Hintergrund

Die Islamkonferenz, das Hamas-Massaker und der Hass auf Juden in Deutschland

Schnappschuss am Rande der 4. Deutschen Islam-Konferenz (Archivfoto) Foto: picture alliance/dpa

Seit Beginn des Nahostkriegs ist der öffentliche Blick auf den Islam in Deutschland skeptischer und kritischer geworden. Jubelnde Hamas-Unterstützer, Hetze gegen Juden, Rufe von Islamisten nach einem »Kalifat« auf deutschem Boden Tor steigern das Misstrauen, auch angesichts Hunderttausender Migranten aus muslimischen Ländern.

Der kritische Austausch zwischen Muslimen und Mehrheitsgesellschaft war vielleicht nie wichtiger als in diesen Tagen.

Das betrifft auch die Deutsche Islamkonferenz (DIK), das zentrale Forum für den Dialog zwischen Staat und Muslimen, bei ihrer diesjährigen Fachtagung am Dienstag und Mittwoch in Berlin. Ihr Motto: »Sozialer Frieden und demokratischer Zusammenhalt: Bekämpfung von Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung«.

Das Treffen soll neue Impulse für eine »vielfältige und tolerante Gesellschaft« geben, wie das Bundesinnenministerium (BMI) als Gastgeber ankündigte. Neben Ministerin Nancy Faeser (SPD) spricht dazu auch Altbundespräsident Christian Wulff, der 2010 mit dem Satz »Der Islam gehört zu Deutschland« teils hitzigen Widerspruch ausgelöst hatte.

Eingeladen sind neben muslimischen Vertreterinnen und Vertretern auch Akteure aus dem jüdischen Leben, aus Politik, Kirchen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Allerdings sitzen diesmal bei den drei Diskussionspodien zu Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und »religionsgruppenbezogener Menschenfeindlichkeit« vor allem Diskutanten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf der Bühne, keine Vertreter der großen konservativen, hoch umstrittenen Islamverbände wie Ditib, Islamrat oder Zentralrat der Muslime.

Als Träger der meisten Moscheen repräsentieren sie das eigentliche muslimisch-religiöse Leben im Land und spielten deshalb seit Gründung der DIK 2006 eine führende Rolle als Ansprechpartner des Staates bei der Integration. Wegen ihrer dürftigen Distanzierung vom Terror der Hamas standen sie zuletzt unter scharfer Kritik. Das BMI lud im Oktober eigens führende Verbandsvertreter zum Gespräch und drängte sie zu einer gemeinsamen Erklärung gegen die Hamas-Gräuel.

Zudem haben maßgebliche Verbände mindestens eine ideologische Nähe zum politischen Islam und werden aus dem Ausland gesteuert. So untersteht die Ditib mit ihren fast 1000 Gemeinden der Religionsbehörde in Ankara, ihre Imame sind türkische Staatsbeamte. Die Religionsbehörde hetzt regelmäßig gegen Juden und den jüdischen Staat.

Liberale Muslime wie der DIK-Teilnehmer und Extremismusexperte Ahmad Mansour sehen die Verbände eher als aktive Verhinderer von Integration, denen es lediglich um eine Gleichstellung mit den Kirchen geht. Erst am Freitag, kurz nach einer bundesweiten Razzia gegen schiitisch-islamistische Vereine, sorgte der Auftritt eines Taliban-Funktionärs in Räumen der Ditib in Köln für Wirbel. Faeser forderte Aufklärung; der Verband will von nichts gewusst haben.

Den »Expertenkreis Politischer Islamismus« ihres Amtsvorgängers löste Faeser indes schon 2022 auf. Bei der DIK-Tagung vor einem Jahr betonte sie, der Extremismus sei nicht Sache der Konferenz, sondern der Sicherheitsbehörden. Schon damals setzte sie den Kampf gegen Muslimfeindlichkeit ganz oben auf die DIK-Agenda. Der Bericht eines »Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit« im Auftrag des BMI schien ihr im vergangenen Juni Recht zu geben: Musliminnen und Muslime litten in Deutschland unter weit verbreiteter Diskriminierung, hieß es darin. Methodik und Inhalt der 400-Seiten-Studie stießen aber auch auf Widerstand: Nicht jede Kritik am Islam sei diskriminierend, erst recht nicht in einer säkularen Gesellschaft.

Seit 2006 hat die Deutsche Islamkonferenz viel auf den Weg gebracht. Seminare für islamische Theologie an deutschen Universitäten zur Ausbildung von Moscheepersonal oder Initiativen für den Religionsunterricht an Schulen waren Meilensteine für einen Islam, der in Deutschland verortet ist.

2023 endet das DIK-Förderprogramm »Moscheen für Integration« zur besseren Vernetzung muslimischer Gemeinden mit Kommunen und Mehrheitsgesellschaft. Spannend ist, ob Faeser am Dienstag ähnlich konkrete Schritte vorstellen wird.

CSD

Berlin: Antisemitismus in der queeren Szene nimmt zu

Erst nach parlamentarischen Anfragen veröffentlicht der Senat eine schon seit Monaten fertige Untersuchung zu Judenhass in der LGBTIQ-Community

von André Anchuelo  20.07.2026

Bericht

Brandenburg zählt 461 antisemitische Vorfälle im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Bedrohung und Gewalt: In Brandenburg gibt es immer wieder antisemitische Vorfälle. Laut einem neuen Jahresbericht stagnieren diese Fälle auf einem hohen Niveau - doch die Enthemmung nehme zu

von Benjamin Lassiwe  20.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

New York/Jerusalem

Scharfe Kritik an Mamdani nach Ankündigung, Netanjahu festnehmen zu lassen

Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten heißt es, Mamdani solle ich lieber »auf die Behebung des Schadens konzentrieren, den seine Politik New York zugefügt hat«

 20.07.2026

Washington D.C.

Demokraten kritisieren Trump nach Tod von US-Soldaten scharf

Erstmals seit Monaten verzeichnen die USA nach eigenen Angaben wieder Tote nach iranischem Beschuss. Die US-Demokraten reagieren darauf mit Kritik an Trump, doch der verteidigt seinen Krieg

 20.07.2026

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

Terror

Ermittlungen enthüllen Hamas-Netzwerk in Europa

Das Geflecht erstreckt sich von Griechenland und Zypern über Österreich und Skandinavien bis nach Deutschland

 20.07.2026

Budapest

Premier Peter Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

»Für mich persönlich wäre es ein großes Privileg und eine enorme Ehre, wenn sie diese Bitte annehmen würde«, sagt der Regierungschef

 20.07.2026

Augsburg

15-Jähriger wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf Synagoge angeklagt

Größere Mengen an pyrotechnischem Material soll der jugendliche Verdächtige gesammelt und zuvor einen selbst gebauten Sprengsatz zur Explosion gebracht haben

 20.07.2026