Nachruf

»Ein großer Amerikaner«

Im Februar 2001 traf Colin Powell als US-Außenminister den damaligen designierten Premierminister Israels, Ariel Scharon. Foto: Flash 90

Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist infolge von Komplikationen nach einer Corona-Infektion gestorben. Powell, ein pensionierter General und einstiger Chef des Generalstabs der US-Streitkräfte, starb am Montag im Alter von 84 Jahren, wie seine Familie in einem Facebook-Post mitteilte.

Powell sei vollständig gegen das Coronavirus geimpft gewesen, hieß es. Er hatte Medienberichten zufolge seit Längerem gesundheitliche Probleme. »Wir haben einen herausragenden und liebevollen Ehemann, Vater, Großvater und einen großen Amerikaner verloren«, so die Familie.

PATRIOT Powell, ein Sohn jamaikanischer Einwanderer aus New York, wurde 2001 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush der erste schwarze Außenminister der USA. US-Präsident Joe Biden würdigte Powell als »einen Patrioten von unübertroffener Ehre und Würde«. »Er wird uns als einer unserer großen Amerikaner in Erinnerung bleiben«, erklärte Biden.

Powell war unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush Außenminister geworden. Bush und seine Frau Laura erklärten am Montag, Powell habe dem Land herausragend gedient. Viele Präsidenten hätten seinem Rat vertraut. Er sei ein Freund und außerordentlicher Mann gewesen.

Israels Premierminister Naftali Bennett schrieb auf Twitter: »Wir trauern um Colin Powell, einen großen amerikanischen Patrioten und großen Freund Israels. Seine mutige Führung und sein lebenslanges Engagement für Freiheit und Demokratie sind ein Vermächtnis, das immerfort inspirieren wird.« Auch Außenminister Yair Lapid kondolierte auf Twitter.

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KRIEGE Powells Amtszeit als Außenminister wurde von den Ereignissen nach den Anschlägen vom 11. September überschattet, also dem Kampf gegen den Terror und dem Beginn der Kriege in Afghanistan und dem Irak. Powell galt in der Bush-Regierung als Verfechter des Multilateralismus und gemäßigte Kraft, wohingegen Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Ruf von Hardliner hatten.

Vor der Wahl 2020 kündigte Powell an, für den Demokraten Joe Biden zu stimmen.

Dies zeigte sich besonders vor dem Beginn des Irakkriegs: Die Hardliner drängten unter Berufung auf angebliche Erkenntnisse der Geheimdienste zu Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen auf ein militärisches Vorgehen.

Im Februar 2003 warb Powell schließlich in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat unter Berufung auf die später diskreditierten Geheimdiensterkenntnisse um Zustimmung für den Irakkrieg. Im Ruhestand bezeichnete Powell diese Rede später als großen Fehler.

WAHLEN Powell erklärte nach Bushs Wiederwahl im November 2004 seinen Amtsverzicht. Vor der Wahl 2008 überraschte der Republikaner seine Parteikollegen, als er sich für den demokratischen Kandidaten Barack Obama aussprach.

Auch dem späteren republikanischen Kandidaten Donald Trump stand Powell kritisch gegenüber, er sprach sich schließlich für die Demokratin Hillary Clinton aus. Vor der Wahl 2020 kündigte Powell an, für den Demokraten Joe Biden zu stimmen.

Nach dem Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz 2020 äußerte sich Powell auch kritisch zum Problem des Rassismus in den Vereinigten Staaten. Er kritisierte wiederholt Trumps feindselige Haltung gegenüber Immigranten.

JIDDISCH Medienberichte hoben Powells gute Jiddisch-Kenntnisse hervor, die er sich während seiner mehrjährigen Tätigkeit in einem Laden im New Yorker Viertel Bronx aneignete. Sowohl der Ladenbesitzer als viele Kunden seien jüdisch und jiddischsprachig gewesen.

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Powell habe zudem als »Schabbes Goj« für orthodoxe Familien gearbeitet. Bei einem Treffen mit dem damaligen israelischen Regierungschef Jitzchak Schamir soll Powell ihn mit dem Angebot, miteinander Jiddisch zu sprechen, überrascht haben.

LAUFBAHN Powell schloss 1958 seine Offiziersausbildung ab und wurde Leutnant im Heer der US-Streitkräfte. Von 1962 bis 1963 kämpfte er in Vietnam, wo er verwundet wurde. Bei seinem zweiten Vietnam-Einsatz 1968 befehligte er zunächst als stellvertretender Kommandeur ein Infanteriebataillon und war dann Stabsoffizier im Divisionshauptquartier. 1972 wurde er erstmals nach Washington versetzt und machte im Verteidigungsministerium Karriere.

Powell diente dem US-Militär rund 35 Jahre lang. Zeitweise war er auch in Deutschland stationiert. Unter Ex-Präsident Ronald Reagan stieg Powell zum Leiter des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus auf.

Powell hinterlässt seine Frau Alma und drei erwachsene Kinder. Powell wurden zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen verliehen, darunter die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten und das Bundesverdienstkreuz. dpa/ja

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