judenfeindschaft

»Die Dämonisierung Israels nimmt zu«

Herr Sharansky, die Jewish Agency hat am Sonntag eine Studie über Antisemitismus vorgestellt. Fazit: Judenfeindschaft hat in Westeuropa den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Trifft das zu?
Ich bin vorsichtig mit solchen Aussagen, weil wir die antisemitischen Vorfälle erst seit 1995 detailliert erfassen. Aber es stimmt, dass deren Zahl in den vergangenen 15 Jahren stark gestiegen ist, insbesondere 2009 im Zusammenhang mit Israels Militäreinsatz in Gasa. Damit einhergehend hat nicht nur die Gewalt gegen Juden, sondern auch die Dämonisierung des jüdischen Staates zugenommen.

Ist das hauptsächlich ein Phänomen in Westeuropa?
In der freien Welt ist es sehr viel einfacher, antisemitische Vorfälle zu registrieren. Die Polizei, Medien und die jüdischen Gemeinden können dort jeden Übergriff untersuchen. Aber ohne Zweifel geht die größte Gefahr vom iranischen Regime und arabischen Staaten aus, deren Führer der Zerstörung des jüdischen Staates und der »teuflischen Natur« des Judentums das Wort reden.

Dazu passt auch die im Antisemitismusbericht genannte Dämonisierung Israels. Worum geht es dabei?
Als eine schwedische Zeitung einen Beitrag über israelische Soldaten veröffentlichte, die angeblich Palästinensern Organe geraubt haben, klang das wie ein dummer antisemitischer Witz. Aber später wurde dieser absurde Vorwurf auf einer wissenschaftlichen Konferenz in der Ukraine wiederholt. Und während unsere Soldaten jetzt in Haiti Nothilfe leisten, werden erneut solche Lügen verbreitet. Millionen Menschen sind diesen Meldungen ausgesetzt, die absoluter Blödsinn sind. Und immer mehr nehmen sie leider ernst.

Welche Konsequenzen ziehen Israel und die Jewish Agency aus diesen Erkenntnissen?
Wichtig ist, die Anstrengungen im Kampf gegen den Antisemitismus zu bündeln. Ein positives Beispiel war die Antirassismuskonferenz in Genf 2009. Dort ist das Vorhaben gescheitert, eine internationale Bühne für antiisraelische Anfeindungen zu schaffen. Jüdische Organisationen und Regierungen der freien Welt haben das gemeinsam verhindert. Zudem müssen wir vor Ort sehr viel aktiver werden. Ich habe zum Beispiel 70 verschiedene Universitäten in den USA und Europa besucht und bin Zeuge der schrecklichen und alltäglichen Dämonisierung des Staates Israel geworden. Und ich habe erlebt, wie man versucht, jüdische Jugendliche auf Distanz zu diesem Staat zu bringen und sie Scham fühlen zu lassen angesichts ihrer eigenen Identität. Die Jewish Agency arbeitet jetzt intensiv mit anderen jüdischen Organisationen daran, gerade an Universitäten präsent zu sein.

Erstrecken sich die Aktivitäten auch auf die jüdischen Gemeinden?
Ich glaube, dass die jüdischen Gemeinden in der Welt ein starkes Israel brauchen und Israel umgekehrt starke jüdische Gemeinden. In diesem Sinne müssen wir sie unterstützen.

Mit dem Vorsitzenden der Jewish Agency sprach Detlef David Kauschke.

Washington D.C.

USA setzen Sanktionen gegen Francesca Albanese wieder in Kraft

Nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums steht die umstrittene UN-Sonderberichterstatterin wieder auf der Sanktionsliste. Die Maßnahmen erschweren ihr unter anderem die Nutzung von Kreditkartenanbietern

 28.05.2026

München

Charlotte Knobloch: Holocaust-Bildungsstätte »nötiges Gegengewicht«

Die Gedenkstätte Yad Vashem errichtet ein Bildungszentrum in München. Für die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde ist das eine notwendige Maßnahme

 28.05.2026

Washington D.C./Gaza

Trumps »Board of Peace« ohne Mittel – Wiederaufbaupläne für Gaza blockiert

Ein Insider sagte: »Null Dollar wurden eingezahlt.« Trotz zugesagter Summen von 17 Milliarden Dollar (14,7 Milliarden Euro) sei bislang kein Geld in dem vorgesehenen Mechanismus angekommen

 28.05.2026

Berlin

Bericht: Iranische Geheimdienste planten Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Deutschland

Eine Synagoge in Berlin sowie die Jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main sollen im Fokus mutmaßlicher Planungen des Teheraner Regimes stehen

 28.05.2026

New York

Zohran Mamdani will nicht an Israel-Parade teilnehmen

Der Bürgermeister erklärte seine Absage damit, dass er an gleiche Rechte für alle Menschen glaube. Jüdische Organisationen kritisieren ihn erneut scharf

 28.05.2026

Holocaust-Gedenk- und Forschungszentrum

Yad Vashem plant Bildungszentrum in München

Die bayerische Landeshauptstadt wurde nach einer bundesweiten Standortprüfung ausgewählt, die in Abstimmung mit deutschen Stellen durchgeführt wurde

von Imanuel Marcus  28.05.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Iran-Abkommen: Trump »nicht zufrieden«, erhöht Druck auf Teheran

Der amerikanische Präsident: »Entweder wir erzielen eine Lösung, oder wir müssen den Job eben zu Ende bringen.« Zugleich flogen die USA Angriffe gegen eine iranische Militäranlage

 28.05.2026

Krieg

USA greifen Ziele im Iran an. Teheran reagiert mit Gegenschlägen

Die Lage im Überblick

 28.05.2026

Teheran

Chamenei droht USA und Israel

Die Kämpfer der »Widerstandsfront« hätten »bemerkenswerte Siege« gegen »die beiden amerikanisch-zionistischen Terrorarmeen« errungen, sagt der neue Oberste Führer

 27.05.2026