NRW

Düsseldorf: Straßenbenennung nach Madjanek-Chefankläger angeregt

Vorstoß: Wird es künftig in Düsseldorf eine Alfred-Spieß-Straße geben? Foto: imago/Kraft

Der Historiker Bastian Fleermann wirbt für die Benennung einer Düsseldorfer Straße nach dem Chefankläger im Majdanek-Prozess, Alfred Spieß. Dieser habe mit seinen 15 Jahre dauernden Ermittlungen den Majdanek-Prozess sowie ein Verfahren um das KZ Treblinka in Gang gesetzt, sagte der Leiter der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte am Mittwoch bei einer Veranstaltung zum 40. Jahrestag der Urteilsverkündung. Als Chefankläger habe er den Impuls für diese Auseinandersetzung mit der Geschichte gegeben.

Das Lager Majdanek in Polen wurde 1941 eingerichtet und gilt als das erste Konzentrations- und Vernichtungslager im von NS-Deutschland besetzten sogenannten Großgouvernement Polen. Nach neueren Forschungen wurden dort etwa 78.000 Jüdinnen, Juden und polnische politische Gefangene ermordet.

In dem sechsjährigen Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht wurde eine ehemalige SS-Aufseherin zu lebenslanger, andere zu mehrjähriger Haft verurteilt. Unmittelbar nach der Befreiung des Lagers 1944 waren Mitglieder der Lagerleitung in Polen bereits zum Tode verurteilt worden.

Vertreter der Jüdischen Gemeinde sowie der evangelischen Kirche in Düsseldorf würdigten das Verfahren als eine der ersten Möglichkeiten von Überlebenden zu erfahren, welchen Qualen sie zwischen 1941 und 1944 ausgesetzt waren. Bei einer von der evangelischen Kirche initiierten Veranstaltung am Mittwoch in dem inzwischen zum Luxushotel umgebauten Gebäude des Landgerichts in Düsseldorf äußerte sich auch der damalige Pflichtverteidiger Dieter Hanschel zu den weithin als zu milde empfundenen Urteilen. Sein Mandant Heinrich Groffmann, in Majdanek SS-Hauptscharführer, sei am 30. Juni 1981 freigesprochen worden.

»Als sein Anwalt war ich auch froh über das Urteil«, sagte der heute 85-jährige Hanschel. In Majdanek habe »ein allgemeines Morden und Töten stattgefunden«. Die deutsche Rechtsprechung habe damals lebenslange Haftstrafen aber nur ermöglicht, wenn Taten einer Täterin oder einem Täter eindeutig persönlich zugesprochen werden konnten und sie mit Vorsatz begangen wurden.

Für alle anderen habe das Gericht Beihilfe zum Mord als Milderungsgrund anerkannt, betonte Hanschel. Er war zunächst für ein Jahr als Pflichtverteidiger eingesetzt, war dann aber während des fast sechsjährigen Prozesses mit dem Inhalt von 120 Aktenordnern Beweismaterial beschäftigt.

Magdeburg

Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt kritisieren Hallervorden-Wahlkampf der CDU

Der Landesverband der jüdischen Gemeinschaft schaltet sich mit deutlichen Worten in die Debatte ein

 06.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 06.08.2026

Mehrere Flaschen mit Limonade der Marke Lemonaid in verschiedenen Geschmacksrichtungen stehen im Regal in einem Getränkemarkt

Meinung

Kann politisch korrekte Limonade antisemitisch sein?

Beim FC St. Pauli ist der langjährige Kapitän Jackson Irvine weg, doch bei der politisch korrekten Brausefirma »LemonAid« sitzt der anti-israelische Australier weiter im Aufsichtsrat

von Daniel Killy  06.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Leipzig

Dobrindt: Deutsche Drohnenabwehr mit Unterstützung Israels

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Leipziger Flughafen kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verstärkte Anstrengungen gegen hybride Bedrohungen an. Helfen sollen dabei auch die Ukraine und Israel

 06.08.2026

Magdeburg/Halle

Schulze: Hallervorden-Auftritt steht für Meinungsfreiheit

Der Komiker verbreitet Verschwörungstheorien über Israel und relativiert Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine

 06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Detroit (Michigan)

Israel-Kritiker El-Sayed gewinnt demokratische Vorwahl für Senat

Der Politiker wird im November gegen den republikanischen Kandidaten antreten. Trump nennt El-Sayed einen »kommunistischen Verlierer, der Juden und Israel hasst«

 06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026