Einspruch

Ein Hauch von Vichy

Yonathan Arfi über die Erfolge des rechtsextremen Front National in Frankreich

von Yonathan Arfi  07.12.2015 16:19 Uhr

Yonathan Arfi Foto: privat

Yonathan Arfi über die Erfolge des rechtsextremen Front National in Frankreich

von Yonathan Arfi  07.12.2015 16:19 Uhr

Das Erwartete ist eingetreten: Der Front National (FN) wurde bei den Regionalwahlen stärkste politische Kraft in Frankreich. Schon 2002 hatte die Partei es in die Stichwahl um die Präsidentschaft geschafft. Nicht erst seit damals kämpft der Dachverband der französischen Juden, der CRIF, gegen diese Bedrohung.

Wir und andere Verteidiger der französischen Demokratie wollen nicht zulassen, dass der FN als ganz normale politische Partei gesehen wird. Wir erinnern daran, dass der FN in der Tradition des Vichy-Regimes steht, der Kollaborateure mit Hitlers Nazideutschland.

rhetorik Gewiss, der FN hat seine antisemitische Rhetorik zurückgefahren, und tatsächlich haben auch etliche Juden, freilich aus sehr individuellen Motiven, den FN gewählt. Das verwundert nicht: Juden sind genauso verunsichert wie alle Franzosen. Und es wäre falsch, die aktuellen Erfolge der Rechten einzig mit den jüngsten Terroranschlägen erklären zu wollen. Der FN ist gerade im strukturschwachen Nordfrankreich stark. Dort haben viele Menschen Angst, den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren.

Die Terroranschläge in Paris im Januar auf den »Hyper Cacher« und auf »Charlie Hebdo« sowie am 13. November werden dazu benutzt, Stimmung gegen Fremde, Migranten, Flüchtlinge zu machen. Aber das Gros der Pariser Terroristen waren Franzosen: hier geboren, aufgewachsen, ausgebildet. Es ist ein Problem dieser Gesellschaft.

radikalisierung Oft wird darauf verwiesen, dass den Terroristen ihr Bekenntnis zum Islam gemein sei. Das ist richtig, aber die Gewalt ist nicht das Problem des Islam. Wir erleben schließlich nicht zum ersten Mal eine religiöse Radikalisierung – nur, dass es früher eine christliche Radikalisierung war.

Nun muss die Mehrheit der friedlichen Muslime gestärkt werden: Die müssen sich einmischen. Das ist gewiss nicht Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft, das muss die muslimische Community selbst unternehmen – nicht zuletzt für sich selbst.

Der Autor ist Vizepräsident der französisch-jüdischen Dachorganisation CRIF.

Sachsenhausen

Prozess gegen früheren KZ-Wachmann verzögert sich

Verhandlung soll am 4. November mit der Aussage eines Nebenklägers aus Israel fortgesetzt werden

 22.10.2021

Leipzig

Gil Ofarim wehrt sich gegen Vorwurf der Verleumdung

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, stellte der Musiker weitere Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter des Hotels

 22.10.2021

Evangelische Kirche

Friedlaender-Grab: Friedhofsordnung soll vor Neonazis schützen

Erinnerungsbeauftragte: Möglicherweise müssen die Bestimmungen geändert werden, um die Totenruhe zu wahren

 21.10.2021

Justiz

Sachsenhausen-Prozess gegen früheren KZ-Wachmann fortgesetzt

Der 100-jährige Angeklagte hatte sich am zweiten Prozesstag am 8. Oktober für unschuldig erklärt

von Yvonne Jennerjahn  21.10.2021

Judenhass

Mann in Österreich nach Angriff auf Jüdische Gemeinde Graz verurteilt

Gericht weist Angeklagten in eine Anstalt für »geistig abnorme Rechtsbrecher« ein

 21.10.2021

Einspruch

Das ZDF, der Fall Ayhan und die fatale Toleranz

Philipp Peyman Engel ärgert sich darüber, dass im Zeichen von Vielfalt und Diversität judenfeindliche Aussagen aus migrantischen Milieus immer häufiger geduldet werden

von Philipp Peyman Engel  21.10.2021

Israel

Flügel an Flügel

Die Bundesluftwaffe nimmt an einer internationalen Großübung im Negev teil. Das Manöver begann mit dem Gedenken in Yad Vashem und einem Flug israelischer und deutscher Jets über Jerusalem

von Detlef David Kauschke  21.10.2021

EU-Parlament

Votum gegen Mittelkürzungen für Palästinenser

Mit 345 zu 291 Stimmen lehnte Parlament überraschend deutlich einen Vorschlag des eigenen Haushaltsausschusses ab

von Michael Thaidigsmann  21.10.2021

Antisemitismus-Vorwurf

Westin Hotel: »Keine Maßnahmen gegen Mitarbeiter«

Anwaltliches Gutachten: Keine »objektivierbaren Anhaltspunkte« für von Gil Ofarim erhobene Vorwürfe

 20.10.2021