Meinung

Ein Kriegsherr namens Obama

Gespannt und erleichtert: Gemeinsam mit Barack Obama (2.v.l.) und Hillary Clinton (r.) verfolgen ranghohe Offiziere live den Zugriff der Navy Seals auf Osama bin Laden. Foto: Pete Souza

Mann ohne Mumm, schwächlicher Zauderer – Barack Obama ist schon oft von seinen politischen Gegnern verhöhnt worden. Der US-Präsident sei einfach zu weich für den Job. Gerade im Kampf gegen den Terrorismus habe der »Islamversteher« schlicht versagt. Doch diese Anwürfe gehören seit Montag der Vergangenheit an. Der Tod Osama bin Ladens durch das Gewehrfeuer der Navy Seals ist Obamas Triumph. Der Staatschef hat den Staatsfeind Nummer eins ausgeschaltet. Die Botschaft ist eindeutig: Seht her, im Weißen Haus regiert kein Weichling, sondern ein ganzer Kerl! Der Friedensfürst als Kriegsherr: Das wird viele in Europa erschüttern. Fragt sich nur, warum.

Gegenentwurf Zugegeben: Obama ist als Mann des Ausgleichs angetreten. Er inszenierte sich frei von Sheriff-Gehabe als Gegenentwurf zum rüpelhaften Cowboy George W. Bush. Und jetzt heißt es plötzlich in bester Wildwestmanier: lieber tot als lebendig. Haben sich, hat der Chef der Supermacht alle getäuscht? Mag sein. Aber selbst, wenn es so wäre, hätte jeder die Zeichen deuten können.

Der Afghanistankrieg ist unter dem 44. US-Präsidenten noch intensiver geworden als in den Jahren zuvor, das Lager Guantanamo existiert weiterhin, ebenso wie die Militärtribunale. Da passt Obamas Satz nach bin Ladens Ende gut ins Bild: Der Gerechtigkeit ist Genüge getan. Was bibeltreu so viel heißt wie Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Verstörend, sicherlich. Aber eben auch uramerikanisch. Und doch ist da ein wesentlicher Unterschied zwischen Bush und Obama. Der amtierende Präsident hat das Zeug und den Willen, aus dem Tod des islamistischen Terrorfürsten etwas Konstruktives zu machen. Statt auf außenpolitischen Hochmut muss er auf vertrauensbildende Maßnahmen setzen. Die arabische Welt ist im Umbruch. Amerika kann als glaubhafter Vorreiter dabei helfen, dass Freiheit und Demokratie in dieser Region Fuß fassen können. Willkommen, Mr. Chance!

Replik

Ein starkes Kurdistan kann Israels Partner werden

In der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen äußert sich die Expertin Ofra Bengio skeptisch zur Chance eines kurdisch-israelischen Bündnisses in Nahost. Eine Replik des Bundesvorsitzenden der Kurdischen Gemeinde Deutschland

von Ali Ertan Toprak  07.02.2026

Libanon

Kreise: Hochrangiger Hisbollah-Funktionär tritt zurück

Die Hisbollah im Libanon steht unter Druck: Sie soll sich entmilitarisieren. Nun tritt ein prominenter Funktionär zurück

 07.02.2026

Nahost

Trump: Anfang nächster Woche wieder Gespräche mit Iran

Nach den wiederaufgenommenen Verhandlungen mit dem Iran erhöht der US-Präsident mit einer Zoll-Drohung den Druck auf Teheran. Kurz darauf erzählt er, wie die Gespräche aus seiner Sicht liefen

 07.02.2026

Protest

Tausende demonstrieren in Berlin für Freiheit im Iran

Sie wollen den Menschen im Iran eine Stimme verleihen. Zahlreiche Organisationen und politische Persönlichkeiten versammeln sich am Brandenburger Tor. Etliche bangen um Angehörige in der Heimat

 07.02.2026 Aktualisiert

Extremismus

AfD: Björn Höcke zitiert abermals Nazi-Parole

Der AfD-Politiker Höcke ist wegen einer verbotenen Nazi-Parole bereits verurteilt worden. Jetzt prüft die Polizei einen neuen Vorfall. Doch Abgeordnete stehen unter besonderem Schutz

 06.02.2026

München

Jüdische Gemeinde erhält Drohbrief mit Patrone

Der Staatsschutz der bayerischen Polizei ermittelt

von Imanuel Marcus  06.02.2026

Berlin/Gießen

Nach Rede im Hitler-Stil: AfD will Mitglied rauswerfen

Mit seiner Rede, die an Adolf Hitler erinnerte, sorgte Alexander Eichwald beim AfD-Jugendkongress für Aufregung. Jetzt droht ihm der Parteiausschluss

 06.02.2026

Berlin

Julia Klöckner reist nach Israel

Die Bundestagspräsidentin will sich mit Regierungs- und Oppositionsvertretern austauschen, nach Yad Vashem und zum Nova-Festival-Memorial fahren

 06.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026