Meinung

Dresden: Lektion gelernt

Martin Dulig, Vorsitzender der SPD Sachsen und der SPD-Fraktion im Landtag Foto: spd

Seit Jahren missbrauchen Rechtsextreme und Neonazis das Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe vom 13. Februar 1945. Der Gedenktag in Dresden hat sich zu einem der größten europäischen Aufmärsche Rechtsradikaler entwickelt. Doch die offizielle Politik der Stadt Dresden und der Sächsischen Staatsregierung kann man als Biedermann-Reflex bezeichnen: Über Jahre meinte man, dem braunen Aufmarsch mit stillem Gedenken und Ignorieren begegnen zu können.

Erst spät – nach der Aufdeckung der Morde der Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« – hat auch im Regierungslager in Sachsen ein begrenztes Umdenken stattgefunden. Wurden noch in den letzten beiden Jahren Demonstranten, die sich an Blockaden gegen den rechten Aufmarsch beteiligten, kriminalisiert und mit gigantischem Aufwand erkennungsdienstlich behandelt, war in diesem Jahr eine Deeskalation auch bei der Polizei zu erkennen.

Friedlich Die Vielfalt der Aktionen hat bewirkt, dass Dresden ein deutliches Zeichen setzen konnte – nicht nur für friedliches Gedenken, sondern auch gegen rechtes Gedankengut. Die Ereignisse haben gezeigt, dass alle aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt haben. Der vergangene Montag hat eindrucksvoll bewiesen, dass die Menschen in Dresden sowohl im ruhigen Gedenken in der Menschenkette als auch im anschließenden friedlichen Protest gegen den Naziaufmarsch geeint waren. Es ist die Bandbreite der Mahnwachen, Gedenkveranstaltungen und Protestversammlungen, die zum Erfolg geführt hat. Die Proteste waren friedlich und effektiv, die Nazis konnten nicht ihre geplante Route laufen.

Es ist wichtig, den Zusammenhalt der Demokraten weiter zu stärken. Wir müssen deutlich machen, dass Rechtsextremismus und seine menschenverachtende Ideologie in Dresden, in Sachsen und in Deutschland nicht toleriert, sondern entschlossen bekämpft wird. Dieses Ziel sollen auch Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden berücksichtigen. Ein autoritär-formaljuristischer Umgang mit Demonstrationen gegen Neonazis nützt letztlich nur den Rechtsradikalen. Der 13. Februar 2012 gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Sächsische Staatsregierung diese Lektion gelernt hat.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026