Polen

DFB-Delegation hat Auschwitz besucht

Eine Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat einen Tag nach dem Länderspiel gegen Israel das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht.

Wie der DFB mitteilte, legten DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball gemeinsam in stillem Gedenken an die Schoa-Opfer einen Kranz nieder. Mit einem Eintrag in das Buch der Gedenkstätte erinnerte Niersbach an das Leid der Verfolgten und Ermordeten, zu denen auch Fußballspieler aus Polen und anderen Ländern zählen. Sie hoben die besondere Verantwortung des Fußballs, immer wieder gegen das Vergessen und für ein tolerantes, menschliches und vorurteilsfreies Miteinander einzutreten, hervor.

Erlebnis Der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Es war ein sehr bedrückendes Erlebnis. Ich war bereits in Yad Vashem und konnte daher ein wenig ermessen, was auf mich zukommt. Dennoch glaube ich, dass sich das nicht miteinander vergleichen lässt. Uns war wichtig, zu zeigen, dass wir uns der deutschen Vergangenheit bewusst sind, dass wir die Aufgabe haben, immer wieder darauf hinzuweisen, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Bereits zu meiner Schulzeit wurde die Frage diskutiert, was die heutige Generation mit dieser Vergangenheit zu tun hat. Ich bin der Meinung, dass wir die Verpflichtung haben, uns daran zu erinnern.«

Zur Auswahl der Spieler, die mit dabei waren, sagte Bierhoff: »Für den Kapitän der Nationalmannschaft, Philipp Lahm, war die Teilnahme eine Selbstverständlichkeit. Lukas Podolski hatte frühzeitig signalisiert, er wolle gerne dabei sein. Und mit Miroslav Klose haben wir einen weiteren Spieler, der ebenso wie Lukas Podolski einen starken persönlichen Bezug zu Polen hat, weil beide dort geboren sind. Es war uns wichtig, eine repräsentative Delegation aus dem Kreis der Spieler zu schicken. Und ich glaube, dass uns das gelungen ist. Zumal auch der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Liga-Präsident Reinhard Rauball , Bundestrainer Joachim Löw und andere bekannte Repräsentanten des deutschen Fußballs dabei waren.«

Und zu Einwänden, dass während der EM der Besuch schwierig sein könnte, meinte Bierhoff: »Es ging weniger um die Frage, wie die Spieler das während des Turniers seelisch verkraften. Vielmehr waren es logistische Probleme. Es wäre von unserem Quartier in Danzig einfach eine sehr lange Reisezeit gewesen. Und das wäre aus sportlichen Aspekten sehr schwierig geworden, weil wir unsere ersten drei Spiele in der Ukraine bestreiten. Dadurch haben wir zwischen den Spielen de facto nur zwei Tage Zeit, in denen wir uns in unserem EM-Quartier in Polen auf die nächste Begegnung vorbereiten können. Deshalb wäre der Besuch der Gedenkstätte einfach ein organisatorisches Problem gewesen. Aber ich denke, wir haben mit dem Auschwitz-Besuch am Freitag eine gute Lösung gefunden. Und die Spieler haben danach noch genügend Zeit, dieses Erlebnis zu verkraften.«

Delegation DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte Ende März in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen den Besuch angekündigt. Zeitpunkt, Besetzung und Details sollten folgen. Damals betonte Niersbach: »Wir alle sind uns darin einig, dass dieser Besuch in einem würdigen Rahmen ablaufen muss und kein öffentliches Spektakel werden darf.« Der Fußball-Bund beschäftige sich mit dem Besuch in der KZ-Gedenkstätte, seitdem die Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine vom 8. Juni bis 1. Juli feststehe.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, hatte nach antisemitischen Beleidigungen gegenüber dem israelischen Bundesligaspieler Itay Shechter (1. FC Kaiserslautern) und im Zusammenhang mit der Europameisterschaft den Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte angeregt. ja (mit DFB)

Lesen Sie hier das Interview mit dem DFB-Präsidenten:
prelive.juedische-allgemeine.de/article/view/id/12686

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