EU-Verordnung

»Ein sonderbares Zeichen«

Yakov Hadas-Handelsman Foto: Marco Limberg

EU-Verordnung

»Ein sonderbares Zeichen«

Die Europäische Union handelt gegen ihre Leitmotive. Ein Gastkommentar

von Yakov Hadas-Handelsman  11.11.2015 09:27 Uhr

Frieden schaffen durch Handel – das ist der Gründungsgedanke der Europäischen Union. Gemeinsames Wirtschaften als Mo-
tor für politische Annäherung verfeindeter Staaten. Es ist eine Idee, die Früchte trägt.

In diesen Tagen handelt die Europäische Union gegen ihr Leitmotiv. Sie meint, Frieden durch Hemmnisse im Handel er-
reichen zu können. Eine neue EU-Richtlinie schreibt vor, israelische Waren aus den Gebieten jenseits der Grenzen von 1967 kennzeichnen zu lassen. Brüssel tarnt diese Kennzeichnungspflicht als Maßnahme zum Verbraucherschutz. Eine technische Maßnahme, heißt es. Keine politische. Doch welche Interessen will Brüssel hier eigentlich schützen?

Wenig überraschend lobbyiert an vorderster Front die sogenannte BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions) für die neue Richtlinie. Diese Unternehmung stellt das Existenzrecht Israels infrage und fällt immer wieder mit antisemitischen Parolen auf. In Brüssel sollte man sich fragen, ob man sich solche Freunde wünscht. Dieser europäische Vorstoß dient nicht dem Verbraucherschutz. Es soll einseitig politischer Druck auf Israel ausgeübt werden. Die Produkte aus weltweit rund 200 umstrittenen Gebieten müssen nicht gekennzeichnet werden.

Regel Damit gelten für Israel andere Regeln als für den Rest der Welt. Es ist eine falsche Annahme der EU, dass Druck nötig sei, um beide Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bewegen. Israel steht schon jetzt bereit, erneut in Friedensverhandlungen einzutreten, und hält nach wie vor an einer Zweistaatenlösung für zwei Völker fest. Doch auf der Gegenseite gibt es keine Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Während dieser Tage palästinensische Attentäter auf offener Straße Israelis angreifen, plant die EU Handelshemmnisse gegen Israel.

Ein sonderbares Zeichen sendet Brüssel damit an die Verantwortlichen in Ramallah. Die EU ermutigt mit dieser Geste die palästinensische Seite indirekt, weitere Gespräche mit Israel zu vermeiden. Darüber hinaus wird die Botschaft an die Attentäter gesendet: Macht genau so weiter.

Die EU-Etikettierung ist eigentlich wie eine Preisverleihung an den Terrorismus. Neue Friedensverhandlungen rücken so in weite Ferne. Die geplanten Etikettierungen erschweren nicht nur die Friedensbemühungen, die EU handelt auch im Widerspruch zu ihrer Leitidee. Israelische Unternehmen, in denen Palästinenser und Israelis zusammenarbeiten, sind ein erster Schritt zu einer Annäherung. Viele der Produkte sind Hoffnungsträger, die Firmen bieten höhere Löhne und verlässlichere Jobs als die meisten palästinensischen Unternehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die palästinensischen Beschäftigen durch die israelischen Sozialgesetze geschützt.

Wenn israelische Unternehmen aus Sorge vor einem Boykott ihrer Produkte in das Kernland Israels abwanderten, würden ungefähr 30.000 palästinensische Beschäftigte ihre Haupteinnahmequelle verlieren. Ist das das Ziel? Die EU sollte sich daran erinnern, für welche Überzeugungen sie eigentlich steht: Frieden schaffen durch Handel.

Der Autor ist Botschafter des Staates Israel in Deutschland.

Berlin

»Clanbosse gehören hinter Gitter, nicht auf Wahlpartys«

Die Linke steht nach den zahlreichen Antisemitismusvorfällen in der Partei nun wegen zwei Besuchern in der Kritik, die der organisierten Kriminalität und dem gegen Israel gerichteten Terrorismus zuzuordnen sind

 21.09.2026

Berlin

»Dass Herr Remmo sich freut, das ist ja wohl klar«

Jetzt äußert sich Berlins Innensenatorin Spranger zum Besuch des arabischstämmigen Remmo-Clans-Chef bei einer Wahlveranstaltung des möglichen Koalitionspartners Die Linke

 21.09.2026

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Wahl in Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

Präsident Josef Schuster hat sich trotz des Wahlsiegs der Partei Die Linke in Berlin dagegen ausgesprochen, diese mit Regierungsverantwortung zu betrauen

 20.09.2026

Landtagswahlen

Merz: CDU-Ergebnis in MV »ein Desaster«

Die CDU muss bei den Wahlen zu den Landesparlamenten in der Hauptstadt und im Nordosten Verluste einstecken. Der Kanzler und Parteivorsitzende äußert sich gleich kurz nach Schließung der Wahllokale

 20.09.2026

Landtagswahl

Hochrechnungen: Linke bei Berlin-Wahl klar vor CDU

In den Umfragen lagen Linke und CDU zuletzt in etwa gleichauf. Nach den ersten Zahlen deutet sich ein deutlicher Gewinner an

 20.09.2026 Aktualisiert

Landtagswahl

Hochrechnungen: AfD knapp vor SPD in MV - CDU zittert

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit ihrer SPD in den vergangenen Wochen eine Aufholjagd hingelegt. Nach ersten Zahlen verfehlt ihre Partei dennoch Platz eins

 20.09.2026 Aktualisiert

Nahost

Regierungstruppen im Jemen erobern Gebiete von Huthi zurück

Nach der Blitzoffensive der Huthi laufen die Gefechte im jemenitischen Gebirge weiter. Einen strategischen Erfolg kann aber keine der Konfliktparteien erreichen

 20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026