Claims Conference

»Die Finanzierung sichern«

Gideon Taylor Foto: dpa

Claims Conference

»Die Finanzierung sichern«

Gideon Taylor über die Arbeit im Interesse der Schoa-Überlenden und zukünftige Aufgaben

 09.07.2020 10:32 Uhr

Herr Taylor, Sie sind vor wenigen Tagen zum neuen Präsidenten der Claims Conference gewählt worden. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Es ist eine große Ehre für mich, für eine solche Position in Betracht gezogen zu werden und in die Fußstapfen jüdischer Führungspersönlichkeiten wie Nahum Goldmann zu treten, der diese Organisation 1951 gegründet hat. Eines der wichtigsten Merkmale der Claims Conference ist, dass sie das breite Spektrum des jüdischen Lebens zusammenbringt. Da sitzen orthodoxe, säkulare und Reformjuden mit am Tisch, Amerikaner, Israelis und Europäer, Holocaust-Überlebende und Nachgeborene. Sie bringen unterschiedliche Perspektiven mit, aber es gibt ein gemeinsames Ziel.

Was sind Ihre Prioritäten in den kommenden Monaten und Jahren?
Unser Augenmerk liegt erst einmal auf den Verhandlungen mit der deutschen Regierung. Die Schoa-Überlebenden sind sehr alt, ihr Bedürfnis nach Pflege und Fürsorge wächst stetig. Wir müssen sicherstellen, dass ihnen die Leistungen angeboten werden können, die sie benötigen, und dass diese auch finanziert sind. Genauso wichtig sind die Entschädigungsprogramme für Überlebende. Hierfür hat die Claims Conference lange und hart gekämpft. Das ist nur eine symbolische Anerkennung des Leids, das sie erfahren haben. Dennoch ist das Geld für manche Überlebende sehr wichtig, gerade in diesen schwierigen Zeiten.

Stichwort Covid-19: Wie haben die Überlebenden die Krise durchgestanden?
Das war eine sehr schwierige Zeit, und für diese Gruppe ganz besonders. Wenn man lange allein und abgeschottet in den eigenen vier Wänden sitzen muss, fühlt man sich an die Zeit der Schoa erinnert.

Wie würden Sie die Beziehung der Claims Conference zu Deutschland beschreiben?
Sehr positiv. Die Bundesregierung hat Verständnis für die Bedürfnisse der Überlebenden. Wir sehen natürlich, dass sich die politische Landschaft auch in Deutschland verändert. Da ist es wichtig, dass wir eng mit den Nachwuchspolitikern zusammenarbeiten, um so sicherzustellen, dass Deutschland sich seiner moralischen Verantwortung auch bewusst bleibt. Die Bundesregierung versteht auch die Bedeutung der Holocaust-Erziehung und des Gedenkens. Ich glaube, dass sie sehr vorausschauend handelt und der Verantwortung des Landes gerecht wird.

Wie sehen Sie die zukünftige Rolle der Claims Conference?
Solange auch nur ein einziger Überlebender noch unter uns ist, werden wir für gute Betreuung und für Entschädigungszahlungen kämpfen. Uns ist auch sehr bewusst, dass die Berichte der Zeitzeugen für künftige Generationen unerlässlich sind. Wir haben nur noch wenig Zeit, daher müssen wir kluge Wege finden, dieses Wissen zu bewahren, unter anderem durch den Einsatz moderner Technologien.

Mit dem neuen Präsidenten der Claims Conference sprach Michael Thaidigsmann.

Nahost

Trump über Iran: »Es gibt praktisch nichts mehr zum Angreifen«

Israels Verteidigungsminister hat Hoffnungen auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs gerade erst eine Absage erteilt - nun sendet der US-Präsident erneut andere Signale

 11.03.2026

Großbritannien

London scheitert erneut mit Anklage gegen Kneecap-Rapper

Weil er bei einem Konzert eine Flagge der Hisbollah geschwenkt haben soll, wurde Rapper Mo Chara wegen Terrorismusvorwürfen angeklagt. Doch ein Formfehler lässt den Prozess scheitern

 11.03.2026

Doha

Wadephul: Weitere 93 Millionen Euro für humanitäre Hilfe

Der deutsche Außenminister ist vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs auf Krisenreise in der Golfregion. Um das Leid der Menschen zu mildern, stockt die Bundesrepublik ihre Unterstützungsgelder auf

 11.03.2026

Krieg

USA: Am Dienstag fast stündlich Angriffswellen auf den Iran

Die USA greifen seit mehr als einer Woche Ziele im Iran an. Am Dienstag hatte der US-Verteidigungsminister besonders harte Angriffe angekündigt. Nun äußert sich das US-Militär in einem Update dazu

 11.03.2026

Burg

Lehrer berichten in Buch aus Schulalltag mit Nazi-Parolen

»Es interessiert kaum jemanden«: Zwei Lehrer schlagen Alarm wegen rechter Ideologien an einer Schule in Brandenburg. In ihrem Buch »Rechtsruck im Klassenzimmer« geht es um mehr als Kritik am Wegsehen

von Monika Wendel  11.03.2026

Brüssel

EU verhängt weitere Iran-Sanktionen

Dem aktuellen Iran-Krieg ging die brutale Niederschlagung von regierungskritischen Protesten voraus. Die EU verschärft jetzt die Sanktionen und nennt eine konkrete Opferzahl

 11.03.2026

Lanz und Precht

»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs – und scheitern gewaltig

von Michael Thaidigsmann  11.03.2026

Madrid

Spanien beruft seine Botschafterin in Israel ab

Die Sánchez-Regierung zieht Konsequenzen im Streit mit Israel: Die Botschafterin wird abberufen. Wie es dazu kam und welche politischen Konflikte dahinterstehen

 11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026