem neugegründeten Israel. Das ist der Stand der Forschung: Ja, es gab punktuelle, aber eben keine systematischen Vertreibungen. Nicht selten hört man: Israel wolle die Palästinenser aus dem Westjordanland vertreiben. Auch das ist Fiktion.

Seit Langem fragen Meinungsforscher weltweit: Sind Sie mit dem Leben in Ihrem Land glücklich? Fakt ist: Die Juden in Zion zählen zur globalen Spitze der Glücklichen. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben und noch besser werden, denn die Freie Welt braucht mehr denn je Israels Kenntnisse und Kreativität auf dem Gebiet der Informationstechnologie und Terrorbekämpfung.

Fakt ist auch: Juden fühlen sich im Jüdischen Staat wohler als palästinensische Muslime und Christen. Herzls Traum und Israels Wirklichkeit sind wahrlich nicht identisch. Aber muslimischen und erst recht christlichen Palästinensern in Zion geht es sozial und wirtschaftlich besser als den meisten ihrer arabischen Brüder in islamischen Staaten. Israels Araber leben in einem Rechtsstaat, und sie leben sicherer. Der Zionismus ist doch eine Erfolgsgeschichte.

Der Autor ist Historiker und Publizist. Zuletzt erschienen: »Deutschjüdische Glückskinder. Eine Weltgeschichte meiner Familie«

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