Würdigung

Ein unermüdlicher Kämpfer

Romani Rose Foto: imago images/Jürgen Heinrich

Als Gründer und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma ist er Sprecher der Minderheit, zu der bundesweit etwa 120.000 Bürger gehören. Romani Rose streitet zugleich beharrlich und zielstrebig für den Schutz von Demokratie und Menschenwürde.

»Nach dem Zivilisationsbruch der NS-Zeit, nach der Vernichtung von sechs Millionen Juden und 500.000 Sinti und Roma habe ich erst im Kampf für Rechtsstaat und Demokratie meine Identität gefunden«, sagt Rose. Am 20. August wird er 75.

FORDERUNG Rose ist Heidelberger, stolz auf die Geschichte und Kultur seiner Heimatstadt. Wie ein roter Faden zieht sich die Forderung, Sinti und Roma in der Bundesrepublik als gleichberechtigte deutsche Staatsbürger anzuerkennen, durch seine jahrzehntelange politische Arbeit.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ab den 1980er Jahren kämpfte er für Entschädigungen von NS-Überlebenden und protestierte gegen antiziganistische Haltungen bei Polizei, Justiz und Behörden. 1982 gründete er den Zentralrat mit, um die Interessen und Bürgerrechte der Sinti und Roma zu stärken.

Er wurde zum Vorsitzenden gewählt - und bis heute immer wieder im Amt bestätigt. An eine Abgabe der Leitungsverantwortung mag er nicht denken. Roses Energie ist ungebrochen. Sei es bei Protesten gegen rassistische Übergriffe oder gegen antiziganistische Vorurteile in den Medien.

ANERKENNUNG Dabei liegt hinter dem rastlosen und kommunikativen Zentralratschef ein langer Weg. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Bundesrepublik nach dem Weltkrieg die Verfolgung und Ermordung von 500.000 Sinti und Roma durch die Nazis anerkannte. In seinem Büro zeigt er Polizei-Karteikarten, die noch Ende der 1960er Jahre als Identifikationsmerkmal von Roma die eintätowierten KZ-Nummern verzeichneten.

Als Meilenstein der Anerkennung erlebte Rose die symbolische Geste des höchsten deutschen Zivilgerichts - des Bundesgerichtshofs (BGH) -, das sich 2016 für ein Urteil aus den 1950er Jahren entschuldigte, das Roma als »primitive Urmenschen« herabwürdigte und NS-Rassenideologie zitierte. »Diese Entschuldigung zeigt die Kraft des demokratischen Rechtsstaats«, sagt Rose.

Am zentralen Denkmal für die NS-Verfolgung der Sinti und Roma in Berlin wird auch Familienangehöriger Roses gedacht.

Eine ähnliche Geste wünscht er sich auch von seiner, der katholischen Kirche. Deren Rolle und Mitverantwortung bei der NS-Verfolgung von Sinti und Roma, etwa bei der Deportation von Kindern aus katholischen Heimen in die Todeslager, sei nur unzureichend aufgearbeitet.

BITTE Sein Vater, erzählt Rose, sprach noch 1943 beim damaligen Münchner Kardinal Michael Faulhaber vor, um die Auschwitz-Deportation Münchner Sinti und Roma zu verhindern. »2013 hat eine Kirchenhistorikerin im Nachlass Faulhabers den entsprechenden Tagebucheintrag entdeckt.« Faulhaber wies demnach die Bitte von Roses Vater ab. 13 direkte Familienangehörige Roses ermordeten die Nazis in den Konzentrationslagern.

Auch ihrer wird am zentralen Denkmal für die NS-Verfolgung der Sinti und Roma in Berlin gedacht, dessen Realisierung der Zentralrat bis zur Eröffnung 2012 entscheidend vorantrieb.

Allerdings gibt es dort jetzt Auseinandersetzungen darüber, ob eine unter dem Denkmal geplante U-Bahn das Gedenken und das Mahnmal beeinträchtigen könnte. Rose rät zu pragmatischer Zusammenarbeit mit der Bahn, andere Sinti und Roma lehnen das Berliner Bauprojekt kompromisslos ab.

BAU Dagegen kommt der erhoffte Neu- und Umbau des Heidelberger Sinti-und-Roma-Zentrums wie geplant voran. Der Siegerentwurf eines internationalen Architekturwettbewerbs sieht vor, das Gebäudeensemble von Zentralrat und Dokumentationszentrum zur Heidelberger Altstadt hin zu ergänzen und moderne Ausstellungs- und Veranstaltungsräume mit einem Besuchercafé zu verbinden. »Ich hoffe, dass ich den Bau noch begleiten kann«, sagt Rose.

Vor einigen Wochen legte Rose mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erstmals einen umfassenden Bericht zu antiziganistischen Einstellungen in der Gesellschaft vor.

Inklusive konkreter Vorschläge wie die Berufung eines Antiziganismus-Beauftragten oder eine Anerkennung des NS-Genozids an den Sinti und Roma. »Der nächste Schritt ist nun ein Staatsvertrag mit der Bundesrepublik, wie es ihn bislang nur auf Länderebene in einigen Bundesländern gibt.« Rose wird auch dafür kämpfen.

Diplomatie

Iran und Ukraine: So verlief das Gespräch zwischen Trump und Putin

Die Hintergründe

 09.03.2026

Nahost

Trump: Iran-Krieg »so gut wie beendet«

Seit gut einer Woche dauert der Iran-Krieg nun an. US-Präsident Trump hatte zuletzt eine Dauer von vier bis fünf Wochen Dauer in Aussicht gestellt. Die Offensive könnte wohl auch deutlich kürzer ausfallen

 09.03.2026

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Hildburghausen

Zahlreiche Rechtsrock-Konzerte im thüringischen Brattendorf

Ein Gasthaus im südthüringischen Brattendorf ist zu einem Treffpunkt der Neonazi-Szene geworden

 09.03.2026

Moskau

Putin sichert Mojtaba Chamenei Russlands Unterstützung zu

Russland sieht sich traditionell als enger Partner des Iran. Der Kremlchef wünscht dem neuen Obersten Führer Mut, Gesundheit und Kraft

 09.03.2026

Beirut

Israel setzt Angriffe im Libanon fort

Immer wieder erschüttern Explosionen die Vororte der libanesischen Hauptstadt. Ein Ende der durch neue Angriffe der Hisbollah verursachten Eskalation ist nicht in Sicht

 09.03.2026

Gaziantep

Türkei: NATO fängt Geschoss im türkischen Luftraum ab

Trümmer des Geschosses fallen auf türkischen Boden. Es ist nicht das erste Mal

 09.03.2026

Berlin

Zweifel an Angriff auf Neuköllner Schulleiter – Ermittlungen richten sich nun gegen ihn selbst

Ein Überwachungsvideo vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln wirft Fragen auf. Angaben von Hudhaifa Al-Mashhadani hatte angegeben, angegriffen worden zu sein

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026