Meinung

Die falschen Freunde in der FPÖ

»Schön, dass Sie mir die Worte aus dem Mund nehmen. Ich darf so vieles nicht schreiben. Daher freue ich mich umso mehr über mutige, unabhängige Menschen.« So kommentierte die österreichische Parlamentarierin Susanne Winter (FPÖ) am Samstag einen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. Dort hatte jemand geschrieben, das »zionistische Geld« und »die Juden weltweit« seien »das Problem«.

Denn »nach dem Willen der zionistischen Juden« solle Europa »als wirtschaftliche Konkurrenz gegenüber den USA ... ausgeschaltet werden«. Wegen ihrer Zustimmung zu dem antisemitischen Kommentar wurde Winter am Montag aus der FPÖ ausgeschlossen. Sie habe »eine rote Linie überschritten«, erklärte die Parteispitze, in der FPÖ sei »kein Platz für Antisemitismus«.

haider Doch jeder, der die FPÖ ein wenig kennt, weiß, dass Antisemitismus zum Wesenskern der Partei gehört – und das seit ihrer Gründung 1955. Unter den frühen Mitgliedern waren viele ehemalige Nazis, wie der erste Parteivorsitzende, Anton Reinthaller, der als SS-Brigadeführer Karriere gemacht hatte. Auch dessen Nachfolger fühlten sich dem Dritten Reich verbunden: So relativierte Jörg Haider 1991 das NS-Regime. Und erst drei Jahre ist es her, dass die Staatsanwaltschaft gegen den derzeitigen Parteichef Heinz-Christian Strache ermittelte, weil er auf seiner Facebook-Seite eine antisemitische Karikatur gepostet hatte.

Doch neuerdings trägt die FPÖ eine Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde zur Schau. Anfang Oktober betonte Strache in einem Interview: »Wir haben eine besondere Verantwortung, dass nie wieder Juden hier in Wien Angst haben müssen und attackiert werden.« Nach außen hin gibt sich die FPÖ als Anwältin jüdischer Interessen, aber unter der Decke wuchert der Judenhass weiter.

Susanne Winter ist kein Einzelfall. Antisemitische Äußerungen gehören in der FPÖ weiter zur Tagesordnung. Ungewöhnlich ist allerdings, dass die Parteispitze im Fall Winter so schnell reagiert hat. Seit den Wahlerfolgen in mehreren Bundesländern will die FPÖ offenbar zeigen, dass sie seriös und regierungsfähig ist.

Ein pikantes Detail zum Schluss: Susanne Winter ist Mitglied der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Österreich-Israel.

Meinung

Wenn Empörung den Blick verstellt

Eine Replik an Wolf Biermann

von Sacha Stawski  06.10.2026

Gesellschaft

Wadephul: Anstieg des Antisemitismus »katastrophale Fehlentwicklung«

Zugleich betonte er, dass Kritik an der israelischen Regierung weiter möglich sein müsse

 06.10.2026

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026